Für eine Stunde eingesperrt

Toffen

Nachdem Adventure Rooms die Städte im Sturm ­erobert haben, gibt es nun in der Region neue Alternativen. «Roomexit» heisst in Toffen die neue Herausforderung für Abenteuerlustige.

Die Flucht aus dem dunklen Raum: im neuen Adventure Room «Roomexit» in Toffen. Video: Nikola Stosic

Eingesperrt in einem düsteren Raum, mit Handschellen an ein Heizungsrohr gekettet und nur mit einer Taschenlampe ausgerüstet: eine Szene, die viel mehr an einen Horrorfilm oder an einen Stephen-King-Roman erinnert als an Spass und Freude.Wer sich aber ans Abenteuer «Roomexit» in Toffen wagt, kann die beiden Elemente kombinieren. Dort gibt es nämlich seit zwei Monaten ein neues Live-Escape-Spiel.

Kampf gegen die Zeit

Eigentlich ironisch: Man lässt sich freiwillig einsperren, um dann eine Stunde lang darum zu bangen, wie man wieder an die Freiheit gelangt. Denn genau so lange geht das Spiel. Verschlossene Schränke, Truhen und Türen gilt es zu enträtseln. Um erfolgreich hinauszugelangen, kann man sich dabei nur auf die Teamkameraden, die eigenen Sinne, die eigene Kreativität und seinen Grips verlassen. Währenddessen tickt der Countdown unerbittlich. Und überall hängen Schlösser. Wo sind bloss all die Zahlenkombinationen für diese unzähligen Schlösser? Nur noch 53 Minuten, der Countdown läuft.

Zwei Jahre getüftelt und gebaut: Nun ist Urs Rupp mit seinem Rätselraum «Roomexit» zufrieden. Bild: Christian Pfander

Spass und Kopfzerbrechen

Nachdem solche Adventure Rooms die Schweizer Städte erobert haben, kommt das Phänomen nun auch in die Region. Urs Rupp ist der Tüftler, der hinter dem Ganzen steckt. Nachdem er zuvor bereits an mehreren solchen Räumen gearbeitet hatte, entschied er sich vor zwei Jahren, seine eigenen Ideen zu verwirk­lichen.

Von der Konkurrenz will er sich mit Authentizität abgrenzen. «Wir haben alles selber gebaut und nicht bloss Räume gemietet», erklärt Rupp. Das Ambiente sei dabei genauso wichtig wie die Rätsel. Er und seine Frau haben sich alle Rätsel selber ausgedacht und den Raum entsprechend ihren Bedürfnissen komplett neu eingerichtet. Nach zwei Jahren bauen und ausprobieren ist Rupp zufrieden mit dem Resultat: «Die Leute werden hier Spass und Kopfzerbrechen zugleich erfahren.» Rupp, der seit fünfzehn Jahren ein eigenes Malergeschäft führt, setzt dabei ausser auf ­logische vor allem auf mechanische Rätsel.

Rupp plant für die Zukunft, weitere Räume zu bauen, sodass Duelle veranstaltet werden könnten. Ihm ist auch bewusst, dass die Räume immer wieder neu gestaltet werden müssen, damit sie spannend bleiben. Ideen habe er dafür aber in Hülle und Fülle. An dieser Stelle soll nicht zu viel verraten werden. Alle Abenteuerlustigen, die auch in stressigen Situationen einen klaren Kopf bewahren, sollen sich selber ein Bild machen.

Gruppen von zwei bis fünf Leuten können sich für die Aufgabe anmelden. Von den achtzehn Teams, die das Abenteuer bislang gewagt ­haben, hat es lediglich eines geschafft, rechtzeitig her­auszukommen. Der Autor dieses Textes gehört nicht dazu. Der Selbstversuch zeigt: Manchmal ist zu viel überlegen kontraproduktiv. Da muss Rupp auch mal zwischendurch mit verzerrter Stimme durch die Sprechanlage Tipps geben. Das Aha-Erlebnis am ­Ende führt aber trotzdem zu einem bitteren Nachgeschmack, weil man gegen den Countdown verloren hat.

Berner Erfindung

Die Idee solcher Live-Escape-Spiele ist in Bern entstanden. ­Genauer gesagt in einem dunklen Keller im Länggassquartier. 2012 hatte dort Physiklehrer Gabriel Palacios für seine Schüler einen Raum zum Experimentierfeld umgebaut. Wegen der enormen Nachfrage von Bekannten und den Eltern seiner Schüler entwickelte sich aus dem Schulprojekt schnell eine Geschäftsidee, und er eröffnete ein Jahr später den Adventure Room. Mittlerweile gibt es über dreissig solche Räume unter anderem in Zürich, Davos, Luzern, aber auch weltweit von Russland bis Neuseeland.

Berner Zeitung

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