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«Er hat mit dem Messer vor meinem Gesicht rumgefuchtelt»

Der einst mächtige UBS-Banker Raoul Weil erzählt in einem Dok-Film über seine Zeit im Gefängnis, den Hausarrest und den Prozess in den USA.

«Als hinter mir die Stahltüre ins Schloss fiel, hat das so nachgehallt»: Raoul Weil über seine Erlebnisse in der Gefängniszelle. Foto: Screenshot srf.ch
«Als hinter mir die Stahltüre ins Schloss fiel, hat das so nachgehallt»: Raoul Weil über seine Erlebnisse in der Gefängniszelle. Foto: Screenshot srf.ch

Er stand in Boxershorts in seinem Hotelzimmer, als es im Oktober 2013 an die Tür klopfte. Die italienische Polizei führte den einstigen hochrangigen UBS-Banker Raoul Weil ab. Und steckte ihn in ein Hochsicherheitsgefängnis, zusammen mit Mördern und Drogenhändlern.

Das war der tiefe Fall des Chefs der Vermögensverwaltung der grössten Schweizer Bank. Einst war er Herr über Billionen von Franken und 60'000 Mitarbeiter gewesen. Doch seine Karriere endete abrupt. Die USA erliessen einen Haftbefehl wegen Steuerbetrugs. 56 Tage sass er in einer Zelle nahe der norditalienischen Stadt Bologna, bevor er in die USA überführt wurde. Danach stand er zehn Monate unter Hausarrest.

Traumatisch für Weil war die Zeit in Untersuchungshaft in Italien. «Als ich in die Zelle kam und hinter mir die Stahltüre ins Schloss fiel, hat das so nachgehallt. Diesen Ton werde ich nie vergessen», sagt Weil im Dok-Film. Am Abend standen die Zellentüren jeweils zwei Stunden offen. Ein Mitinsasse offerierte ihm in seiner Zelle einen Espresso. Eine Einladung, die Weil besser ausgeschlagen hätte:

Video – «Da zog er ein Messer hervor»

Weil über einen brenzligen Moment im Gefängnis. Videos: SRF

Bei seiner Ankunft in den USA führten ihn die Behörden in Fussfesseln und Handschellen ab. Der Richter willigte kurz danach ein, Raul aus dem Gefängnis zu entlassen. Allerdings stand er unter strengem Hausarrest. Freunde in New Jersey nahmen ihn auf. Er musste rund um die Uhr einen GPS-Sender tragen. Das Haus und den Garten durfte er nur in Ausnahmefällen verlassen. «Wenn ich zu meinen Anwälten wollte oder zum Zahnarzt, musste ich eine Spezialbewilligung einfordern», sagt Weil. Für ein wenig Sport reichte es dennoch:

Video – Skifahren in Freundes Garten

Weil nutzt den Schneefall für eine kurze Fahrt im Schnee.

Die Staatsanwaltschaft deckte die Verteidiger Weils mit 4,5 Millionen Seiten Dokumenten ein: ein Aktenberg so hoch wie das Empire State Building. Andere UBS-Banker belasteten Weil während des Prozesses schwer. Die Geschworenen erachteten die Zeugen aber als wenig glaubwürdig. Sie fällten das Urteil nach lediglich 45 Minuten Beratung.

Video – «Dann sagte er ‹Not guilty›»

Weil über seine Gefühle nach dem Freispruch vor Gericht.

Im Dok-Film geben Raoul Weil und seine Frau intime Details rund um den Prozess und seine Verhaftung preis. Das Ehepaar – und sogar Weils Anwälte – zeigen Emotionen. Die Rollen sind im Film klar verteilt: Hier Weil, das Opfer; dort die US-Staatsanwaltschaft, die um jeden Preis einen hochrangigen Schweizer Banker hinter Schloss und Riegel bringen will. Hinterfragt wird dieses Schema im Beitrag nicht.

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