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Er hat die SBB aufgemischt

Hans Eisenring kam «von aussen» zur Bahn und konnte so vieles infrage stellen. Der Nachruf von Benedikt Weibel.

MeinungBenedikt Weibel
Hans Eisenring. Foto: Archiv SBB
Hans Eisenring. Foto: Archiv SBB

Als der neue Generaldirektor am 1. Februar 1983 auf den Etagen der SBB-Verwaltung auftauchte, rieben sich nicht wenige die Augen. Hans Eisenring hatte so gar nichts Beamtenhaftes an sich. Er sprühte vor Lebensfreude, war gepflegt unkonventionell, und bald gehörte sein breiter Rorschacher-Dialekt zum Sound in den Sitzungszimmern und in den Gängen. Er hatte seine Karriere nicht bei den SBB gemacht (was in deren Führungsriege damals eher unüblich war), hatte aber dennoch einen engen Bezug zur Bahn.

Hans Eisenring wurde 1932 als Sohn des Rorschacher Nationalrats Theodor Eisenring geboren. An der ETH Zürich machte er sein Diplom als Maschineningenieur. 1962 wurde er vom damaligen Chef der Fahrzeugwerke Altenrhein AG als Assistent angestellt. Die FFA produzierte unter anderem Eisenbahnwagen für die SBB. 1968 übernahm Eisenring die Leitung der Firma. Er wurde zum Unternehmer, der ein Schwergewicht auf die Entwicklung neuer Produkte legte.

1982 wählte der Bundesrat Hans Eisenring zum Generaldirektor der SBB. Als Chef des Departements Technik hatte er gleich zu Beginn knifflige Fragen bei der Konzeption der Züge für die S-Bahn Zürich zu lösen. Der Kanton Zürich hatte sich im Zusammenarbeitsvertrag mit den SBB eine Mitbestimmung bei der Typenwahl ausbedungen. Die Meinungen über die optimale Variante gingen nicht nur zwischen Kanton und den SBB, sondern auch innerhalb der SBB auseinander. Dank Eisenrings Moderation wurde ein Konsens gefunden.

Die Lok 2000 war seine Herzensangelegenheit. Es war die erste schöne elektrische Lok.

Unter Eisenrings Leitung nahm sich die SBB vor, mit dem Angebotskonzept Bahn 2000 und einem massiven Ausbau die Reisezeiten zu minimieren. Die Schlüssel dazu hiessen Optimierung der Anschlüsse (auch zu den Bahnen und Bussen in Randregionen) sowie der Halbstundentakt auf den Hauptlinien. Eisenring war dank seines Unternehmergeists, seiner Industrieerfahrung, seiner unkonventionellen Art und seinem ansteckenden Optimismus der prädestinierte Mentor von Bahn 2000. Auf nichts reagierte er allergischer als auf den immer wieder vorgebrachten Einwand «agabu» (alles ganz anders bei uns). Sein Einsatz war unermüdlich: 1987, vor der erfolgreichen Volksabstimmung über die Bahn 2000, hielt er 134 Vorträge im ganzen Land.

Eine Herzensangelegenheit war ihm die Entwicklung der Lok 2000, technisch: Re 460. Er wollte nicht nur die technisch beste Lokomotive. Er nahm Kontakt mit dem legendären Designer Sergio «Pinin» Farina auf und beauftragte ihn mit dem Design. Die Re 460 war die erste schöne elektrische Lok.

Seine Spuren bleiben

Auf der Liste der von Hans Eisenring mit nachhaltigem Erfolg durchgesetzten Standards steht auch die Perronhöhe 55 Zentimeter. Darüber wurde jahrelang debattiert, bis Hans Eisenring den Punkt machte. Ein Kompromiss wohl, aber einer, der auch Jahrzehnte später Sinn macht.

Auf den 1. April 1990 wählte der Bundesrat Hans Eisenring als Nachfolger von Werner Latscha zum Präsidenten der Generaldirektion. Leider zwangen ihn gesundheitliche Probleme bereits auf Ende 1992 zum Rücktritt. Er war danach in verschiedenen Verwaltungs- und Aufsichtsräten tätig. Am 12. Dezember 2004 konnte er die erfolgreiche Umsetzung von Bahn 2000 zur Kenntnis nehmen. Er ist am 18. Januar 2020 in seinem 88. Lebensjahr verstorben. Die Spuren, die er bei den SBB hinterlassen hat, bleiben.

Benedikt Weibel war von 1993 bis 2006 SBB-Chef.

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