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Elon Musk hat sich verpokert

Die Börsenaufsicht verlangt, dass Musk die Führung des Tesla-Konzerns aufgibt. Es bliebe nicht viel mehr als ein Autohersteller mit grossen Schulden.

Hat sich mit seinem Tweet vom 7. August verdribbelt: Tesla-Chef Elon Musk. Foto: Bill Pugliano (Getty Images)
Hat sich mit seinem Tweet vom 7. August verdribbelt: Tesla-Chef Elon Musk. Foto: Bill Pugliano (Getty Images)

Das Verdikt der Börsenaufsicht richtet sich zwar nur gegen Elon Musk. Er hat aus Sicht der Aufsichtsbehörde die Investoren mit einem unbedachten Tweet betrogen und soll deshalb die Führung von Tesla permanent aufgeben. Somit steht die Zukunft von Tesla auf dem Spiel. Ohne Musk dürfte der stark verschuldete Autohersteller Mühe haben, weitere Mittel zu beschaffen und die nervösen Zulieferfirmen zu besänftigen.

Die Reaktion an der Börse zeigte gestern, dass die Musk-Prämie bereits am Schmelzen ist. Die Investoren liessen die Tesla-Aktie um zwölf Prozent fallen und bewerten das Unternehmen mit rund 49 Milliarden Dollar, nur noch knapp höher als den grössten Autokonzern des Landes, General Motors. Doch der Aufpreis, den Musk mit seinem Tweet über eine Privatisierung von Tesla ausgelöst hatte, ist nun völlig verschwunden.

Am 7. August hatte er völlig überraschend verkündet, Tesla nach 15 Jahren an der Börse vom öffentlichen Marktplatz zurückzuziehen, um dem Leistungs- und Erwartungsdruck an der Börse sowie dem Klammergriff von missgünstigen Investoren zu entgehen. Er versprach einen Rückkaufpreis von 420 Dollar pro Aktie und behauptetet, die nötigen Mittel – rund 20 Milliarden Dollar – beim saudischen Staatsfonds und anderen Investoren gesichert zu haben. Die Aktien schnellten sofort in die Höhe und machten Musk vorübergehend zu einem noch vermögenderen Mann.

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Das machte die Börsenaufsicht hellhörig. Sie ermittelte zu diesem Zeitpunkt bereits wegen der mehrmals weit übertriebenen Produktionsprognosen. Doch nun lieferte Musk mit seinem Tweet exakt jenes Beweisstück, das die SEC für ein Betrugsverfahren brauchte.

Cannabis-Zahl als Zielwert

Der Fall war offenkundig klar, schloss die Aufsichtsbehörde die Ermittlungen doch in nur gerade zwei Monaten ab. Musk habe trotz gegenteiliger Behauptungen gewusst, dass sein Privatisierungsplan nicht gesichert und kein Investor eine feste Zusage gegeben habe, schreibt die Aufsicht.

Der Rückkaufwert von 420 Dollar pro Aktie sei darüber hinaus vom Haschkonsum von Musk inspiriert gewesen. 420 in der amerikanischen Cannabis-Folklore verweist auf ein Treffen von frühen Haschkonsumenten um 4.20 Uhr nachmittags. Musk habe mit dieser Anspielung seine Freundin erheitern wollen, meint die SEC, «kein guter Grund für die Bestimmung des Preises».

Dabei hätte Musk die Chance gehabt, den Streit aussergerichtlich beizulegen. Die SEC bot ihm angeblich einen Vergleich mit einer saftigen Strafe an, den Musk indessen in letzter Minute ablehnte. Warum er dies tat, ist nicht klar, doch dürfte er nach Ansicht von Wirtschaftsjuristen darauf spekuliert haben, dass die Behörde den Schritt hin zu einer Anklage und einem Gerichtsprozess nicht wagen würde.

Musk weist Urteil zurück

Diese Annahme ist nicht ganz unbegründet, leidet die SEC in San Francisco doch seit langem an einem Mangel an qualifiziertem Personal, weil junge Talente oft von den Techkonzernen im Silicon Valley mit weit höheren Löhnen und besseren Karriereaussichten abgeworben werden.

So kam Apple 2007 und 2009 zweimal ohne Sanktionen davon, obwohl der Konzern unter der Leitung von Steve Jobs illegal Aktienoptionen zurückdatiert und damit das Management bereichert hatte und weil der schlechte Gesundheitszustand von Jobs gegenüber Investoren verschwiegen wurde.

Musk weist das Urteil zurück. «Das ungerechtfertigte Vorgehen der SEC betrübt und enttäuscht mich zutiefst. Die Integrität ist der höchste Wert in meinem Leben, und die Fakten werden zeigen, dass ich diese nie kompromittiert habe.» Der Verwaltungsrat sicherte ihm gestern die volle Unterstützung zu.

Tesla kommt voran

Die Klage erreicht Tesla zu einem schlechten Zeitpunkt. Zum ersten Mal scheint der Autohersteller im laufenden Quartal voll auf Kurs. Nachdem er die Produktion von 50'000 bis 55'000 Wagen des Model 3 in Aussicht gestellt hatte, sind bis zwei Tage vor Ablauf der Frist gemäss dem Online-Fachmagazin «Electrek» bereits 51'000 Modelle vom Band gelaufen.

Die Vorgabe scheint erfüllt, und Tesla ist dringend darauf angewiesen. Das Model 3 soll den Konzern nach 15 Jahren endlich über die Gewinnschwelle befördern und erlauben, den Schuldenberg von zehn Milliarden Dollar abzubauen.

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