Einkaufstourismus – deutsche Händler jubeln

Mit dem Absturz des Euro dürfte der Marsch Schweizer Käufer über die Grenze zunehmen. Händler in der Hochpreisinsel Schweiz haben das Nachsehen.

Ennet der Grenze ist es günstiger: Einkaufstouristen in Süddeutschland. (Archiv)

Ennet der Grenze ist es günstiger: Einkaufstouristen in Süddeutschland. (Archiv)

(Bild: Keystone)

Die Freigabe des Euro-Franken-Kurses durch die Schweizerische Nationalbank (SNB) freut deutsche Detailhändler – besonders in Baden-Württemberg in der Nähe der Grenze. Denn sie rechnen mit wachsendem Shoppingtourismus.

Einkaufen in Deutschland werde für Schweizer nun noch günstiger, sagte Olaf Kather, Hauptgeschäftsführer des Detailhandelsverbandes Südbaden am Donnerstag in Freiburg im Breisgau der Deutschen Presse-Agentur. Davon dürften die deutschen Händler profitieren.

Das Angebot deutscher Händler ist wegen des niedrigeren Preisniveaus bereits heute bei Kunden aus der Schweiz beliebt. Entlang der Schweizer Grenze betrage ihr Anteil im Schnitt 25 bis 35 Prozent, Tendenz steigend, sagte Kather. In einigen Branchen, beispielsweise im Möbelhandel oder im Elektronikhandel, machten sie 60 Prozent und mehr vom Umsatz aus.

«Der Einkaufstourismus wird zunehmen»

«Der Einkaufstourismus wird zunehmen», kommentierte Sara Stalder, Geschäftsleiterin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS), den Entscheid der Nationalbank, auf den Franken-Euro-Mindestkurs zu verzichten. Die Preisdifferenzen zwischen Schweiz und EU würden wieder wachsen.

Wenn internationale Anbieter mit Filialen in der Schweiz einen Preisaufschlag in der Schweiz verrechneten, werde die Differenz nun noch grösser, stellte Stalder gegenüber der Nachrichtenagentur SDA fest. «Und in der Schweiz haben wir relativ viele Importprodukte.»

Den Konsumentinnen und Konsumenten rät Stalder, die Preise über die Grenzen hinaus zu vergleichen und höchste Preise nicht zu akzeptieren. Stalder erinnerte an die gescheiterte Revision des Kartellgesetzes: «Damit hätte das Gewerbe die Grundlage erhalten, zu konkurrenzfähigen Preisen einkaufen zu können.»

Debatte geht wieder los

Nach dem Entscheid werde die Debatte über die Preise wieder voll einsetzen, doppelte Nadia Thiongane von der Westschweizer Konsumentenorganisation FRC nach. Produzenten und Verteiler müssten Währungsgewinne ehrlich auf die Endpreise weitergeben.

Die FRC geht laut ihrer Mitteilung davon aus, dass nach der Aufgabe des Mindestkurses der Franken und der Euro im Verhältnis von praktisch 1:1 stehen werden. Sie werde deshalb auf ihre Forderungen von vor vier Jahren pochen.

Für die FRC ist es besonders wichtig, den Einkaufstourismus zu bekämpfen. Sie sieht aber auch positive Seiten: Importeure könnten zu besseren Bedingungen einkaufen. Für Schweizer würden Ferien im Ausland billiger – umgekehrt aber werden Ferien in der Schweiz für Ausländer teurer.

sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt