Doppelt geknipst wird besser

Der chinesische Hersteller Huawei baut in sein neustes Smartphone gleich zwei Kameras ein. Damit sollen auch bei schlechtem Licht gute Fotos glücken. Ein Kameratest im Halbdunkeln.

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Mathias Born@thisss

Das Smartphone trifft kurz vor Redaktionsschluss ein – zu spät für einen Test am Arbeitsplatz. Entsprechend kommt das Gerät gleich zu einem ersten Ausseneinsatz bei einem Konzert. Und das ist auch gut so: Das Smartphone P9 soll laut Huawei vorab im Bereich Fotografie punkten – insbesondere dann, wenns mit dem Licht schwierig wird.

Der chinesische Hersteller hat bei der Entwicklung der Kamera seines neuen Topmodells mit dem Linsenspezialisten Leica zusammengespannt. Entsprechend prangt auf der Geräterückseite der Name des deutschen Traditionsunternehmens. Die beiden Kooperationspartner sind bei diesem Gerät einen neuen Weg gegangen: Das P9 verfügt nicht bloss über eine Rückkamera, sondern gleich über zwei. Die eine macht Farbfotos. Die zweite liefert Schwarzweissbilder. In der Standardeinstellung kombiniert das Gerät die beiden Aufnahmen. Die Schwarzweisskamera liefert quasi die Umrisse, der Farbsensor malt diese dann aus. Da der Schwarzweisssensor weitaus lichtsensibler ist als sein Farbpendant, sollen auch bei schlechtem Licht gute Fotos gelingen.

Huawei will mit dieser Technik nichts weiter als «neue Massstäbe in der Fotografie» setzen. Das P9 fange 100-mal mehr Licht ein als die Kamera des Galaxy S7 von Samsung, und sogar 270-mal mehr als jene in Apples iPhone 6S, hat der Hersteller berechnet.

Gut, aber nicht verblüffend

Beim Praxistest am Konzert gelingen mit dem P9 einige erstaunlich detaillierte Fotos mit kräf­tigen Farben und satten Kon­trasten. Allerdings sind die Unterschiede zu den mit dem iPhone 6S gemachten Fotos nicht so augenfällig, wie man es angesichts der Lichtwerte erwarten könnte. Ein Grund dafür ist, dass Huawei auf einen optischen Bildstabilisator verzichtet, wie er im aktuellen iPhone und dem Galaxy S7 steckt. Dafür konnte Huawei die Linsen plan im dünnen Gehäuse versenken, während jene der Konkurrenzprodukte unschön und unpraktisch heraus­ragen.

Ambitionierte Mobilfotografen dürften Freude am P9 haben: Im Profimodus können der ­ISO-Wert – also die Aufnahmeempfindlichkeit – und die Verschlusszeit eingestellt sowie der Weissabgleich manuell gemacht werden. Zudem lassen sich Fotos im RAW-Format speichern, sodass nachträgliche Feinjustierungen möglich bleiben. Die Fotoapp bietet also viel. Reizvoll sind zudem die mit dem spezialisierten Sensor gemachten Monochrom-Aufnahmen. Daran kommen die konvertierten Farbbilder der Konkurrenten nicht heran.

Kein Ersatz für die Kamera

Klar, die beste Kamera ist jene, die man stets dabei hat. Nichtsdestotrotz werden ambitionierte Fotografen weiterhin nicht zugunsten eines Smartphones auf die «richtige» Kamera verzichten wollen. Nicht nur sind die Einstellungsmöglichkeiten bei dieser dank all den Knöpfchen und Rädchen flexibler. Viel wichtiger: Mit grossen Objektiven lässt sich mehr Licht einfangen. Zudem kann die Blende variert und so die Tiefenschärfe verändert werden.

Beim neuen Smartphone von Huawei fotografiert man hingegen permanent mit Blende 1:2,2. Eine spannende Funktion versucht diesen Mangel indes zu kompensieren: In einem Modus kann den Fotos nachträglich ein Blendeneffekt hinzugefügt werden. So lässt sich etwa der Fokus aufs Gesicht einer porträtierten Person legen und der Hintergrund «verwischen». Möglich ist diese Nachbearbeitung dank der zweiten Fotolinse. Zwar sind die Resultate nicht immer perfekt. Ein Hingucker sind solche Bilder aber alleweil. Insbesondere, wenn sie von einem Smartphone kommen.

Die Preisempfehlung fürs Smartphone P9 von Huawei liegt in der einfachsten Version bei 600 Franken. Mit dem P9 Plus bietet Huawei eine grössere und mit dem P9 Light eine abgespeckte Version an. Letztere verfügt aber nicht über die Zweilinsenkamera.

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