Die Schweizer Front gegen die Bezahl-App von Apple steht

Ein Kommentar von Wirtschaftsredaktor Jon Mettler zur Fusion von Twint mit Paymit.

Jon Mettler@jonmettler

Post, Swisscom, UBS, Credit Suisse, Zürcher Kantonalbank, Raiffeisen, Migros und Coop: Diese traditionsreichen Schweizer Firmen vereinen zusammen mit der Börsenbetreiberin SIX ihre bargeldlosen Bezahlsysteme fürs Smartphone zu einer neuen Lösung. Die Markteinführung ist für kommenden Herbst geplant, sofern die Wett­bewerbskommission dem Vorhaben zustimmt. Damit haben sich bisherige Konkurrenten entschieden, miteinander statt gegeneinander zu arbeiten.

Es ist ein kleiner Triumph für die Macher der Twint-Lösung der Postfinance. Dieser Markenname wird für das neue System beibehalten. Zudem übernimmt der umtriebige Twint-Chef Thierry Kneissler die Leitung der neuen Firma. Die Posttochter Postfinance hatte Twint im Sommer 2015 in der Schweiz als erste Bezahllösung fürs Smartphone lanciert – und überraschend die Schweizer Finanzindustrie und die Telecombranche überholt. Dieser Vorsprung zahlt sich jetzt aus. Twint gewinnt. In den Hintergrund tritt damit Paymit, das System der Banken. Einzig die Möglichkeit von Paymit, von Handy zu Handy Geld zu überweisen, wird in die neue Lösung eingebunden.

Zeit zum Auskosten des Erfolgs bleibt nicht. Es wartet viel Arbeit auf die beteiligten Schweizer Firmen. Ihr Gesinnungswandel im hart umkämpften Markt des kontaktlosen Bezahlens hat einen einfachen Grund: Apple steht hierzulande mit einer eigenen Dienstleistung in den Startlöchern. Darauf deutet hin, dass der kalifornische Technologiekonzern in der Schweiz die Bezeichnung Apple Pay schützen liess.

Mit ihrer Zusammenarbeit stellen sich die kleinen Schweizer Firmen gegen den Giganten aus den USA. Sie wissen, dass Apple im Vorteil ist. Nicht nur sind etwas mehr als die Hälfte aller Smartphones in der Schweiz iPhones. Die neueren Apple-Geräte sind auch mit der Funktechnologie NFC ausgestattet. Es ist derselbe Standard, der auch in modernen Kreditkarten enthalten ist. Apple verweigert den Programmierern von Apps den Zugriff auf NFC. Twint ist deshalb mit Bluetooth auf eine andere Übertragungstechnologie für den Bezahlvorgang ausgewichen.

Bis jetzt sind an den Kassen von Coop und Migros nur wenige Kunden auszumachen, die mit dem Smartphone bezahlen. Noch gelten Smartphones als zu unsicher, als dass die Nutzer darüber Geldtransfers abwickeln würden. Diese Einstellung kann sich aber schnell ändern, wie das gegenüber neuen Technologien oft vorgekommen ist. Wegen der grossen Verbreitung von iPhones in der Schweiz ist Apple Pay zuzutrauen, dass dieser Service die Akzeptanz vom mobilen Zahlen beim Nutzer schlagartig erhöht. Genau für diesen Fall haben Post, Banken, Swisscom, Migros und Coop nun vorgesorgt. Sie haben ihre Ausgangslage verbessert, indem sie ihre Kräfte bündeln.

Mail: jon.mettler@bernerzeitung.ch Twitter: @jonmettler

Berner Zeitung

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