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Die Mitarbeitenden retten die Ehre der SBB

Miserable Pünktlichkeit, sinkendes Vertrauen, schlechte Entscheidungen. Bei der Bahn läuft momentan viel schief. Aber nicht alles.

MeinungPhilipp Loser
Die SBB-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter leisten täglich hervorragende Arbeit. Foto: Keystone
Die SBB-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter leisten täglich hervorragende Arbeit. Foto: Keystone

Dieser Text ist ein Gruss an jene Zugbegleiterin, die vor einer Woche einen ICE von Bern nach Zürich ausserplanmässig in Aarau anhalten liess, damit eine junge Frau eine wichtige Prüfung nicht verpasste (zum Bericht). ­Er geht an die Kondukteurin, die im überfüllten Spielzug ins Berner ­Oberland die Situation blitzschnell erfasste und den überforderten Eltern eine Kontrolle erliess.

Er geht an jenen SBB-Mitarbeiter, der einem im Gang stehenden jungen YB-Fan (Büchsenbier und McDonald’s-Sack) den Weg in die erste Klasse wies. Er geht überdies an den Bistroangestellten, der kürzlich am ­Zukunftstag so lange und überzeugend seine Gäste bequatschte, bis ein zehnjähriges Mädchen seine Hörnli mit Gehacktem nicht mehr im Stehen essen musste.

Er geht, da wir schon im Bistro sind, an alle Kellnerinnen und Kellner, die jeden Tag mit jämmerlich funktionierenden Kartenlesegeräten mürrische Businesspeople besänftigen müssen – und nie die Contenance verlieren (und haben Sie schon einmal versucht, ein Tablett voller Kaffees durch einen vollgestellten und schwankenden Zug zu tragen? Eben!).

Die SBB haben ein Problem. Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind es aber nicht.

Er geht zudem an alle Zugbegleiter, die die Klagen über den doppelstöckigen Schüttelzug (ernsthaft, SBB?) stoisch und meist sogar noch freundlich über sich ergehen lassen.

Die SBB haben ein Problem. Ihre Pünktlichkeitswerte sind – angesichts der selber gesetzten Massstäbe, angesichts unserer Erwartungshaltung – miserabel (lesen Sie hier mehr darüber). Der Bombardier-Zug ist ein nicht enden wollendes Ärgernis. Das System ächzt so hörbar, dass es auch die Fahrgäste mitbekommen. Das Vertrauen in das Unternehmen sinkt, schlechte Schlagzeilen, schlechte Stimmung. Unfair daran ist, dass es nicht die Manager sind, die für das aktuelle Leistungstief unserer Bundesbahnen geradestehen müssen. Die sich die Klagen im Zug anhören, die bösen Blicke ertragen müssen.

Darum sei es hier einmal gesagt: Die SBB haben ein Problem. Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind es nicht.

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