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«Die Kuh wird gemolken, aber nicht geschlachtet»

17 Milliarden Dollar soll die Bank of America in einem Vergleich abliefern. Wie verkraften die Finanzinstitute die immer höheren Zahlungen? Und wie steht es hier um UBS und CS?

Banken, die hier geschäften, müssen bei Vergehen ziemlich tief in die Kassen greifen: Manhattan in New York, wo der grösste Finanzplatz der Welt zu Hause ist.
Banken, die hier geschäften, müssen bei Vergehen ziemlich tief in die Kassen greifen: Manhattan in New York, wo der grösste Finanzplatz der Welt zu Hause ist.
Martin Ruetschi, Keystone

Das Bussenkarussell bei den internationalen Grossbanken dreht sich immer schneller. Wie verschiedene Medien berichten, steht die Bank of America (BoA) kurz vor einem aussergerichtlichen Vergleich mit dem US-Justizministerium, der das Geldinstitut bis zu 17 Milliarden Dollar kosten könnte. Kommt es tatsächlich zu dem Deal, wäre das die mit Abstand höchste Vergleichszahlung in einem einzelnen Fall, in dem einer Bank behördlicherseits ein Fehlverhalten vorgeworfen wird.

Die bisherige Rekordzahlung von 13 Milliarden Dollar resultierte aus einem Vergleich, den die US-Bank J. P. Morgan im vergangenen November mit den US-Behörden abgeschlossen hat. In diesem wie auch im Fall der BoA steht der Vorwurf im Raum, die Banken hätten in den Jahren 2004 bis 2008 mit US-Hypotheken besicherte Wertpapiere (Mortgage-Backed Securities, MBS) an Privatanleger verkauft, ohne diese über die hohen Risiken respektive die schlechte Qualität der Papiere hinreichend ins Bild zu setzen. Erst im Juli hat sich die amerikanische Citigroup in der gleichen Angelegenheit zu einem Vergleich in Höhe von 7 Milliarden Dollar durchgerungen. Der teilweise und gänzliche Ausfall dieser MBS, welche die Banken weltweit im Umfang von Hunderten Milliarden Dollar verkauften, hatte massgeblich zum Ausbruch der Finanzkrise ab 2007 geführt.

2014 setzt einsamen Bussenrekord

Laut «Financial Times» haben die Banken im bisherigen Jahresverlauf über 50 Milliarden Dollar gezahlt, um Untersuchungen der US-Behörden so zu einem vorzeitigen Ende zu bringen; damit sei bereits das letztjährige Gesamttotal übertroffen worden. Angesichts dieser Entwicklung verwundert nicht, dass das Thema der Strafzahlungen einen zunehmend stärkeren Einfluss auf die Bewertung von Bankaktien ausübt. «Vor allem bei Instituten, bei denen völlig offen ist, was noch an Bussen und Vergleichszahlungen auf sie zukommt, ist das ein ganz wichtiges Thema», sagte Andreas Venditti, Analyst bei der Bank Vontobel. Als «problematisch» empfindet er insbesondere die Wahrnehmung von Investoren, dass oftmals gleich ein neuer Rechtsfall auftauche, kaum sei ein alter abgeschlossen worden. Mehr operative Fragen, wie das schwierige Marktumfeld angesichts von Tiefstzinsen und passiver Kundschaft, würden dadurch zunehmend überlagert.

Andreas Brun, Analyst bei der Zürcher Kantonalbank (ZKB), beurteilt die Situation ähnlich: «Das Bussenpotenzial einzelner Banken steuert die Märkte ganz wesentlich.» Insbesondere Institute mit einer vergleichsweise knappen Kapitalausstattung, wie etwa die Credit Suisse, stünden unter scharfer Beobachtung. Da der Bankensektor wegen des Marktumfelds, regulatorischer Kosten und Sondereffekten, so Brun, «aktuell nicht gerade prickelnd verdient», habe sich die Bewertung etlicher Institute auf die Hoffnung höherer Dividendenausschüttungen und der Rückzahlung überschüssigen Kapitals gestützt. «Nicht nur bei der CS, sondern auch bei der UBS oder der BNP Paribas könnten diese Hoffnungen zumindest infrage gestellt sein», sagte der ZKB-Analyst.

«Kuh wird gemolken, aber nicht geschlachtet»

Trotz der massiven Verteuerung der Vergleichszahlungen erwarten beide Bankexperten nicht, dass deswegen eines der betroffenen Institute in die Knie gehen könnte. Den Behörden in den USA sei sehr wohl bewusst, wie weit sie mit ihren Forderungen gehen können, meinte Venditti. Mit Blick auf den bisherigen Rekord-Deal von J. P. Morgan und die voraussichtliche neue Höchstmarke der BoA im zweistelligen Milliardenbereich gab er zu bedenken, dass sich die Eigenmittel der grossen US-Banken auf dreistellige Milliardenbeträge belaufen. Zum Vergleich: Die UBS kommt auf etwa 50 Milliarden Franken.

Für Brun macht es den Anschein, als ob sich die US-Behörden bei den Bankenvergleichen nach dem Motto verhielten, «die Kuh wird gemolken, aber nicht geschlachtet». Dabei verweist er auf das Beispiel der Credit Suisse: Bei der Bemessung der 2,6-Milliarden-Dollar-Busse zur Beilegung des Steuerstreits dürfte für die Amerikaner nicht zuletzt eine Rolle gespielt haben, wie viel sie der Bank finanziell zumuten konnten, «um eine Verunsicherung im Markt erst gar nicht entstehen zu lassen».

UBS-Risiko «um ein Vielfaches grösser»

In der direkten Gegenüberstellung der beiden Schweizer Grossbanken sieht Brun die Credit Suisse weniger exponiert als die UBS, was künftige Bussen- und Vergleichszahlungen anbelangt. Gleichwohl seien auch bei der CS negative Überraschungen nicht ausgeschlossen, was umso schwerer wiege, als deren Kapitaldecke im internationalen Branchenvergleich zum kürzeren Ende gehöre. Die UBS sei zwar kapitalmässig deutlich besser ausgestattet als ihre Lokalkonkurrentin, dafür ist nach Einschätzung des ZKB-Analysten auch das Risiko «um ein Vielfaches grösser». Insbesondere ihre Verstrickungen in Manipulationsversuche am Devisenmarkt könnten die UBS, so Brun, «noch sehr teuer zu stehen kommen».

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