Die IT-Revolution frisst ihre Kinder

Hintergrund

Die Konsumenten wechseln vom Laptop auf das Smartphone. Das bringt selbst Giganten wie Intel, Google und Microsoft in Schwierigkeiten.

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Philipp Löpfe

So lange ist es nicht her, da musste jeder, der jemand sein wollte, einen Blackberry haben. Noch vor vier Jahren wurde kolportiert, Barack Obamas grösstes Problem nach der gewonnenen Präsidentenwahl sei es gewesen, dass er dieses geliebte Gerät aus Sicherheitsgründen nicht mehr benützen dürfe. Manager kamen sich ohne Blackberry nackt vor, und da sie selbst im Bett mit dem Ding herumspielten, liefen ihnen die Frauen davon.

Heute lässt sich niemand, der jemand sein will, mit einem solchen Gerät in der Öffentlichkeit blicken. Das einstige Statussymbol ist zu einem Schandfleck verkommen. Das Unternehmen hat die neueste Entwicklung der Apps verschlafen und ist hoffnungslos altmodisch geworden. Die neue Yahoo-Chefin Marissa Mayer hat als eine ihrer ersten Amtshandlungen befohlen, dass alle Blackberrys ihrer Mitarbeiter entweder durch iPhones oder Android-Geräte ersetzt werden müssen. Noble Discos, so berichtet die «New York Times», verweigern Blackberry-Besitzern den Zutritt.

Nur die Paranoiden überleben

Intel-Gründer Andy Groves hat Ende der 1990er-Jahre einen Bestseller geschrieben mit dem Titel «Nur die Paranoiden werden überleben». Diese Botschaft ist aktueller denn je, ganz speziell für Intel. Lange war der Chiphersteller unbestrittener Marktleader, Intel inside das Markenzeichen eines Premiumprodukts. Doch derzeit rollt eine neue Revolutionswelle durch die IT-Welt, und sie macht auch vor Intel nicht halt. Nicht mehr Laptops oder gar PC sind gefragt, sondern Tablets und Smartphones. Dort sind die Intel-Chips weit weniger gefragt, die Verkäufe der einst so begehrten Schaltkreise sind eingebrochen. Dass auch die Software von Microsoft immer weniger Käufer findet, ist ein schwacher Trost, genauso wie die Tatsache, dass die Preise für Anzeigen bei Google seit einem Jahr fallen.

In der sehr kurzlebigen IT-Welt ist keiner sicher. Apple ist heute die wertvollste Firma der Welt und hat soeben eine Miniversion seines iPad lanciert. Doch die Aktionäre sind nicht entzückt, sondern besorgt. Der Preis des neuen Geräts könnte zu hoch sein, nörgeln sie. Facebook mag heute ein leicht besseres Quartalsresultat ausweisen als erwartet. Doch der Lack der ehemaligen Wunderknaben um Mark Zuckerberg ist bereits ab: Die Facebook-Aktien haben rund die Hälfte ihres Wertes eingebüsst.

Experimente mit neuen Werbemethoden

Der Trend weg vom Laptop und hin zum Smartphone hat selbst die Giganten auf dem falschen Fuss erwischt. Ihre Businesspläne geraten durcheinander, weil auf den kleinen Bildschirmen kein Platz für Werbung ist und weil Behörden und Konsumenten immer allergischer auf die Eingriffe in ihre Privatsphäre reagieren. Facebook und Google sind zwar überzeugt, diese Probleme bald in den Griff zu bekommen – mit neuen Werbemethoden. So experimentiert Google mit einem System, das Smartphone-Träger auf Sonderangebote aufmerksam macht, wenn sie in die Nähe von bestimmten Shops kommen.

Allerdings gibt es dabei noch viele ungelöste Probleme: Wer sagt, dass jemand wegen eines solchen Inserats ein bestimmtes Produkt gekauft hat, und wie lässt sich das beweisen? Ganz abgesehen von der Grundsatzfrage: Wollen die Konsumenten das überhaupt?

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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