Die Hoteliers, die nicht jammern

Der Schweizer Tourismusverband will mehr Geld für Werbung. Unsinn, finden einige Hoteliers. Sie haben andere Ideen gegen die Frankenstärke.

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Tina Huber@tina__huber

Wie üblich dauerte es nicht lange, bis nach der schlechten Nachricht die Forderungen kamen: Als gestern die Schweizer Tourismusindustrie ihre Übernachtungszahlen präsentierte, sagte sie den hiesigen Gastbetrieben aufgrund des starken Frankens schwierige Zeiten voraus – und forderte im gleichen Atemzug mehr Geld. Schweiz Tourismus soll von 2016 bis 2019 vom Bund 270 Millionen Franken erhalten anstatt wie vom Bundesrat vorgeschlagen 220 Millionen Franken. Ursprünglich forderte Schweiz Tourismus 240 Millionen.

An dieser Forderung wird nun Kritik laut – ausgerechnet von jenen, die davon profitieren sollten. Etwa von Walter Trösch, Inhaber des Swiss Holiday Park in Morschach SZ. Es sei eine «unsinnige Idee», jetzt auf die Schnelle mehr Geld zu verlangen: «Die Situation ist schwierig, aber 2011 war es viel härter. Damals fiel der Euro noch drastischer.» Er sieht die Situation pragmatisch: «Die Schweiz wird auch in zehn Jahren noch teurer sein als das Ausland. Also bringt es nichts, jetzt zu jammern.» Was er meint, wenn er «knackige Angebote» fordert, zeigt er selber: Er setzt auf Familien und Ökologie; bietet Familien gratis All-inclusive-Verpflegung für die Kinder, produziert auf einem nahe gelegenen Bauernhof eigene Milchprodukte, stellt das Hotel auf CO2-neutral um, betreibt seine Wasserversorgung selber.

Es müsse verhindert werden, dass das Hotelgewerbe zu einer subventionierten Branche werde. «Kann eine Branche ohne staatliche Subventionen nicht mehr überleben, macht es keinen Sinn, sie zu erhalten.» Ähnlich kritisch äussert sich Diego Glaus, Inhaber des Tessiner Familienhotels Albergo Losone. «Subventionen haben einen unschönen Nachgeschmack. Sie machen unsympathisch.» Er schlägt eine steuerliche Unterstützung vor: Schweizer, die ihre Ferien im Land verbringen, sollen ihre Hotelkosten von den Steuern abziehen können. Eine Forderung, die 2012 bereits von SVP-Nationalrat Oskar Freysinger als Motion eingereicht wurde, von der grossen Kammer aber abgelehnt wurde.

Der Schweizer Gast wird wichtiger

Auch Glaus macht mit frischen Ideen auf sein Hotel aufmerksam: Um seinem ärgsten Feind – dem Stau am Gotthard, der die Deutschschweizer fernhält – ein Schnippchen zu schlagen, bietet er seit vergangenem Jahr einen exklusiven Service: Er holt Gepäck und Auto der Gäste gegen Bezahlung in der ganzen Schweiz ab, damit diese am Freitagabend entspannt mit dem Zug ihre Kurzferien antreten können. Für die im Mai beginnende Weltausstellung in Mailand stellt er einen Tür-zu-Tür-Shuttle auf die Beine.

Einer, der die Forderung nach mehr Geld für Werbekampagnen begrüsst, ist Patric Vogel, der mit seiner Frau in dritter Generation das Märchenhotel Bellevue in Braunwald führt. «Gute Hotels nützen nichts, wenn man sie nicht kennt.» Doch auch er lehnt flächendeckende staatliche Unterstützung ab: «Das wäre Strukturerhaltung.» Er plädiert für zusätzliche Investitionskredite für die Hotels. In seinem Betrieb – mit Kinderbetreuung, Aquarium-Unterwasserlift, Streichelzoo und Kletterwand hat auch er die Familien im Auge – hat er seit 2011 rund vier Millionen in die Zimmer und ein neues Erlebnisbad investiert. Trotz des schwierigen Umfelds – «oder gerade deswegen», wie er sagt.

Der Hoteldirektor, der den Kindern seiner Gäste zusammen mit seiner Frau jeden Abend persönlich ein Märchen erzählt, musste bereits vor drei Jahren einen deutlichen Rückgang der deutschen Besucher hinnehmen. Nun dürften es nochmals weniger werden, schätzt er. «Der Schweizer ist unser wichtigster Gast», sagt er deshalb. Ihn gelte es jetzt verstärkt für Ferien in der Schweiz zu gewinnen.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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