«Die grosse Menge an Energie-Projekten hat Ängste ausgelöst»

Sol-E Suisse, eine Tochtergesellschaft der BKW, stösst bei der Planung von Wind- und Wasserkraftwerken auf grossen Widerstand. Für Sol-E-Suisse-Chef Franz Bürgi ist klar, dass die erneuerbaren Energien die Kernenergie so nicht ersetzen können.

Skeptisch: Franz Bürgi, Chef von Sol-E Suisse, glaubt nicht, dass die erneuerbaren Energien unter den heutigen Voraussetzungen die Kernenergie verdrängen können.

Skeptisch: Franz Bürgi, Chef von Sol-E Suisse, glaubt nicht, dass die erneuerbaren Energien unter den heutigen Voraussetzungen die Kernenergie verdrängen können.

(Bild: Keystone)

Philippe Müller

Sie sagen, der Widerstand gegen Projekte im Bereich neue erneuerbare Energie habe zuletzt massiv zugenommen. Welche Erklärung haben Sie dafür? Franz Bürgi: Eine Erklärung ist, dass es durch die kostendeckende Einspeisevergütung und den damit verbundenen Anreiz plötzlich eine Flut an solchen Projekten gab. Diese grosse Menge hat in der Bevölkerung Ängste ausgelöst und den Widerstand der Interessensgruppen geweckt.

Muss sich Sol-E Suisse beziehungsweise die BKW den Vorwurf machen, diese Projektezu forsch und ohne frühe Einbindung der Bevölkerung voranzutreiben? Wir haben Erfahrung mit den Ängsten der Bevölkerung und pflegen deshalb meines Erachtens auch ein sensibles Vorgehen. Aber wir sind eben nicht alleine. Wenn schon, dann muss man sich als Branche den Vorwurf machen, dass man das Ganze etwas zu wild angegangen ist. Aber festzuhalten ist, dass alle Marktteilnehmer nichts anderes tun, als zu versuchen, die Vorgaben des Bundesrats umzusetzen und den Anteil der erneuerbaren Energie am Strommix zu erhöhen.

Wie viele Projekte von Sol-E Suisse sind wegen des zunehmenden Widerstands gefährdet oder bereits gescheitert? Es ist noch viel zu früh, eine abschliessende Bilanz zu ziehen. Viele Projektentwicklungsverfahren laufen noch. Aber gerade in der Kleinwasserkraft mussten wir vorab im Berner Oberland beim einen oder anderen Projekt die Arbeit einstellen, weil die Situation zu festgefahren war.

Warum reduziert nur die BKW ihre Ziele zur Förderung der erneuerbaren Energien? Von den anderen Stromkonzernen ist derzeit nichts in dieser Richtung bekannt. Die BKW fällt ihre Entscheide als eigenständige Firma selber. Und wir haben entschieden, Transparenz zu schaffen. Wie ich höre, ist es auch für unsere Mitbewerber nicht einfach, Wasser- und Windprojekte zu realisieren.

Ihre Aussagen stehen in krassem Widerstand zur Auffassung der «Gruppe Neue Energie Bern». Sie sagt, die Leistung des heutigen AKW Mühleberg sei problemlos mit Wind- und Sonnenenergie zu kompensieren. Das theoretische Potenzial von Wind-, Wasser- und Sonnenkraft ist wirklich gross. Aktuell sieht die Situation aber eben anders aus. Und wenn ich höre, dass die Gruppe im Kanton Bern zehn Windparks von der Grösse desjenigen auf dem Mont Crosin bauen will, muss ich sagen: Das ist schlicht undenkbar. Erstens haben wir nicht so viele Standorte. Und zweitens kann ich mir nicht vorstellen, dass im aktuellen Umfeld 160 zusätzliche Windturbinen realisierbar wären. Und was die Sonnenenergie betrifft, so ist das heute leider noch eine vergleichsweise teure Energieform.

Zusammengefasst sagen Sie eigentlich nichts anderes, als dass die Schweiz aus heutiger Sicht nicht auf Atomkraftwerke verzichten kann. Nach unserer Einschätzung ist es nicht möglich, die Grundlast, welche heute die Kernenergie liefert, durch neue erneuerbare Energieformen zu ersetzen. Bei der Produktion folgt die BKW der bundesrätlichen Strategie: Energieeffizienz, Förderung der erneuerbaren Energien, Bau von Grosskraftwerken. Wesentlich ist, dass sowohl die erneuerbaren Energien gefördert werden als auch Grosskraftwerke gebaut werden, um langfristig die Versorgungssicherheit der Schweiz zu gewährleisten.

Berner Zeitung

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