Die Götter in Orange

Unter dem breiten Dach der Migros entsteht das grösste Netzwerk der medizinischen Grundversorgung mit 35 Ärztezentren in der Deutschschweiz. Die Migros kauft die Mehrheit an den Gesundheitszentren der Krankenkasse Swica.

Bald hat hier die Migros das Sagen: Sie übernimmt die Santémed-Gesundheitszentren der Swica. Es entsteht die grösste Praxiskette im Land.<p class='credit'>(Bild: Keystone)</p>

Bald hat hier die Migros das Sagen: Sie übernimmt die Santémed-Gesundheitszentren der Swica. Es entsteht die grösste Praxiskette im Land.

(Bild: Keystone)

Die «Götter in Weiss» waren gestern – jetzt kommen die «Götter in Orange»: Die Migros ist ab Mitte Oktober auch noch die schweizweit grösste Anbieterin im Bereich der ambulanten medizinischen Grundversorgung. Der orange Riese hat schon heute eine Tochterfirma namens Medbase, die an zwölf Standorten in der Schweiz Gemeinschaftspraxen mit Haus- und Spezialärzten betreibt, unter anderem in Winterthur, Bern und Zürich. Wie die Migros gestern bekannt gab, übernimmt Medbase nun per Mitte Oktober auch noch einen Anteil von 70 Prozent am grossen Grundversorgernetzwerk Santémed, das bisher allein der Krankenkasse Swica gehört hat. Die verbleibenden 30 Prozent bleiben weiterhin bei der Swica, die ihren Sitz in Winterthur hat.

Swica behält 30 Prozent

Mit dem Deal entsteht die schweizweit grösste Praxiskette: Sie umfasst insgesamt 870 Mitarbeitende in 35 Standorten. Und laut der Migros steht bereits fest, dass das Unternehmen wachsen soll: Geplant sind zusätzliche Standorte insbesondere in der Romandie und im Tessin. Die Swica nennt diese Expansion denn auch als Hauptgrund für den Verkauf der Mehrheit: Man hätte das Netzwerk schon lange gerne erweitert, schaffte das bisher aber nicht. Die finanzielle Schlagkraft der Migros soll den Ausbauplänen nun zum Durchbruch verhelfen. Wann und wo die nächsten Praxen entstehen, steht laut den Verantwortlichen aber noch nicht fest.

In der Ärzteschaft war es von jeher nicht überall gern gesehen, dass mit der Swica ausgerechnet eine Krankenkasse – mithin also die «Gegenseite» – Arztpraxen eröffnet hat. Deshalb war im Vorfeld spekuliert worden, diese Kritik habe auch dazu beigetragen, dass die Swica jetzt die Mehrheit an die Migros verkauft. Die Swica stellt dies jedoch in Abrede, zumal sie ihren Minderheitsanteil weiterhin behalten und die Zusammenarbeit mit der Migros weiter ausbauen will.

Mehr Teilzeit-Ärzte

Der Trend zu immer grösseren Praxisketten hält schon seit längerem an. Die Zeiten des allzeit bereiten «Einzelkämpfers» in seiner Hausarztpraxis scheinen zu Ende zu gehen. Das hat laut Fachleuten insbesondere zwei Gründe: Einerseits lassen sich in grossen Einheiten administrative und andere Kosten besser verteilen. Andererseits gibt es immer mehr Ärzte und vor allem Ärztinnen, die nicht mehr Vollzeit – sprich: «Überzeit» – arbeiten wollen, sondern auf Teilzeitpensen beharren. Auch dies lässt sich in Gemeinschaftspraxen weit einfacher realisieren.

Synergien mit Fitnessstudio

Fragt sich noch, was die Migros antreibt, sich jetzt auch noch auf dem Gesundheitsmarkt weiter auszubreiten. In ihrer Medienmitteilung weist sie insbesondere auf die Synergien mit den eigenen Fitnessstudios und Freizeitanlagen hin, welche die Migros ebenfalls betreibt. Die Medbase-Praxen befinden sich denn auch teilweise bereits in denselben Gebäuden wie die Fitnessstudios. Zusätzlich will die Migros gemeinsam mit der Swica künftig weitere Dienstleistungen und Produkte im Gesundheitsbereich lancieren, so zum Beispiel in der Prävention.

Coop will nicht

Für die Konkurrentin Coop hingegen ist der Einstieg in den Markt mit Gesundheitszentren kein Thema. Da die Geschäftsleitung gestern Nachmittag an einer Sitzung weilte, war gestern zwar keine offizielle Stellungnahme erhältlich. Dem Vernehmen nach hat man bei Coop diese Option aber auch geprüft. Aber die Coop-Spitze liess sich einerseits dadurch abschrecken, dass die Gesundheitszentren in einem stark regulierten Markt tätig sind. Zudem fürchtet sie sich auch vor Risiken, die durch Fehldiagnosen entstehen könnten. Und schliesslich sei es die Strategie des Detailhandelsriesen, sich auf sein Kerngeschäft zu konzentrieren.

fab sny/sda

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt