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«Die Flugticketpreise sind oft undurchsichtig»

Gestern zogen die Schweizer Reisebüros Bilanz. Verbandschef Walter Kunz über den Eurokurs, intransparente Flugticketpreise und die grossen Herausforderungen für seine Branche.

Beratung wieder mehr erwünscht: Wenn es nicht um simple Reisen mit Flug und Hotel geht, wird das Reisebüro gerne aufgesucht.
Beratung wieder mehr erwünscht: Wenn es nicht um simple Reisen mit Flug und Hotel geht, wird das Reisebüro gerne aufgesucht.
Keystone
Werden zunehmend virtuell: Die Reisekataloge, hier in der Hotelplan-Filiale am Zürcher Limmatplatz.
Werden zunehmend virtuell: Die Reisekataloge, hier in der Hotelplan-Filiale am Zürcher Limmatplatz.
Keystone
Hotel und Flug: Badeferien und Städtereisen sind kaum beratungsintensiv und werden deshalb gerne im Internet gebucht.
Hotel und Flug: Badeferien und Städtereisen sind kaum beratungsintensiv und werden deshalb gerne im Internet gebucht.
Keystone
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Herr Kunz, wer bucht heute eigentlich noch im Reisebüro?

Entgegen der verbreiteten Meinung sind es nicht nur die älteren Leute, die weniger sattelfest im Internet sind. Erstaunlicherweise buchen auch junge Leute wieder vermehrt im Reisebüro. Dies liegt etwa daran, dass noch wenige von ihnen eine Kreditkarte besitzen oder die Reiseerfahrung noch nicht so gross ist. Allgemein schätzen die Leute wieder die Beratung im Reisebüro, vor allem bei komplexeren Reisen aus mehreren Bausteinen.

Welche Art von Reisen wird häufig im Internet gebucht?

Wenn es nur um den Flug respektive Flug und Hotel geht, buchen die Leute zunehmend im Internet. Dazu gehören Städtereisen und Badeferien. Das Web wird neben dem Buchen aber auch häufig zur Information über Reisen besucht.

Das Internet spielt beim Buchen eine immer wichtigere Rolle. Setzt dies die Reisebüros unter Druck?

Wenn jemand über Buchungsportale von Reisebüros und -veranstaltern bucht, kann von einem Verlust keine Rede sein. Das Geld bleibt in der Branche, allerdings an einem anderen Ort. Wandern jedoch Buchungen zu den grossen Hotelbuchungsportalen und Buchungsseiten der Airlines ab, tut uns das weh.

Seit einem Jahr gilt ein Euromindestkurs von 1.20 Franken. Wie reagierten die Kunden der Reisebranche darauf?

Als die Eurountergrenze vor einem Jahr auf 1.20 festgelegt wurde, erlebten wir zuerst eine massive Abwanderung der Schweizer Kunden. Weil die Schweizer Reiseveranstalter einige Zeit vorher die Leistungen zu einem Eurokurs von 1.35 bis 1.40 eingekauft hatten, konnten sie den Kursvorteil nicht den Kunden weitergeben. Das war ein grosses Problem für sie. Für die Reisebüros war die Situation weniger schwierig. Sie konnten auch günstige Arrangements von ausländischen Anbietern für die Kunden buchen. So verloren sie diese wenigstens nicht. Inzwischen ist die Lage stabiler, und die Schweizer Preise sind wieder konkurrenzfähiger. Es gibt sogar Kunden aus Deutschland, die zum Buchen von günstigeren Arrangements in die Schweiz kommen.

Die Airlinebranche hat sich in den letzten Jahren stark gewandelt. So kassieren Fluggesellschaften immer mehr Geld für Zusatzleistungen ein. Wie stehen die Reisebüros dazu?

Die Ticketpreise sind oft undurchsichtig. Zunehmend werden Gebühren für Leistungen verlangt, die im Flugpreis inbegriffen sein müssten. Ein Beispiel: Kürzlich wollte ich nach Wien fliegen. Der Flug mit Fly Niki kostete 3 Franken. Dazu kamen ein Kerosinzuschlag von 32 Franken sowie «sonstige Steuern und Gebühren» von 83 Franken. Eigentlich müsste Treibstoff nicht separat aufgelistet werden, sondern im Ticketpreis inbegriffen sein. Keiner fliegt ohne Treibstoff irgendwohin. Bei den Flugpreisen gehen die Transparenz und die Vergleichbarkeit für die Kunden zunehmend verloren. Diese Preispolitik muss abgeschafft werden.

Schlussendlich interessiert den Kunden doch nur der Endpreis. Weshalb sind die Reisebüros gegen die separate Auflistung von Leistungen?

Wir haben einen erheblichen Mehraufwand, weil das ganze Prozedere verkompliziert wird. So müssen die Reiseberater bei der Buchung abklären, ob der Kunde Gepäck einchecken wird, einen Sitzplatz am Notausgang wünscht und so weiter. Und für die Mehrarbeit gibt es keine Entschädigung von den Airlines. Vor einigen Jahren haben sie die Vermittlungskommission für Reisebüros ja gänzlich abgeschafft.

Dieses Jahr gingen bereits zwölf Fluggesellschaften weltweit in Konkurs. Inwiefern betrifft dies ein Reisebüro?

Wenn eine Fluggesellschaft in Konkurs geht, haften die Reisebüros. Dies finden wir ungerecht. Deshalb beantragten wir beim Bazl (Bundesamt für Zivilluftfahrt, Anm. d. Red.), eine obligatorische Insolvenzversicherung einzuführen. Doch wir blitzten ab. Es hiess, mit einem solchen Obligatorium würden doch diejenigen Fluggesellschaften bestraft, «die heute solide finanzielle Verhältnisse und ein zulässiges Finanz- und Rechnungswesen aufweisen». Damit sind wir nicht einverstanden. Nun prüft der SRV, ob er selber eine solche Versicherung lancieren könnte. Infrage kommt auch eine internationale Lösung mit dem europäischen Dachverband der Reisebüros.

Wie ist Ihr Ausblick auf die kommende Wintersaison?

Wir rechnen mit leicht besseren Buchungszahlen als im Winter 2011/2012. Eine der Voraussetzungen dafür ist, dass der Euromindestkurs von 1.20 Franken gehalten werden kann.

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