Die Aktionäre glauben an eine Zukunft

Wirtschafts­redaktor Julian Witschi äussert sich zur Thuner Solarfirma Meyer Burger und deren drohenden Insolvenz.

Das Resultat ist deutlich: An der Generalversammlung fiel der Entscheid für eine Kapitalerhöhung fast einstimmig. Zahlreiche Aktionäre stimmten jedoch nur zähneknirschend zu, wie sie im Video-Interview sagten.
Video: Florine Schönmann

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Wenn ein Unternehmen zum dritten Mal innerhalb weniger Jahre eine Kapitalerhöhung braucht und der Aktienkurs abgestürzt ist, scheint eine deftige Abrechnung der Aktionäre mit der Führung eigentlich logisch.

Bei Meyer Burger kritisierten die Teilhaber am Freitag an der ausserordentlichen Generalversammlung zwar zu Recht viel: Das Unternehmen hat zu spät auf den Einbruch der Solarbranche reagiert, die Dauer der Nachfrageschwäche unterschätzt und es verpasst, neue Geldgeber zu finden. Gehässig oder herablassend äusserte sich aber keiner der etwa 400 anwesenden Aktionäre.

Der langjährige Chef Peter Pauli wurde nicht zum Prügelknaben. Es gab keine Buhrufe oder Pfiffe. Pauli erhielt bei der Verabschiedung gar viel Applaus. Ebenso der zurückgetretene Verwaltungsratspräsident Peter Wagner.

Grossen Unmut äusserten mehrere Aktionäre dagegen über Spekulanten und besonders über die auf den Aktienkurs drückenden Leerverkäufe: Die langfristig orientierten Teilhaber begreifen nicht, warum diese Wetten auf fallende Kurse mit dem Verkauf von Aktien, die einem nicht gehören, in der Schweiz nicht stärker reglementiert sind. Doch solche Deals gelingen auch nur, wenn eine Firma kriselt.

Die Aktionäre demonstrierten trotz aller erlittenen Einbussen ihre starke Verbundenheit mit dem Unternehmen. Die Zustimmung zur Kapitalerhöhung fiel überaus deutlich aus. Das bedeutet zwar nicht zwingend, dass die Aktionäre nun 160 Millionen Franken einwerfen und alle Aktien kaufen, die sie beziehen können. Aber im Plenum war gestern verbreitet der Glaube daran spürbar, dass Meyer Burger technologisch führend ist und eine grosse Zukunft hat.

Meyer Burger soll daher nochmals eine Chance erhalten. Zwei Schweizer Investmentfirmen stehen bereit, einen Teil der Kapitalerhöhung abzusichern. Die Banken verlängern zwei Kredite. Eine Bedingung für diesen Neuanfang war die personelle Doppelrochade an der Führungsspitze. Der neue Chef Hans Brändle muss Meyer Burger nun schnell in die schwarzen Zahlen bringen. Sonst gehen im Thuner Vorzeigeunternehmen für Solarstrom doch noch die Lichter aus.

Erstellt: 03.12.2016, 10:10 Uhr

Julian Witschi, Wirtschaftsredaktor
julian.witschi@bernerzeitung.ch

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