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Deutschland wirbt in Krisenländern für Arbeit

Die deutsche Bundesagentur für Arbeit (BA) will den Fachkräftemangel mit Zuwanderern aus krisengeplagten EU-Staaten bekämpfen. Dabei werden die Arbeitskräfte eines Landes besonders umworben.

17'000 Spanier sind an Arbeit in Deutschland interessiert: Spanier warten in einer Schlage vor dem Arbeitsamt in Madrid.
17'000 Spanier sind an Arbeit in Deutschland interessiert: Spanier warten in einer Schlage vor dem Arbeitsamt in Madrid.
Reuters

Deutschland ist in den europäischen Krisenländern Spanien, Griechenland und Portugal auf der Suche nach Arbeitskräften. Dies, um den Mangel an Fachkräften zu bekämpfen. «Spanien hat nach unserer ersten Analyse das grösste Potenzial für uns», sagte BA-Geschäftsführer Christian Rauch. Bei vielen Interessierten scheitere die Jobsuche unter deutschen Unternehmen allerdings an mangelnden Sprachkenntnissen.

Spanien sei für die Suche nach Fachkräften für den deutschen Arbeitsmarkt «sehr interessant», sagte Rauch. In dem Land gebe es «eine riesige Arbeitslosigkeit bei jungen Leuten», Statistiken zufolge sind mehr als 40 Prozent der jungen Spanier derzeit ohne Beschäftigung. Arbeitslosigkeit wiederum «ist oft ein Beweggrund, um mobil zu sein», sagte eine Sprecherin der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der BA.

Potenzial für Ingenieure, Ärzte und Pflegepersonal

17'000 Spanier hätten sich bereits über Arbeitsmöglichkeiten in der Bundesrepublik informiert, sagte ZAV-Direktorin, Monika Varnhagen, der «Welt». Vor allem an Ingenieuren und IT-Spezialisten gebe es dort «ein grosses Potenzial». Derzeit sondiere die ZAV aber auch in Griechenland und Portugal. So gebe es in Portugal ein grosses Interesse von Pflegekräften, nach Deutschland zu kommen. Auch für griechische Mediziner sei Deutschland interessant. Potenzial für Ingenieure, Ärzte, Pflegepersonal und Facharbeiter gebe es zudem in Bulgarien und Kroatien.

Konkrete Zahlen, wie viele Fachkräfte die ZAV bereits vom Ausland nach Deutschland geholt hat, gibt es eigenen Angaben zufolge nicht. Eine Gesamtbewertung sei nicht möglich, da in der EU grundsätzlich jeder Bewerber ohne Zutun der BA nach Deutschland zum Arbeiten kommen könne, sagte die ZAV-Sprecherin.

Ein Rundum-Sorglos-Paket

Problem Nummer Eins beim Finden einer Anstellung in Deutschland sei für viele ausländische Bewerber die deutsche Sprache, sagte Rauch: «Wenn man in eine qualifizierte Tätigkeit gehen will, reicht es nicht mit Touristendeutsch.» Varnhagen sagte der «Welt»: «Viele Hochqualifizierte lernen eben nur Englisch und gehen dann eben auch in englischsprachige Länder, wenn sie in ihrem Heimatland keine Beschäftigung finden.»

Länder wie Neuseeland, Kanada oder Australien böten ihren Einwanderern zusätzlich ein «Rundum-Sorglos-Paket für die ganze Familie: mit Sprachkurs, Wohnung, Arbeitsstelle für die Ehefrau und Kindergartenplatz fürs Kind», sagte Varnhagen der «Welt». Aus solchen Beispielen könne Deutschland noch lernen.

Der Deutsche Pflegerat kritisierte die Pläne, die Lücken in der Pflegebranche mit Bewerbern aus dem Ausland füllen zu wollen. Es sei «zutiefst unethisch und unmoralisch, wenn wir die Pflegekräfte dort abwerben», sagte dessen Präsident, Andreas Westerfellhaus, den Zeitungen der WAZ-Gruppe (Dienstagsausgaben). Das reisse Lücken in die Versorgung von Ländern wie Portugal oder Bulgarien. Stattdessen solle der Beruf Arbeitskräften in Deutschland schmackhafter gemacht werden.

AFP/wid

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