Der Traum vom Fliegen ab Bern lebt

Der Kommentar von Wirtschaftsredaktor Julian Witschi zum Skywork-Grounding.

Julian Witschi

Bern ohne Flughafen mit Linienverkehr: Dazu dürfte es trotz des vorläufigen Groundings von Skywork nicht kommen. Adria Airways will bei vier Verbindungen ab Bern in die Bresche springen, darunter auf der Strecke an den zweitgrössten Lufthansa-Hub München. Hierzu passt, dass die slowenische Fluggesellschaft Mitglied der von Lufthansa geführten Star Alliance ist. Und auch Helvetic von Financier Martin Ebner denkt über einen Ausbau in Bern nach.

Skywork gibt sich zwar noch nicht geschlagen, der Glaube an eine Zukunft schwindet allerdings mit jedem Tag, an dem die Berner Airline am Boden bleiben muss. Ihr Ruf hat bereits massiv gelitten. Doch schweres Missmanagement kann man Skywork-Chef Martin Inäbnit nicht vorwerfen. Er hat die Fluggesellschaft nach einer überdimensionierten Expansion und hohen Verlusten rasch aus schweren Turbulenzen geführt. Im Fluggeschäft erreichte Skywork schwarze Zahlen, und die Zahl der Passagiere nahm wieder zu.

Die Finanzen von Skywork reichen zudem dafür aus, ein chaotisches Grounding mit konfiszierten Flugzeugen zu verhindern. Die Passagiere stranden nun nicht auf unbestimmte Zeit, sondern erhalten offenbar bislang eine Ersatzreise bezahlt. Doch für den Betrieb fehlen Skywork die nötigen Garantien und vor allem das Geld für Investitionen in neue Flugzeuge und Destinationen.

Die Airline ist für den hiesigen Wirtschaftsstandort nicht überlebenswichtig. So denken offenbar die meisten Unternehmer und Investoren. Denn in der Region wollte niemand mehr genügend Geld einbringen, damit Skywork die Betriebsbewilligung behalten kann. Auch für Geschäftsleute und die Verwaltung sind Flüge ab Zürich, Basel oder Genf meist attraktiver, weil billiger. Doch ganz ohne Flugverbindungen in europäische Metropolen und zu Flugdrehkreuzen verlöre Bern noch mehr den Anschluss.

Der Markt für Flüge ab Bern ist zwar klein, aber auch Bernerinnen und Berner fliegen immer mehr. So lebt der Traum vom Fliegen im Belpmoos auch ohne Skywork weiter. Für Ferienflüge und einzelne Städteverbindungen kann die Rechnung aufgehen. Es wäre falsch, wenn Skywork nun Staatshilfen vom Kanton Bern erhielte. Aber in eine gute Verkehrsinfrastruktur sollte die öffentliche Hand investieren. Dazu zählt insbesondere eine bessere, direkte ÖV-Anbindung des Flughafens Bern.

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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