Der Neue trifft den richtigen Ton

Guy Lachappelle sprach zum ersten Mal zu der Basis der Raiffeisen-Gruppe. Es war ein Stimmungstest.

Gibt sich bescheiden: Guy Lachappelle. Foto: Keystone

Gibt sich bescheiden: Guy Lachappelle. Foto: Keystone

Holger Alich@Holger_Alich

Gegen 16 Uhr trifft Guy Lachappelle, der designierte Präsident von Raiffeisen Schweiz, im Kursaal in Bern ein. Und steht erst einmal vor verschlossenen Türen. Drinnen sind die Vertreter von 246 Raiffeisen-Banken mit ihren internen Beratungen noch nicht fertig. Lachappelle nimmt es locker und plaudert vor der Tür mit anderen Kandidaten für den Verwaltungsrat wie Beat Schwab.

Um 16.13 Uhr geht es los: Lachappelle, derzeit noch Chef der Basler Kantonalbank (BKB), trifft zum ersten Mal auf die Raiffeisen-Basis. Es ist ein erster Stimmungstest, ob die Raiffeisen-Vertreter dem Basler zutrauen, die drittgrösste Bankengruppe aus der Krise zu führen.

Lachappelle scheint den richtigen Ton zu treffen. Er erzählt, wie seine Basler Kantonalbank es nicht geschafft habe, trotz aller Skandale bei Raiffeisen nur einen einzigen Kunden der genossenschaftlichen Bankengruppe abspenstig zu machen. Die Verbundenheit mit der Bankengruppe im Land sei eine der grossen Stärken von Raiffeisen. Das Lob wirkt. «Überzeugender Auftritt», sagt ein Raiffeisen-Banker nach der Kurzvorstellung. Fragen an den designierten Präsidenten habe es keine gegeben.

Das Vertrauen wiederherstellen: Eine Kundin an einem Raiffeisen-Bancomaten. Foto: Bloomberg

Dabei gäbe es durchaus Ansatzpunkte, etwa, ob der Skandal um den Betrugshändler ASE, der Lachappelle vom Firmenkundenchef der BKB zum Bankchef hochspülte, nicht ein Risikofaktor sein könnte. Raiffeisen-Banker, die mit Bernerzeitung.ch/Newsnetz in Bern gesprochen haben, scheint das Thema aber nicht umzutreiben. «Die Geschichte ist doch abgehakt», meint einer. Schliesslich habe die Finanzaufsicht (Finma) Lachappelles Kandidatur für die Raiffeisen-Spitze gutgeheissen.

Beim Apéro wirkt Lachappelle erleichtert. Und gibt sich bescheiden. «Ich muss in nächster Zeit viel lesen, ich kenne die Bankengruppe ja nur von aussen», sagt er gegenüber Bernerzeitung.ch/Newsnetz. Er weiss, dass er sich überhaupt keinen Fehler in Sachen guter Unternehmensführung leisten kann. So hat Lachappelle beim Bankrat der BKB nachgefragt, ob er für eine kurze Vorstellung zur Konkurrenz von Raiffeisen gehen dürfe.

Arbeitsteilung zwischen Zentrale und Regionalbank kontrovers diskutiert

Sollte er im November gewählt werden, so sieht er seine Hauptaufgabe darin, «das Vertrauen zwischen Raiffeisen Schweiz und den Raiffeisen-Banken wiederherzustellen». Die künftige Arbeitsteilung zwischen Zentrale und Regionalbank wurde laut Teilnehmerkreisen im ersten Teil des Treffens kontrovers diskutiert.

Nach seiner Wahl will er sich die üblichen 100 Tage Schonfrist geben, um sich einzuarbeiten, bevor er zu seinen eigenen strategischen Vorstellungen etwas sagen will. Die Suche nach einem neuen Chef allerdings kann nicht drei Monate warten. «Aber wenn ich bei der Auswahl eines Chefs eine konstruktive Rolle spielen will, muss ich Raiffeisen erst besser kennen», sagt Guy Lachappelle.

Redaktion Tamedia

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