Der nette Sonnenkönig

Die Jenni Energietechnik AG aus Oberburg baut grosse Wassertanks zur Wärmespeicherung. Die Mission von Firmenchef Josef Jenni geht über Umsatzzahlen und Gewinnmargen hinaus.

Pionier in der Solartechnik: Josef Jenni leitet in Oberburg ein Unternehmen mit 70 Mitarbeitenden.

Pionier in der Solartechnik: Josef Jenni leitet in Oberburg ein Unternehmen mit 70 Mitarbeitenden.

(Bild: Andreas Marbot)

Dominik Balmer@sonntagszeitung

Als Josef Jenni in den 80er-Jahren seine Firma im emmentalischen Kirchberg ansiedeln und Land kaufen wollte, wurde er ausgelacht. Heute dürften sich die Kirchberger grämen: Jenni ist ein fester Wert in der Welt der erneuerbaren Energien geworden, er gilt als «Solarpapst». Mit seiner Jenni Energietechnik AG heimste er viele Preise ein: «Alle messen sich an uns. Darauf bin ich stolz.» Das Unternehmen siedelte er 1983 in Oberburg an.

Jenni produziert grosse Wassertanks für Wohnhäuser. Das Prinzip: Sonnenkollektoren auf einem Hausdach wärmen ein Gemisch aus Wasser und Frostschutzmittel auf. Dieses läuft in einem Rohr spiralförmig durch einen grossen Tank und heizt dessen Wasser und damit auch einen integrierten Boiler auf. Der Tank speichert die Wärme und ist so gross konzipiert, dass er die Wintermonate überbrückt. Der Speicher liefert Warmwasser und Energie für das Heizen.

Sonnenhaus führt zum Erfolg

Der Durchbruch gelang Jenni 1990 mit dem sogenannten Sonnenhaus, das sich während 365 Tagen im Jahr völlig autark mit solarer Energie versorgt. Das Haus neben dem Firmengelände in Oberburg, das Jennis Bruder bewohnt, verfügt über Wärmespeicher mit einem Volumen von 118'000 Litern Wasser, Sonnenkollektoren und Solarzellen sowie einen Batteriespeicher.

Allerdings muss der Bauherr einem solaren Wärmespeicher «alles unterordnen», wie Jenni sagt. Erst wird der nicht selten haushohe Speicher auf das Fundament gestellt, dann das Gebäude um den Tank herum konstruiert. Die Speicher können auch in bestehende Gebäude integriert werden – allerdings nur kleinere Modelle. Im Schnitt kann so der Bedarf an Heizenergie in bestehenden Gebäuden um ein Drittel gesenkt werden.

Leader in Europa

Heute verlassen pro Jahr bis zu 1300 Speicher die Werkstätte in Oberburg. Die Spannweite der Volumina reicht von einigen Hundert bis über 100'000 Liter. Entsprechend variieren die Preise: Ein Speicher für ein Einfamilienhaus kostet inklusive Steuerung und Isolation ab 20'000 Franken. Ein solcher Speicher ist 5 Meter hoch und fasst rund 10'000 Liter Wasser. Hinzu kommen die Investitionen für die Sonnenkollektoren und die Installation vor Ort. Im Gegenzug können die Heizkosten ganz entfallen. Fast die Hälfte der Produktion geht ins Ausland. Gemäss eigenen Angaben hat die Jenni Energietechnik AG europaweit einen Anteil am Wärmespeichermarkt für weitgehend solar beheizte Häuser von 90 Prozent. 2012 erwirtschaftete Jenni mit den 70 Angestellten einen Umsatz von 12 Millionen Franken.

Wie alles begann

«Ich bin ein Umweltaktivist mit eigener Firma», sagt Josef Jenni auf dem Betriebsrundgang in Oberburg. Die Menschen sollen unabhängig werden von fossilen Energien und Atomkraft.

Seine Motivation holte sich Jenni aus dem Bericht des Club of Rome von 1972 über die Grenzen des Wachstums. So kam es 1976 zur Gründung der Jenni-Sonnenenergie-Steuerungen im Keller des elterlichen Wohnhauses in Bremgarten bei Bern. Eine Triebfeder ist auch sein christlicher Glaube: An Vorträgen zitiert Jenni, der von 2006 bis 2012 für die EVP im Grossen Rat sass, gerne aus der Bibel. Er prangert den Raubbau an der Natur an und predigt, man solle zufrieden sein mit dem, was einem zur Verfügung stehe.

Bescheidener Cheflohn

Das Credo der Bescheidenheit gilt für Jenni universell: Als Geschäftsführer verdient er nur gerade dreimal so viel wie der Angestellte mit dem tiefsten Lohn. Einmal im Jahr gibt es eine Mitarbeitervollversammlung. Dann informiert der Chef über die Zahlen, und am Schluss fragt er: «Was machen wir mit den Löhnen?»

Luxus scheint dem Mann gänzlich fremd zu sein. Für Autokäufe hat der 60-jährige Elektroingenieur bisher in seinem ganzen Leben weniger als 50000 Franken ausgegeben, er wohnt mit seiner Familie direkt über der Fabrik in Oberburg. Beim Fototermin achtet er darauf, dass er nicht dreckig wird – fast entschuldigend sagt er: «Ich habe nicht viele schöne Kleider.»

Die dritte Produktionshalle

Auch wenn der Umsatz der Firma schon höher war und der Chef von einem «schwierigen Umfeld» spricht, scheint die Erfolgsgeschichte noch lange nicht zu Ende zu sein. Derzeit bezieht die Firma gerade ihre dritte Produktionshalle in Oberburg.

Finanziert wird die Erweiterung über die Jenni Liegenschaften AG. Diese besitzt die Fabrikliegenschaften und diverse Vorzeigehäuser in Oberburg. Die Liegenschaften-AG ist mehrheitlich im Besitz von Kleinaktionären, die die Firma Jenni ideell unterstützen. 700 Kleinaktionäre sind es, die ihrem netten Sonnenkönig folgen.

Berner Zeitung

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