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Der Fall Armstrong und die rätselhafte Firma in Neuenburg

Der gefallene Radsuperstar Lance Armstrong hatte auch mit Dopingarzt Michele Ferrari zu tun. Der Italiener wiederum stand hinter einer Firma in Neuenburg, über welche angeblich Zahlungen erfolgten.

Steht vor den Scherben seiner Sportkarriere: Lance Armstrong. (28. Februar 2011)
Steht vor den Scherben seiner Sportkarriere: Lance Armstrong. (28. Februar 2011)
Keystone

Health and Performance, so hiess eine Firma, welche 1996 in Neuenburg gegründet wurde. Der Handelsregistereintrag erfolgte am 26. Februar selben Jahres. Am 2. Dezember 2010 verschwand Health and Performance, welche laut Eintrag Dienste im Bereich Gesundheit anbot, wieder aus dem Register. Das Unternehmen wird laut dem offiziellen Eintrag liquidiert.

Am 21. September 2011 bringt der «Corriere della Sera» Health and Performance in Verbindung mit dem italienischen Arzt Michele Ferrari, mit dem Lance Armstrong zusammengearbeitet haben soll. Der sonst verschwiegene Ferrari verteidigte sich umgehend auf seiner Internetseite: «Ich war Berater für diese Firma, aber sie hat nichts mit Doping zu tun.» Ferrari wurde vor wenigen Wochen von der amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada lebenslang gesperrt. Laut dem «Corriere»-Bericht sollen Zahlungen von Armstrong für die Dienste Ferraris über die Firma Health and Performance gelaufen sein.

Italienische Justiz klopft in der Schweiz an

Seit 2010 führt Benedetto Roberti im norditalienischen Padua Untersuchungen in einem Fall, der fünf russische Radfahrer mit Ferrari in Verbindung bringt. Am 2. Oktober 2010 schreibt die Westschweizer Zeitung «Le Matin Dimanche», die Recherchen des italienischen Staatsanwalts hätten rasch an eine Adresse in Neuenburg geführt. Konkret: An jene der Firma Health and Performance.

In der Folge kontaktiert Roberti das Justizministerium in Bern. Der Fall wird dem Neuenburger Staatsanwalt Nicolas Feuz übertragen. Mehrere Monate wird wegen Verdachts in verschiedenen Straftatbeständen untersucht, unter anderem wegen Dopingvergehen und Geldwäscherei. Laut dem oben erwähnten Medienbericht kam es zu Hausdurchsuchungen und Befragungen. Unter den Befragten: L. M. aus Neuenburg. Er ist nicht nur Liquidator der besagten Firma, er amtete auch als deren Verwalter.

Spuren ins Tessin

Die Untersuchungen in der Schweiz führen in zwei weitere Kantone: Graubünden und Tessin. Laut einem Artikel der Neuenburger Zeitung «L'Express» (Artikel online nicht verfügbar) vom 8. Oktober 2011 wurde in dieser Sache ein Mitarbeiter der BSI in Locarno befragt. «Weitere Personen würden in der Schweiz verdächtigt», sagt eine «mit dem Dossier vertraute Person» dem Blatt.

Offenbar seien bei den Schweizer Untersuchungen Anhaltspunkte gefunden worden, welche mit den Ermittlungen der italienischen Behörden in Verbindung gebracht werden könnten, so «Le Matin Dimanche», aber nichts, das für die Eröffnung eines offiziellen Verfahrens in der Schweiz gesprochen hätte. Dem «Express» sagt der Neuenburger Staatsanwalt Feuz: «Die Angelegenheit wird bereits in Italien verfolgt, es kann keine doppelte Justizverfolgung geben.» Das Verfahren wird in der Schweiz eingestellt.

Warten auf den italienischen Staatsanwalt

Die Zeitung folgert aber trotzdem: Die in der Schweiz befragten Personen könnten in ein italienisches Verfahren verwickelt werden. Dazu sagte der Anwalt von L. M. dem «Express»: Sein Mandat sei seines Wissens «nicht direkt» betroffen vom Verfahren in Italien. Derweil soll der Staatsanwalt in Padua, Benedetto Roberti, daran sein, die Untersuchungen abzuschliessen. Wer weiss, vielleicht kommt mit den Resultaten des Italieners auch mehr Licht in die rätselhafte Firma in Neuenburg.

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