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Der Ex-UBS-Vize und sein umstrittener Steuerabzug

Stephan Haeringer verzichtete auf vier Millionen Franken Boni von 2008 – und wollte das von den Steuern abziehen. Ein Vorhaben mit Tücken.

Sass damals mit Marcel Ospel im gleichen Boot: Stephan Haeringer an der Sonder-GV vom 27. Februar 2008 in Basel.
Sass damals mit Marcel Ospel im gleichen Boot: Stephan Haeringer an der Sonder-GV vom 27. Februar 2008 in Basel.
Keystone

Die Geschichte um den bis heute bekanntesten Bonusverzicht von Schweizer Wirtschaftskapitänen erhält überraschende Aktualität. Das Bundesgericht gab dem Kläger Stephan Haeringer, einem Ex-Topmanager der UBS, recht in dessen Kampf gegen die Zürcher Steuerbehörden. Haeringer darf 4 Millionen Franken, die er nach 2008 mit – zum Teil gesperrten – UBS-Aktien zurückerstattete, in seiner Steuerrechnung als berufliche Auslage abziehen.

Damit geht die Rechnung für den heute 67-Jährigen doppelt auf. Nicht nur profitierte der frühere UBS-Spitzenmann von der öffentlichen Ruhe, die sein medial breitgeschlagener Bonusverzicht ihm 2008 verschafft hatte. Zusätzlich spart der Banker, der heute für ein Family Office tätig ist und zur Zunft Hard gehört, auch noch viel Steuern.

Er stieg 2004 in den Verwaltungsrat auf

Die Richter der Vorinstanz hatten noch für das Steueramt und gegen Haeringer entschieden. Das Verwaltungsgericht war der Einschätzung der Steuerbeamten gefolgt, welche die zurückgegebenen Aktien nicht als einkommensmindernd betrachtet hatten. Haeringer zog das Urteil bis nach Lausanne weiter, wo er gewann. Der Zürcher Fiskus muss den Fall neu beurteilen und die Kosten tragen.

Die Angelegenheit erregt Aufsehen aufgrund der Rolle, die Haeringer innerhalb der UBS gespielt hatte, und aufgrund seiner damaligen Argumentation beim Bonusverzicht. Haeringer gehörte zur Spitze innerhalb der alten UBS. Als einer von wenigen überlebte er die Wirren im Nachgang zur Fusion zwischen der alten Bankgesellschaft und dem früheren Bankverein 1998. Zuerst leitete Haeringer den Heimmarkt Schweiz, später wurde er stellvertretender UBS-Konzernchef, und schliesslich stieg er 2004 in den Verwaltungsrat der Grossbank auf. Als vollamtlicher Vizepräsident stand er UBS-Chef Marcel Ospel zur Seite. Haeringer war ganz oben angelangt.

Auch Ospel verzichtete

Dann brach die Finanzkrise aus, und die UBS geriet in existenzbedrohliche Schieflage. Im Frühling 2008 musste Ospel das Feld räumen, Anfang Oktober 2008 trat auch Haeringer aus dem Verwaltungsrat aus. Wenige Tage später hielt die Schweiz den Atem an. Die Eidgenossenschaft musste zusammen mit der Nationalbank die UBS vor dem Untergang retten. Insgesamt gingen die Schweizer Steuerzahler ein Risiko von 68 Milliarden Franken ein.

Nun war klar, dass die früher hochgelobten und teuer bezahlten UBS-Chefs die Bank in die Misere geführt hatten. Die Medien stellten laut die Schuldfrage, als hinter den Kulissen Verhandlungen zwischen den neuen Verantwortlichen und den abgetretenen Spitzenleuten über einen Bonusverzicht einsetzten. Ende November 2008, also rund anderthalb Monate nach der riskanten Rettungsaktion durch die Schweiz, kam es zum Deal. Gemeinsam verzichteten Ospel, Haeringer und der zweite Ex-Vizepräsident der Bank, Marco Suter, auf 33 Millionen Franken Bonus und sonstige Vergütungen, die ihnen formell zustanden. Ospel trug davon den Grossteil, wie schon damals bekannt wurde. Das Bundesgerichtsurteil legt nun offen, dass Haeringer damals auf rund 4 Millionen Franken verzichtete. Der Rest entfiel auf Marco Suter, der heute beim Assetmanager GAM im Topmanagement sitz. Zuvor hatten die drei Topleute von ihrer Ex-Arbeitgeberin ein Mehrfaches an Abgangsentschädigungen erhalten.

Die Richter stützen Haeringers Standpunkt

Ospel liess via Communiqué ausrichten, er «hoffe, dass ich damit einen Beitrag zur Bewältigung einer für mich bis vor kurzem unvorstellbaren Situation leisten kann». Suter und Haeringer legten mehr Wert darauf, den Verzicht als freiwilligen Beitrag darzustellen. «Es stand für uns von Anfang an ausser Frage, dass wir uns auch in dieser schwierigen Situation solidarisch und loyal gegenüber der UBS verhalten», meinten sie. Die Aktion erzielte Wirkung, der öffentliche Druck auf die Ex-Kapitäne der UBS liess nach. Auch das Unternehmen, das zuvor nach eigenen Angaben Klagen gegen Ospel & Co. hatte prüfen lassen, gab sich zufrieden. Die Sache schien gelöst.

Der Eindruck täuschte, die Fronten hatten sich lediglich weg von der Bank hin zum Staat verschoben. Hinter den Kulissen brach bald ein Streit zwischen Haeringer und dem Zürcher Steueramt aus. Haeringer beharrte darauf, dass er die 4 Millionen, die er der UBS zurückerstattet hatte, von seinem Einkommen abziehen könne. Er sei zur Rückzahlung quasi gezwungen gewesen, argumentierte er. Dem folgten die Bundesrichter. In ihrem Urteil ist mit Bezug auf Haeringers Selbsteinschätzung von «faktischem Zwang» die Rede. Der UBS-Spitzenmann habe damals unter «extrem hohem externen Druck» gestanden. Die Richter stützen damit Haeringers Standpunkt, dass sich dieser mit seinem Bonusverzicht das Stillhalten der UBS erkauft habe.

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