Der CS bleibt nur das Trostpflaster

Nach drei Jahren Umbau hat die Bank ihre Schrumpfkur abgeschlossen. Die Bankspitze um Chef Tidjane Thiam glaubt, alle Ziele erreicht zu haben, doch noch immer stapeln sich die Probleme.

CS-Chef Tidjane Thiam hat eine ordentliche Dividende angekündigt. Foto: Moritz Hager (Reuters)

CS-Chef Tidjane Thiam hat eine ordentliche Dividende angekündigt. Foto: Moritz Hager (Reuters)

Jorgos Brouzos@jorgosbrouzos

Die Pläne waren abenteuerlich. Als Tidjane Thiam Ende Oktober 2015 bei seiner ersten Investorenkonferenz als CS-Chef seine Pläne für die Bank vorstellte, gab er gleich eine Reihe ambitionierter Ziele bekannt. So sollte bis 2018 unter anderem die Investmentbank um 20 Prozent schrumpfen, die Kosten um 3,5 Milliarden sinken und der Vorsteuergewinn auf bis 10 Milliarden Franken klettern.

Nun trat Thiam wieder vor die wichtigsten Geldgeber der Bank. Dazwischen liegen drei Jahre, die dem Personal der Bank viel abverlangten. Der Umbau des Instituts war tiefgreifend, hat Tausende Jobs gekostet und für drei Jahres­verluste in Folge gesorgt. Die Bank sei im Vergleich mit der Konkurrenz schlecht aufgestellt gewesen, doch nun sei es besser, fasste CS-Finanzchef David Mathers den Prozess zusammen. Man habe aber fast alle selbst gesteckten Ziele erreicht, so das Fazit der Chefetage.

Einige wichtige Vorgaben wurden jedoch verpasst. So liegt die Bank beim Vorsteuergewinn deutlich daneben. Er soll im aktuellen Geschäftsjahr rund 3 Milliarden Franken betragen. Das Asiengeschäft hat sich nicht wie erhofft entwickelt, und die Investmentbank ist zwar kleiner geworden, sie bleibt aber das Sorgenkind.

Grafik vergrössern

Im Vergleich zu 2015 sind die Probleme mit der Abteilung wesentlich kleiner. Damals war das Investmentbanking bei der CS riesig und ein Risiko für das Fortbestehen der Bank. Das führte dazu, dass die CS 50 Prozent ihres Kapitals für die Handelssparte reservieren musste. Seither hat die Abteilung an Bedeutung verloren, sie braucht nun noch rund 30 Prozent des Kapitals. Die Bank geht dadurch ein geringeres Risiko ein und hat tiefere Kosten. Das reicht aber noch nicht, um sie anhaltend in die Gewinnzone zu führen. So wird für das laufende Quartal ein Verlust erwartet.

Trotz der Schrumpfkur wird sie von den Analysten, etwa denjenigen von Morgan Stanley, noch immer als zu gross an­gesehen. Das, weil die Bank mit der Abteilung im Vergleich zu den anderen Sparten, wie etwa der Schweizer Einheit, wenig verdient und ihre Einnahmen stärkeren Schwankungen unterworfen sind. Diese braucht deutlich weniger Kapital und wirft erst noch einen steten Gewinn ab. Tidjane Thiam will aber von einem weiteren Schrumpfen der Handelsabteilung nichts wissen, sondern der Sparte Zeit geben. Die Erfolge in der Vermögensverwaltung machten es möglich, auf den Aufschwung zu warten.

Ein anderer Plan ging fast schon vergessen. Vor drei Jahren stellte Thiam die Idee vor, das Schweizer Geschäft der CS teilweise zu verkaufen. Heute dürfte er froh sein, das nicht getan zu haben: Es ist das Kronjuwel der Bank. Das harte Spardiktat der letzten Jahre hat die Schweizer Einheit zu einer der profitabelsten Banken der Schweiz werden lassen, dies, weil gleichzeitig die Einnahmen zulegten. Doch der Spardruck war so gross, dass die Konkurrenz von einem Restrukturierungsfall sprach, obwohl die Bank stete Gewinne erzielte.

Der Preis für die Probleme der Vergangenheit

Immerhin soll es nun mit dem Sparkurs vorbei sein. Umfangreiche Sparprogramme sollten nicht der Normalfall sein, sagt Finanzchef Mathers. Die Kosten sollen nun in den angestammten Bereichen fortlaufend sinken und die Einsparungen in neue Wachstumsgeschäfte investiert werden. Wie das genau ablaufen soll, blieb aber im Vagen. Damit steht die CS aber nicht allein da, auch bei der Konkurrenz sucht man händeringend nach neuen Einnahmequellen.

Keine Erfolgsgeschichte war der Umbau für die Aktionäre. Die CS-Aktie hat seit dem Herbst 2015 mehr als 50 Prozent ihres Werts verloren. Um rund ein Drittel sackte der Kurs in diesem Jahr ab. Das ist der Preis für die Probleme der Vergangenheit. Abschreiber, Bussen und dickere Kapitalpolster haben die Bank viel Geld gekostet. In den letzten Jahren waren deshalb zwei Kapitalerhöhungen notwendig.

Auch UBS steht 30 Prozent im Minus

Es ist ein schwacher Trost, dass die Wertpapiere vieler Konkurrenten ebenfalls verloren haben. Die UBS-Aktie steht dieses Jahr ebenfalls rund 30 Prozent im Minus. Das gilt auch für einige grosse US-Banken. Der Wirtschaftsausblick für die USA trübt sich ein, hinzu kommt die Sorge um die wirtschaftliche Entwicklung in Europa. Die Bankenaktien gelten als Frühindikator für die schlechte Stimmung, und die Investoren trennen sich im grossen Stil von ihnen. Die Abkühlung der Weltwirtschaft könnte die Investmentbank der CS besonders stark treffen.

Da sich der Umbau nun dem Ende zuneigt, will die Bank der Aktie neuen Schub verleihen. Die Chefetage wählt dafür ein bewährtes Mittel. Sie kündigt ein Aktienrückkaufprogramm von bis zu 1,5 Milliarden Franken an. 2019 soll es noch mal eines geben. Zudem wurde für die nächsten beiden Jahre eine ordentliche Dividende angekündigt. Das Trostpflaster kam gut an. Die Aktie legte am Mittwoch um fast 3 Prozent zu.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt