Dem Spin-Doktor fehlen ein paar Fäden

Der 70-Jährige Aloys Hirzel berät den Banker Iqbal Khan und ist höchst ungewollt in die Schlagzeilen geraten.

Ein Branchenkollege nannte sein Büro einmal «alte Schule»: Aloys Hirzel. Foto: PD

Ein Branchenkollege nannte sein Büro einmal «alte Schule»: Aloys Hirzel. Foto: PD

Christian Zürcher@suertscher

Und nun das. Mittendrin und ohne Kontrolle. Statt aussen dran und die Fäden in der Hand. Wie man es gewöhnlich macht. Wie er es immer gemacht hat. Aloys Hirzel erlebt mit 70 Jahren sein Geschäft noch einmal von einer neuen Seite.

Hirzel berät kraft seiner Erfahrung wichtige Menschen. Er gehört zu den mächtigsten Spin-Doktoren der Schweiz, sagt man. Schillernd und gar nicht mal so zurückhaltend. Wer Geld hat und Ratschläge braucht, geht zu ihm und seinen Partnern der Beratungsfirma Hirzel-Neef-Schmid Konsulenten. Wie auch Iqbal Khan, Banker und gerade in besonderen Umständen. Der 43-Jährige wechselte von der Credit Suisse (CS) zur UBS, mit ordentlichem Gezänk und medialem Klatsch. In der jüngsten Episode ass CS-Schweiz-Chef Thomas Gottstein in der Zürcher Kronenhalle, er traf dort auf Hirzel und stauchte ihn zusammen. Dieser schrieb ein Memo, schickte es an Khans Anwalt, dieser leitete es CS-Präsident Urs Rohner weiter. Die Sache landete in den Medien – und mit der Sache auch Spin-Doktor Hirzel, der diese Wende nicht vorausgesehen hat.

Hirzel ist ein Mann mit sonorer Stimme. So sonoooor, dass über sie gesprochen wird. In der Branche erzählt man sich, dass seine Kunden auch darum gerne zu ihm gehen. Er nimmt sie mit seiner Stimme an der Hand und sagt: Alles wird gut. Nun sagt er am Telefon mit dieser Stimme: «Höchst ungewöhnlich.» Er meint seine Situation und dass die Medien nicht über den Kunden, sondern über ihn berichten. «Unnötig», sei das. Er will dieses Porträt erst verhindern und erzählt dann, warum dieser Fall so kompliziert sei. «Viele Leute ziehen am Tischtuch», sagt er, viele Leute mit vielen Interessen. Weil Emotionen im Spiel seien, habe die Sache eine spezielle Eigendynamik angenommen. Erlebt er gerade einen Kontrollverlust? «So sehe ich das nicht.»

Er erlebte mit der selbst gegründeten Trimedia einen Höhenflug, übernahm sich aber darauf.

Walter Stüdeli ist ein Branchenkollege; er sagt als Aussenstehender: «Als Berater muss man es unbedingt verhindern, im Mittelpunkt einer Geschichte zu landen.» Er hat Hirzels Büro einmal im «Tages-Anzeiger» als «alte Schule» bezeichnet. Heute sagt er, dass vieles nicht mehr wie früher funktioniere. Früher spielten Netzwerke, früher konnten einflussreiche Berater wie Hirzel den Medien Geschichten diktieren. «Heute ist das anders», sagt Stüdeli. Heute sei der Journalist kritischer, der Wunsch nach Transparenz grösser.

Vielleicht auch darum erlebt Aloys Hirzel gerade ungewöhnliche Tage. Das y im Namen hat er sich übrigens als 30-Jähriger selber zugelegt. Er erlebte mit der selbst gegründeten Trimedia einen Höhenflug, expandierte in die Westschweiz – und damit sie ihn dort nicht «Aloa» nannten, schenkte sich Alois ein y. Trimedia wurde zu einer der zehn grössten PR-Agenturen Europas, übernahm sich aber darauf. Hirzel machte weiter als Mann zwischen den Linien, musste das Expo-01-Debakel erklären, kam zu neuen Mandaten, wurde mit 57 noch einmal Vater und bezeichnet sich auch darum als modernen Bürgerlichen, der am Esstisch vom 13-jährigen Sohn Nachhilfe im Umweltdenken erhält.

Hilfe ist ein gutes Stichwort. Lässt sich ein Mann wie Hirzel in diesen Tagen coachen? «Das wäre ja das Beste, wenn ich einen Coach bräuchte.»

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