Das falsche Signal der Raiffeisen-Spitze

Das Führungsgremium der Bank bekommt 44 Prozent mehr Salär. Mehr Bescheidenheit wäre ihm gut angestanden.

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Jorgos Brouzos@jorgosbrouzos

Das Geschäft wachse, alles sei in Ordnung. Man habe bei Raiffeisen gerade ein bisschen mehr zu tun als sonst. So der Eindruck, den die Bank mit der Publikation des Geschäftsberichts vermitteln will. Von der grössten Krise ihrer Geschichte ist darin wenig zu sehen.

Im Gegenteil. Man danke ganz besonders den Genossenschaftern und Kunden für ihre Treue, heisst es im Geschäftsbericht. Dies auch vor dem Hintergrund der Medienberichterstattung, die das Strafverfahren gegen den früheren Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz ausgelöst habe. Als ob die Medien die Schuld für die Probleme bei Raiffeisen und den daraus resultierenden Vertrauensverlust tragen würden, als ob nicht die ungenügende Aufsicht des Verwaltungsrats in den vergangenen Jahren ein wichtiger Grund für die heutigen Probleme wäre. Denn er war es, der bei den fragwürdigen Geschäften von Ex-Chef Vincenz nicht genau hingesehen hat – und er trägt so eine Mitschuld an der heutigen Situation.

Die Saläre steigen

Es wäre deshalb dem Führungsgremium gut angestanden, hätte es sich bescheidener gegeben. Stattdessen steigt das Salär. Das gesamte Gremium erhält 2,4 Millionen Franken. Das sind 44 Prozent mehr als im Vorjahr. Mit 550’000 Franken geht der höchste Betrag an den zurückgetretenen Verwaltungsratspräsidenten Johannes Rüegg-Stürm. Der Betrag steige, weil das Gremium gewachsen sei und es wegen der Krise auch noch mehr Sitzungen habe, so die Erklärung von Interimspräsident Pascal Gantenbein im Schweizer Fernsehen. Doch nicht nur die Verwaltungsräte verdienen mehr, auch das Salär von Raiffeisen-Chef Patrik Gisel steigt – wenn auch nur leicht von 1,77 auf 1,81 Millionen Franken.

Raiffeisen will die Vergangenheit aufarbeiten und hat dafür eine interne Untersuchung aufgegleist. Doch scheint es fast so, als ob sie die alten Probleme auch noch in die Zukunft mitnehmen würde.

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