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Chinesen kaufen Schweizer WM-Vermarkter

Infront Sports & Media AG, die unter anderem die Fussball-Champions-Leage und die Weltmeisterschaft vermarktet, wird für gut eine Milliarde Euro von der chinesischen Dalian Wanda Group übernommen.

Besitzt in China Immobilien und eine Kinokette: Dalian Wanda Group. (Archivbild)
Besitzt in China Immobilien und eine Kinokette: Dalian Wanda Group. (Archivbild)
Reuters

Chinesische Investoren kaufen Schweizer Sportrechte-Vermarkter Zug Der Schweizer Sportrechte-Vermarkter Infront hat einen neuen Besitzer. Der chinesische Mischkonzern Dalian Wanda Group bezahlt 1,05 Milliarden Euro für Infront. Infront vermarktet unter anderem die Fussball-Weltmeisterschaft und ist einer der grössten Sportrechtehändler der Welt.

Das bestehende Management unter der Leitung von Philippe Blatter bleibt unverändert, wie Infront mit Sitz im steuergünstigen Zug mitteilte.

Philippe Blatter ist ein Neffe des umstrittenen Präsidenten des Weltfussballverbands Fifa, Sepp Blatter. Zum Topmanagement gehört auch der Sportkommentator und ehemalige Fussballprofi Günther Netzer. Auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte Infront-Sprecher Jörg Polzer, es gäbe keine Veränderungen im operativen Bereich.

Laut einer Mitteilung hält Dalian Wanda künftig 68,2 Prozent der Infront-Anteile. Drei weitere ungenannte Investoren übernehmen den Rest, wie die Nachrichtenagentur Reuters aus Kreisen des chinesischen Konzerns erfuhr. Dalian Wanda ist Chinas grösster Immobilienkonzern und besitzt die grösste Kinokette des Landes.

Infusion zur Expansion gesucht

Im vergangenen September war bekannt geworden, dass das Schweizer Unternehmen Infront nach drei Jahren einen neuen Eigentümer sucht, um an frisches Geld für seine Expansionsstrategie zu gelangen. Der Finanzinvestor Bridgepoint hatte Infront vor über drei Jahren gekauft, in Finanzkreisen war der Preis damals auf gut 550 Millionen Euro taxiert worden.

«Wir sind zuversichtlich Infront in seiner Zielsetzung, die Nummer 1 im weltweiten Sportmarketing zu werden, unterstützen zu können», wird Wang Jianlin, Verwaltungsratspräsident der Wanda Group, in der Mitteilung zitiert.

Infront war 2002 aus dem zerfallenden Imperium von Leo Kirch herausgekauft worden. Vor der Übernahme durch Bridgepoint hatte der Kaffeedynastie-Erbe Andreas Jacobs die Mehrheit der Anteile gehalten.

Infront hatte anfangs vor allem vom Verkauf der Rechte an grossen Turnieren des Weltfussballverbandes an Fernsehsender gelebt. Das Unternehmen hat sein Spektrum aber inzwischen verbreitert, etwa auf die Weltcupwettbewerbe in sechs Wintersportarten und Motorsport-Rennserien.

Zudem vermarktet es die Fernsehrechte der Fussballverbände von Deutschland und Italien sowie der Clubs Werder Bremen, 1. FC Köln, AC Mailand und Inter Mailand. Vergangenes Jahr kam Infront auf einen Umsatz von 800 Millionen Euro.

Dalian Wanda auf Expansionskurs in Übersee

Die Übernahme durch Dalian Wanda fällt in eine Phase der aggressiven Überseeexpansion der chinesischen Gruppe, die sich mit einer Reihe von Zukäufen diversifiziert. Das Konglomerat hat seit Anfang Jahr drei grosse Investitionen ausserhalb von China angekündigt.

In Europa machte die Akquisition des Madrider Wahrzeichens Edificio España im vergangenen Juni Schlagzeilen. Das 117 Meter hohe Gebäude in der spanischen Hauptstadt wurde von einer Dalian-Tochter erworben. Die Umsätze wollen die Chinesen mit ihrer Expansionspolitik bis in fünf Jahren auf 163 Milliarden Dollar steigern.

SDA/chk

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