Cablecom lanciert Videoabo

Für 9.95 Franken 10'000 Titel: Der angekündigte Markteintritt des US-Anbieters Netflix macht den hiesigen TV-Anbietern offenbar Eindruck.

Hat schnell auf Netflix reagiert: Cablecom-Boss Eric Tveter. (3. September 2014)

Hat schnell auf Netflix reagiert: Cablecom-Boss Eric Tveter. (3. September 2014)

(Bild: Keystone)

Vom Einheitsmenü zu à la carte: Die Art, Fernseh zu schauen, verändert sich. Das Videoabo-Portal Netflix mischt weltweit den Fernsehmarkt auf und drängt auch in die Schweiz. Doch UPC Cablecom ist dem US-Riesen nun um rund zwei Wochen zuvor gekommen.

Heute ging Cablecom in die Offensive: Die Kabelnetzbetreiberin lancierte mit «MyPrime» einen eigenen Videoabo-Dienst. Der Service sei ähnlich wie jener von Netflix, sagte Cablecom-Chef Eric Tveter auf Nachfrage vor den Medien in Zürich.

Über Streaming-Plattformen wie «MyPrime» oder Netflix können Kunden auf eine jederzeit verfügbare, grosse Auswahl von Filmen, Serien und Sendungen zugreifen. Man muss nicht auf die nächste Folge einer Serie warten, ausserdem gibt es keine Werbeunterbrechungen.

Das US-Unternehmen Netflix kündigte seinen Markteintritt in der Schweiz für Mitte September an. Mit der Lancierung von «MyPrime» hat Cablecom damit schneller gehandelt als der Konkurrent.

Das «MyPrime«-Abo von Cablecom kostet 9.95 Franken pro Monat. 50'000 Cablecom-Kunden, jene mit einem Kombiangebot, können den neuen Dienst jedoch seit Mittwoch ohne Zusatzkosten nutzen. In deren Abo ist das neue Produkt mit einbegriffen.

Wie viel das Netflix-Angebot in der Schweiz kosten wird, ist noch nicht bekannt. In den USA gibt es ein Monatsabo, mit dem man uneingeschränkt Serien und Filme schauen kann, ab 7.99 Dollar (rund 7.35 Franken).

Inhalt der Bibliothek

Im Konkurrenzkampf um das Fernsehpublikum ist jedoch nicht nur der Preis entscheidend, sondern auch der Inhalt der angebotenen Bibliothek. Über «MyPrime» können derzeit 2000 Serien, Sendungen oder Filme abgerufen werden, wie Ivo Hoevel, Marketingchef bei Cablecom, am Mittwoch sagte. Bis Ende Jahr soll das Angebot auf 10'000 Titel ausgebaut werden.

Neben US-Blockbustern, Filmklassikern, Kindersendungen oder Dokumentationen bietet «MyPrime» auch Schweizer Filme und Serien an. So etwa «Der Verdingbub» oder «Der Bestatter», die Serie des Schweizer Radios und Fernsehens (SRF).

Der Konkurrent Netflix wurde allerdings nicht wegen dessen breiten Angebotes weltbekannt, sondern mit selbst produzierten Serien wie dem US-Polit-Thriller «House of Cards».

Cablecom tut es Netflix daher gleich und gibt die Serie «Fässler-Kunz» in Auftrag. Sie handelt von einem Schweizer Ehepaar, das kurz vor der Pensionierung steht. Die Hauptrollen spielen Esther Gemsch und Patrick Frey. Alle Episoden sollen ab Anfang Dezember gleichzeitig verfügbar sein.

Mitte September

Ab Mitte September wird sich zeigen, ob es der hiesige Neuling mit dem US-Riesen aufnehmen kann. Denn dann geht Netflix in der Schweiz auf Sendung. Wann genau, ist nicht bekannt.

In verschiedenen Schweizer Medien wurde der 18. September als Startdatum genannt. Netflix hat an diesem Tag zu einem Pressetag in Zürich eingeladen. Das Unternehmen kommentiere Spekulationen zum Startdatum nicht, teilte der Medienverantwortliche Heiko Geibig der Nachrichtenagentur sda mit.

Der Wettbewerb unter den Anbietern dürfte sich künftig weiter verschärfen. Denn auch die Swisscom, die mit ihrer Tochter Teleclub Marktführerin bei den Filmen auf Abruf (sog. Video on Demand) ist, zeigt sich bereit für den Konkurrenzkampf.

«Wir prüfen derzeit verschiedene Modelle, um unseren Kunden per Ende Jahr Flatrate Angebote im Bereich Filme, Serien und Dokumentationen anzubieten», teilte Swisscom-Mediensprecher Carsten Roetz der Nachrichtenagentur sda mit. Genaueres könne die Swisscom aber erst bekanntgeben, wenn es soweit sei.

48 Millionen Kunden

Netflix, 1997 als DVD-Verleih gegründet, hat gemäss eigenen Angaben mehr als 48 Millionen Kunden in über 40 Ländern - mehr als zwei Drittel davon in den USA.

An der Internationalen Funkausstellung (IFA), die derzeit in Berlin stattfindet, wurde Streaming - also das Abspielen von Filmen oder Musik aus dem Internet, ohne diese herunterzuladen - als der Trend schlechthin bezeichnet.

Beim Schweizer Fernsehen, dem Vertreter des traditionellen Fernsehens in der Schweiz, ist bisher dennoch keine Nervosität zu spüren.

Netflix werde die Fernsehlandschaft verändern. Betroffen sei aber vor allem das Pay-TV-Geschäft, sagte SRF-Redaktionsleiter Heinz Schweizer in einem Interview der Basler Zeitung vom Mittwoch. Urs Fitze, Bereichsleiter Fiktion beim SRF, sagte im selben Interview, Netflix spreche nicht das Massenpublikum an.

cpm/sda

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