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BPs Deal mit Ghadhafi

Trotz der Ölpest im Golf von Mexiko will der angeschlagene britische Energiekonzern die nächste Tiefseebohrung starten – im Mittelmeer vor der Küste Libyens.

Hatte den Deal eingefädelt: Ex-Premier Tony Blair mit Ghadhafi im Juli 2007.
Hatte den Deal eingefädelt: Ex-Premier Tony Blair mit Ghadhafi im Juli 2007.
Reuters

Die USA werfen BP schon längervor, die vorzeitige Freilassung des libyschen Lockerbie-Attentäters Abdel Basset al- Megrahi vor einem Jahr vorangetrieben zu haben, um das Millionengeschäft zu starten. Der britische Premierminister David Cameron hatte die Spekulationen über einen Zusammenhang zwischen Megrahis Freilassung und Geschäften des BP-Konzerns in der vergangenen Woche zurückgewiesen. Aussenminister William Hague bezeichnete die Vorwürfe in einem am Samstag veröffentlichten Brief an US-Senator John Kerry, dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses der Kongresskammer, als «unbegründet».

Das Unternehmen selbst argumentiert, es habe sich bei der Regierung in London für eine Beschleunigung eines Abkommens über einen Gefangenenaustausch mit Libyen eingesetzt. Dabei sei es aber niemals spezifisch um den Fall Megrahi gegangen. Um die Vorwürfe gegen BP zu prüfen, soll nächste Woche eine Anhörung vor dem Ausschuss für auswärtige Angelegenheiten des US-Senats stattfinden. Unter anderem soll Noch-Konzernchef Tony Hayward befragt werden, der sich auch wegen des Umgangs des Konzerns mit der Ölpest im Golf von Mexiko massiver Kritik ausgesetzt sieht.

Bohrungen «in wenigen Wochen»

Al-Megrahi wurde wegen einer Krebserkrankung im Endstadium von Schottland begnadigt. Zur Begründung hiess es damals, seine Tage seien gezählt. Er lebt heute in seiner Heimat. Bei dem Attentat auf ein Pan-Am-Flugzeug nahe dem schottischen Lockerbie waren 1988 insgesamt 270 Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen 189 US-Bürger.

«Die Bohrungen werden in wenigen Wochen beginnen», sagte BP- Sprecher David Nicholas am Samstag der Nachrichtenagentur DPA und bestätigte damit einen Bericht der «Financial Times». Die Quelle soll spätestens in einem halben Jahr erschlossen sein. In dem Feld soll es grosse Mengen Erdöl und bis zu 850 Millionen Kubikmeter Erdgas geben. Der Energiekonzern wies Sicherheitsbedenken über die neue Tiefseebohrung zurück.

«Keine Parallelen»

Die Bohrung erfolgt in der Mittelmeerbucht Grosse Syrte. Etwa 200 Kilometer westlich der Hafenstadt Bengasi liegt die Quelle in rund 1750 Metern Tiefe.

Damit wird dort 250 Meter tiefer nach den beiden Energierohstoffen gebohrt als bei der Tiefseebohrung im Golf von Mexiko. In dem Randmeer löste die Explosion der Bohrinsel «Deepwater Horizon» am 20. April mit elf Toten die noch andauernde Ölpest aus, die grösste Naturkatastrophe vor der US-Küste. Zwischen den beiden Bohrfeldern gebe es allerdings keine Parallelen, betonte BP-Sprecher Nicholas. Hohe Sicherheitsstandards seien vor Libyen gewährleistet.

«Vollständige Kontrolle»

«Wir haben weltweit viele Bohrungen durchgeführt und dort nun zusätzliche Vorsichtsmassnahmen getroffen, darunter eine vollständige Kontrolle der Ölbohrplattform vom Typ «Noble», die wir nutzen werden», sagte Nicholas. Die Quelle ist laut BP in einer Gesteinsformation mit geringer Durchlässigkeit eingeschlossen.

Die Rechte für die Erschliessung der Ölquelle hatte BP vor drei Jahren von Libyen für 900 Millionen Dollar gekauft. BP-Chef Tony Hayward bezeichnete den Deal als bis dahin grösste Einzelinvestition.

BP hatte seine Ölgeschäfte in Libyen 1971 einstellen müssen, weil Machthaber Muammar al-Gaddafi die britischen Besitztümer verstaatlichte. BPs Partner bei der neuen Quelle ist die staatliche Libyan Investment Corporation, die 15 Prozent der Erträge erhält.

(SDA)

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