Bombardier droht wegen Pannenzug weitere Strafzahlung

Die SBB wollen rechtliche Klärung wegen des neuen Doppelstockzuges FV-Dosto – sobald die «Zusatzaufwendungen bekannt sind».

SBB-Chef Andreas Meyer (l.) und Bombardier-Schweiz-Chef Stéphane Wettstein (r.). Bild: Keystone

SBB-Chef Andreas Meyer (l.) und Bombardier-Schweiz-Chef Stéphane Wettstein (r.). Bild: Keystone

Laura Frommberg@lfrommberg

Übelkeit bei Passagieren, Probleme mit der Technik, abgebrochene Fahrten – und das nach einer jahrelangen Verspätung: Der neue SBB-Doppelstockzug FV-Dosto legte wahrlich keinen Traumstart hin. Das sorgt für ­miese Stimmung zwischen den Bundesbahnen und Hersteller Bombardier.

In einer Mitteilung kritisierten die SBB Bombardier scharf. Die Probleme mit dem neuen Zug seien «nicht akzeptabel». In einem Interview mit den Zeitungen von CH Media verteidigte sich Bombardier-Schweiz-Chef Stéphane Wettstein: Die Probleme seien nicht schwerwiegend und schon bald vom Tisch. Auch Strafzahlungen an die SBB seien kein Thema. «Dafür müsste zuerst ein vertraglicher Schaden entstehen. Das ist nicht der Fall.»

Bei den SBB sieht man das nicht so. In grossen Punkten sei die Situation klar: «Die Verantwortung liegt beim Lieferanten», sagte SBB-Chef Andreas Meyer in einem Interview mit der «Schweiz am Wochenende». Man habe mit Bombardier einen «harten Vertrag mit Strafzahlungen abgeschlossen». Laut den Offertunterlagen muss der Konzern für jeden um eine Woche verspäteten Zug eine Strafe von 0,5 Prozent des Stückpreises bezahlen. Sollte das so auch im Kaufvertrag festgehalten sein, käme man auf eine Zahlung von 460 Millionen Franken.

Bombardier wird nicht bereit sein, die komplette Verantwortung zu übernehmen.

Drohen Bombardier also hohe Kosten? SBB-Sprecher Christian Ginsig betont, dass Bombardier statt wie ursprünglich bestellt 59 nun 62 Züge sowie Ersatzteile an die SBB ausliefern wird – zum ursprünglich vereinbarten Preis von 1,9 Milliarden Franken für die 59 Züge. Die drei Gratiszüge mitsamt Ersatzteilen haben einen Wert von etwa 100 Millionen Franken. Das lässt sich durchaus auch als Busse interpretieren.

Doch nun drohen Bombardier weitere Strafzahlungen. Erst einmal gehe es zwar darum, den stabilen Betrieb sicherzustellen, so Ginsig. «Das hat erste Priorität für die Kunden.» Aber der SBB-Sprecher sagt auch: «Finanzielle Fragen können mit dem Hersteller nachgelagert besprochen werden, wenn die Zusatzaufwendungen der SBB bekannt sind.» Das werde man – wie es bei vertraglichen Abmachungen üblich sei – auch im rechtlichen Rahmen klären.

Bombardier wird nicht bereit sein, die komplette Verantwortung zu übernehmen. Der Hersteller betonte schon öfter, dass immer neue Änderungswünsche der SBB ebenfalls zur Verspätung beigetragen hätten. SBB-Chef Meyer bezeichnet das als «völlig normal». Experten nehmen ihn in der Sache in Schutz. «Wenn die Änderungswünsche nicht oder nur schwer umsetzbar sind, ist es am Hersteller, Nein zu sagen», heisst es in der Branche. Bombardier habe aber offenbar immer zugestimmt, auch wenn es dadurch zu Schwierigkeiten kam.

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