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BLS jagt den SBB zwei Linien ab

Die BLS knackt das Fernverkehrsmonopol der SBB. Das Bundesamt für ­Verkehr spricht ihr aber bloss zwei Linien zu.

<b>«Für den Steuerzahler ist es günstiger»:</b> BAV-Direktor Peter Füglistaler erklärt die Vorteile einer Aufhebung des SBB-Monopols. Video: Tamedia/SDA

Sie standen da wie bestellt und nicht abgeholt. BLS-Chef Bernard Guillelmon und Ver­waltungsratspräsident Rudolf Stämpfli präsentierten am Donnerstagmorgen die Jahresbilanz des Berner Transportunternehmens. Sie beteuerten, sie wüssten noch nicht, welchen Entscheid das Bundesamt für Verkehr (BAV) am Nachmittag zur Zukunft des Fernverkehrs bekannt gebe.

Aber nach der Medienkonferenz des BAV waren Guillelmon und Stämpfli für Auskünfte nicht mehr verfügbar. Die BLS liess bloss mit einer kurzen schriftlichen Stellungnahme ihre Enttäuschung erkennen: Sie nehme den Vorschlag zur Kenntnis, kommentiere ihn aber noch nicht. «Vielmehr müssen wir zunächst prüfen, was eine solche Entscheidung des BAV konkret für die BLS bedeuten würde», hiess es.

Keine Rennstrecken

Auf Einladung des BAV hatte die BLS letztes Jahr an einem Ideenwettbewerb zum Fernverkehr teilgenommen und Konzessionsgesuche eingereicht. Sie beantragte fünf Strecken. Das BAV will der BLS nun aber lediglich zwei zusprechen, nämlich Bern–Biel und Bern–Burgdorf–Olten. Das gab BAV-Direktor Peter Füglistaler am Donnerstag vor den Medien in Ittigen bekannt. Er startete damit die Anhörung bei Kantonen, Verkehrsverbünden und Bahnen.

Am SBB-Sitz in Bern-Wankdorf kann die BLS künftig mit Fernverkehrszügen vorbeifahren. Bild: Raphael Moser
Am SBB-Sitz in Bern-Wankdorf kann die BLS künftig mit Fernverkehrszügen vorbeifahren. Bild: Raphael Moser

Das BAV will die neuen Konzessionen per Ende 2019 für zehn Jahre erteilen. Der überwiegende Teil von rund vierzig Linien soll bei der bisherigen Monopolistin SBB bleiben. Ursprünglich hätte die BLS gar auf den gewinnträchtigsten Strecken nach Zürich und weiter an den Flughafen fahren wollen. Nach vehementem Widerstand von SBB-Chef Andreas Meyer bot die BLS Hand und beschränkte sich auf fünf Linien rund um Bern und entlang der Lötschberg-Achse.

Nun sieht nicht nur Meyer, sondern auch das BAV die BLS für die beiden beantragten Intercity-Linien Brig–Bern–Basel und Interlaken–Bern–Basel nicht gerüstet. BLS-Chef Guillelmon hatte am Morgen eingeräumt, dass die nötigen neuen, 200 Kilometer pro Stunde schnellen Intercity-Züge nicht so rasch wie geplant angeschafft werden könnten. Denn die Rollmaterialhersteller seien zu stark ausgelastet.

Klicken Sie auf die Karte, um diese zu vergrössern.
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Statt ab 2022 respektive 2023 hätte die BLS daher je zwei Jahre später auf den beiden Intercity-Strecken starten wollen. Doch daraus wird nun nichts. Von Bern nach Biel und von Burgdorf nach Olten kann die BLS hingegen wie geplant loslegen. Hier können auch bisherige, weniger schnelle Züge der BLS eingesetzt werden, und die Gesellschaft verfügt über weitere Kaufoptionen.

Verlust einer Stammstrecke

Auch auf der Linie zwischen Bern, Neuenburg und Le Locle musste die BLS ihre Pläne korrigieren. Statt 2023 könnten die Züge erst 2032 halbstündlich verkehren. Denn die dafür nö­tigen Infrastrukturausbauten rund um Bern – insbesondere die Entflechtung in Holligen – verspäten sich. Das BAV kritisierte, dass damit auch die von der BLS geltend gemachten Vorteile von neuen durchgehenden Verbindungen erst nach 2030 zum Tragen kommen könnten.

«Die Beschaffung neuer Intercity-Züge benötigt mehr Zeit als geplant.»

BLS-Chef Bernard Guillelmon

Das Amt hält aber daran fest, die Linie Bern–Neuenburg vom Regional- in den Fernverkehr umzuteilen. Die Konzession sollen die SBB erhalten. Denn die BLS ist ohne gewinnträchtige Intercity-Linien nicht in der Lage, das Defizit auf dieser Strecke von rund 20 Millionen Franken zu tragen. Im Regionalverkehr stopfen Bund und Kantone das Loch.

«Kunden profitieren»

Die Bahnen können die Konzessionen nicht einfach ablehnen. Sie müssten dagegen vor dem Bundesverwaltungsgericht rekurrieren. BAV-Direktor Fügli­staler betonte daher, dass die Steuerzahler und die Kunden von den Plänen profitieren würden. So bleibe auf der Gotthard-Bergstrecke dank der Kooperation von SBB und Südostbahn das Fernverkehrsangebot erhalten.

Von den SBB fordert das BAV zudem höhere Beiträge an die Infrastruktur. Das dürfte den SBB-Gewinn um rund 100 Millionen Franken drücken respektive den Steuerzahler entlasten. Alternativ können die SBB die Billettpreise senken. Das wäre wiederum zugunsten der Kunden, sagte Füglistaler.

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