BKW verdient am Monopol 90 Millionen

Steht die BKW bloss so gut da, weil ihr die im Monopol gefangenen Kunden die Kasse füllen? Nein, sagt die BKW-Chefin Suzanne Thoma.

BKW-Chefin Suzanne Thoma: Ihre Strategie zahlt sich aus.

BKW-Chefin Suzanne Thoma: Ihre Strategie zahlt sich aus.

(Bild: Keystone)

Julian Witschi

Die BKW erzielt im klassischen Stromgeschäft wegen der tiefen Marktpreise keinen Gewinn mehr. «2017 haben wir mit dem Verkauf von selbst produziertem Strom am Markt null Franken verdient», sagte die BKW-Chefin Suzanne Thoma am Dienstag bei der Präsentation der Jahresbilanz.

In den nächsten Jahren resultieren hier gar Verluste. Das ist jetzt schon klar, weil der Strom am Markt auf drei Jahre hinaus verkauft wird und die tief gesunkenen Preise erst noch voll durchschlagen.

Kritik zurückgewiesen

Dennoch schreibt das Energiegeschäft der BKW insgesamt robuste Gewinne. Kritiker und Neider der erfolgreichen BKW werfen ihr angesichts der grossen Probleme anderer Stromfirmen vor, sie könne sich nur dank der Monopole bei der Stromversorgung von Kleinkunden und bei den Netzen so gut halten. Thoma stellte klar, die gebundenen Kunden würden bloss 15 Prozent des Stroms der BKW abnehmen: «Mit diesem Monopol verdienen wir auf Stufe Betriebsgewinn ­etwa 20 Millionen Franken pro Jahr», sagte sie.

Hinzu kommt allerdings das Monopol im Netzgeschäft. Hier gibt der Bundesrat mit einem Prozentsatz vor, wie viel die Netzbetreiber von den Kunden für die getätigten Investitionen verlangen dürfen. Derzeit sind es im Vergleich zum Tiefzinsumfeld ansehnliche 3,8 Prozent. Bei Netzanlagen der BKW für über 1,8 Milliarden Franken ergibt dies gegen 70 Millionen Franken pro Jahr. Das ist laut BKW-Finanzchef Ronald Trächsel etwa die Summe, die dem Berner Konzern nach den Investitionen in den Unterhalt der Netze verbleibt.

Zusammengezählt bringen die Monopole bei der Stromversorgung und bei den Netzen der BKW demnach Gewinne in der Grössenordnung von 90 Millionen Franken pro Jahr ein. Dies bei einem konzernweiten Betriebsergebnis von 379 Millionen Franken im Jahr 2017. Der Reingewinn stieg so im Vergleich zum Vorjahr um 16 Prozent auf rund 271 Millionen Franken.

Der Konzern hängt aber offenbar nicht daran, Monopolist zu bleiben. BKW-Chefin Thoma bekräftigte, das Unternehmen plädiere für die volle Strommarkt­liberalisierung. Denn der Gewinn von 20 Millionen Franken mit gebundenen Kunden habe nämlich den Preis, dass die BKW die Kunden ausserhalb ihres Versorgungsgebietes nicht bedienen dürfe.

Und die Investitionen in die Netze seien nicht ohne Risiken, ergänzte Thoma: «Es kann im Netz immer etwas schiefgehen, das dann kostet und nicht in die Tarife eingerechnet werden kann.» Die Rendite in anderen Bereichen liege im Schnitt höher. Die Erträge aus dem Netzgeschäft wirkten aber stabilisierend für die BKW, räumte die Konzernchefin ein.

Zudem kann das Unternehmen den gebundenen Kunden die Kosten für die Stromproduktion weiterverrechnen. Im Moment zahlen die Kunden so zwar mehr, als wenn sie im freien Markt von den tiefen Preisen profitieren könnten. Aber es gab einige Jahre, in denen sie von hohen Marktpreisen verschont wurden.

Strompreisfalle ausweichen

Jetzt sind die Strommarktpreise trotz einer leichten Erholung im letzten Jahr weiterhin tief. Dennoch ist die BKW auf dem Weg aus der Strompreisfalle, wie Thoma betonte. Dies wegen des ­Ausbaus des Dienstleistungsgeschäfts, Einsparungen und der Neuausrichtung auf den Wandel am Strommarkt.

So geht die BKW davon aus, dass die Schwankungen in Europa von extrem tiefen zu extrem hohen Strompreisen zunehmen werden: Weil die konstante Stromproduktion abnehme, da Atom- und Kohlekraftwerke vom Netz gehen. Neue Gas- und Wasserkraftwerke können dies laut Thoma nicht ersetzen. Zudem wird die wetterabhängige Produktion von Solar- und Windstrom ausgebaut. Die BKW will dies nutzen und ihre Anlagen im richtigen Moment laufen lassen. Das sei im vergangenen Jahr gut gelungen, und das Handelsresultat sei ausgezeichnet, hiess es.

Das Dienstleistungsgeschäft wirft allmählich mehr ab. Der operative Gewinn stieg von 32 auf 46 Millionen Franken. Allein im vergangenen Jahr hat die BKW 20 Firmen übernommen und dafür 172 Millionen Franken bezahlt. Seit Beginn der Expansionsstrategie von Thoma im Jahr 2014 schluckte der Konzern 65 Firmen. Für die vielen Ingenieurbüros, Gebäudetechnik­firmen, Netzinstallateure und Windkraftanbieter im In- und Ausland legte das Unternehmen über 600 Millionen Franken auf den Tisch.

Die rasante Expansion verläuft zwar nicht ohne Probleme. Natürlich gebe es Firmen, bei denen nicht alles klappe. Aber über das Ganze gesehen funktioniere die Strategie der BKW sehr gut, sagte Thoma. Ohne diese Transformation wäre die BKW laut der Konzernchefin heute in den roten Zahlen.

Berner Zeitung

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