BKW: Proteste gegen Windkraft nehmen zu

Der Berner Stromkonzern BKW streicht fast die Hälfte seiner Projekte für alternative Kleinkraftwerke zusammen. Er begründet den Schritt mit zahlreichen Einsprachen und dem komplizierten Bewilligungsverfahren. Umweltverbände winken ab und bezeichnen die Begründung der BKW als reine Abstimmungspropaganda.

Die BKW hat 2010 80 Anlagen für erneuerbare Energien in Betrieb genommen.

Die BKW hat 2010 80 Anlagen für erneuerbare Energien in Betrieb genommen.

(Bild: Enrique Muñoz García)

Bis 2030 wollten die BKW 1000 Gigawattstunden Strom in eigenen Anlagen für erneuerbare Energien produzieren. Jetzt stutzt der Stromkonzern seine Ausbauziele in der Schweiz auf 600 GWh.

Der Entscheid fiel nach einer Analyse der rund 100 laufenden Projekte, wie die BKW am Montag mitteilte. Nebst des Widerstands von Umweltverbänden, betroffenen Privatpersonen und Tourismusorganisationen hätten auch die komplizierten Bewilligungsverfahren den Ausschlag für den Entscheid gegeben.

Die Umweltverbände Pro Natura und Stiftung Landschaftsschutz Schweiz halten die Reaktion für übertrieben. Roland Schuler, Sprecher von Pro Natura Schweiz, sieht in der Anpassung der Ziele einen strategischen Schachzug. «Ich vermute einen versteckten Versuch, der Atomkraft Schub zu verleihen», sagte er. Am 13. Februar stimmt der Kanton Bern über die Zukunft des Atomkraftwerks Mühleberg ab.

Die BKW weist die die Vorwürfe von sich. Mit der bevorstehenden Abstimmung habe die Bekanntgabe der reduzierten Zielmenge für die erneuerbaren Energien nichts zu tun, sagte Franz Bürgi, Geschäftsführer der für erneuerbare Energien zuständige BKW-Tochter sol-E Suisse, an einer Medienkonferenz in Bern.

Nur wenig Verbandseinsprachen

Die BKW hat im vergangenen Jahr 80 Anlagen für erneuerbare Energien in Betrieb genommen, vor allem Windenergie-Anlagen. Vier von fünf dieser Anlagen stehen im Ausland. Angesichts der Zahl umgesetzter Projekte zweifelt die Stiftung Landschaftsschutz Schweiz, dass die Verbandseinsprachen für die BKW ein Problem darstellen.

Sie spricht ihrerseits von acht Einsprachen, Rekursen oder Beschwerden gegen geplante Wasserkraftwerke, Pro Natura von rund einem Dutzend. Gegen Windkraftwerke seien derzeit drei Einsprachen hängig. Im Vergleich zu den hundert laufenden Projekten sei die Opposition demnach «verschwindend klein».

Raimund Rodewald, Geschäftsführer der Stiftung Landschaftsschutz, bestätigt aber, dass der Widerstand von Privaten in den letzten Jahren zugenommen hat. «Private haben die Umweltverbände längst eingeholt, was die Zahl an Einsprachen betrifft», sagte er auf Anfrage.

Das ist auch Martin Pfisterer, Mitglied der BKW- Unternehmensleitung, aufgefallen: «Zwar geniessen die erneuerbaren Energien grosse Sympathien», sagte er vor den Medien.» Doch wenn es darum gehe, eine entsprechende Anlage zu bauen, heisse es oft «super, aber bei mir nicht».

Goldgräberstimmung löste Angst aus

Er könne die Einwände im Grunde verstehen, sagte Pfisterer. Es zeige sich aber eine grosse Diskrepanz zwischen den Produktionszielen von Bund und Kantonen für Kleinwasserkraft und den effektiv umsetzbaren Projekten.

Der Bund will bis ins Jahr 2030 die aus erneuerbaren Energien produzierte Strommenge um 10 Prozent - das entspricht 5400 GWh - erhöhen. Dieses Ziel sei durch den Entscheid der BKW nicht gefährdet, sagte Marianne Zünd, Sprecherin des Bundesamts für Energie (BFE) auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA.

Zünd übte aber auch leise Kritik an den grossen Stromproduzenten. Die kostendeckende Einspeisevergütung habe zu einem Boom und tausenden Gesuchen für Projekte für erneuerbare Energien geführt. «Die Strategie, so viele Projekte einzureichen, war wohl nicht sehr geschickt gewählt», sagte sie. Derzeit stehen über 8200 Projekte auf einer Warteliste für eine Bewilligung.

«Diese Goldgräberstimmung in der Branche dürfte bei der Bevölkerung Angst ausgelöst haben», gab sol-E-Suisse-Geschäftsführer Bürgi zu.

met/sda

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