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BKW legt Geothermie auf Eis

Die Probleme der Geothermieprojekte in Basel und St.Gallen haben Auswirkungen: Auch die BKW legt ihr Geothermieprojekt auf Eis.

Buchstäblich viel Geld verlocht: Die teuren Erdbohrungen in St.Gallen hatten nicht den gewünschten Erfolg gebracht.
Buchstäblich viel Geld verlocht: Die teuren Erdbohrungen in St.Gallen hatten nicht den gewünschten Erfolg gebracht.
Keystone
Am 14. Mai 2014 gab  die Stadt St.Gallen bekannt, dass sie ihr Projekt beerdigt, nachdem sie bereits Millionen investiert hat.  Auch die BKW hat soeben einen Investitionsstopp für Geothermie beschlossen.
Am 14. Mai 2014 gab die Stadt St.Gallen bekannt, dass sie ihr Projekt beerdigt, nachdem sie bereits Millionen investiert hat. Auch die BKW hat soeben einen Investitionsstopp für Geothermie beschlossen.
Keystone
So funktioniert Geothermie.
So funktioniert Geothermie.
Quelle: geothermie.ch/BZ Grafik nid
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Gestern Mittwoch musste Fredy Brunner, Stadtrat von St.Gallen, bekannt geben, was vielen längst klar war: Das Geothermieprojekt der Stadt St.Gallen ist gescheitert. Dies, nachdem die Stadt bereits 36 Millionen Franken in Vorprojekte und Erdbohrungen investiert hatte.Brunner nannte zwei Gründe: Erstens sei die in der Tiefe gefundene Heisswassermenge für ein Kraftwerk viel zu klein. Hinzu komme das Risiko weiterer durch Bohrungen ausgelöster Erbeben.

Zuvor war bereits ein grosses Geothermieprojekt in Basel gescheitert, nachdem die Betreiber bereits Millionen von Franken in kilometertiefe Bohrungen investiert hatten. Abgesehen von wochenlangen Schlagzeilen über Erdbeben haben Geothermieprojekte in der Schweiz bis jetzt noch nichts geliefert.

BKW: «Auf Sparflamme»

Das Scheitern wirkt offenbar abschreckend auf andere Elektrizitätswerke: Gestern teilte die Bernische Kraftwerke AG (BKW) auf Anfrage mit, dass auch sie ihr Geothermieprojekt im Kanton Waadt auf Eis legt. «Wir haben jüngst beschlossen, das Projekt Eclépens nur noch im Sparflammenmodus weiterzuführen. Wir investieren vorläufig kein Geld mehr in das Projekt», sagte BKW-Sprecher Antonio Sommavilla. Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien zurzeit nicht gegeben. Für Bohrungen seien «hohe finanzielle Aufwendungen nötig», und das Risiko, dass man nicht zum gewünschten Resultat komme, sei «äusserst hoch», sagt Sommavilla. Er fügt aber bei, die BKW sei ganz grundsätzlich nach wie vor an der Geothermie interessiert.

Keine Bohrungen in Bern

Auch bei Energie Wasser Bern (EWB) ist Geothermie nicht mehr wirklich aktuell. Selbst wenn die Verantwortlichen dies nicht so direkt sagen. EWB-Sprecherin Corina Neuenschwander wirbt: «Als Aktionärin der Geo-Energie Suisse AG trägt und unterstützt Energie Wasser Bern die Projekte und Projektstandorte der Geo-Energie Suisse AG.» Selber verfolge man aber keine Projekte. Und in Bern denkt die EWB zurzeit nicht einmal mehr an Bohrungen. Solange es kein standardisiertes Bohrverfahren für kristallines Gestein gebe, seien hier keine Bohrungen vorgesehen, sagt Neuenschwander.

Geothermie wurde noch vor wenigen Jahren in der Schweiz als die grosse Alternativenergie der Zukunft angekündigt. Theoretisch sei es möglich, ein Drittel der Elektrizität mit Erdwärme zu erzeugen, hiess es.

Schmerzliche Erkenntnis

In St.Gallen versucht man dem gescheiterten Experiment bis heute auch Gutes abzugewinnen. Stadtrat Fredy Brunner, der als Vater des Geothermieprojekts gilt, sprach gestern von einem schwierigen und schmerzlichen Ringen um den Entscheid. Die Erkenntnisse aus dem St.Galler Projekt seien aber wertvoll für andere Vorhaben in der Schweiz. Er würde heute noch einmal gleich handeln, sagte Brunner.

Das Projekt sei in der Bevölkerung und in der Politik auf grosse Solidarität und Unterstützung gestossen. Das Wagnis nicht einzugehen und möglicherweise eine Chance zu verpassen, wäre laut Brunner der grössere Fehler gewesen.

Die Bohrarbeiten in St.Gallen hatten am 20.Juli 2013 ein Erdbeben der Stärke 3,5 ausgelöst. Unter anderem drang unerwartet viel Gas durch das Bohrloch nach oben. Für das ambitiöse Projekt war dies ein herber Rückschlag. Die Arbeiten mussten gestoppt, das Bohrloch verschlossen und gesichert werden.

Eine Hoffnung bleibt St.Gallen. Möglicherweise kann mit der teueren Bohrung in ferner Zukunft dereinst Erdgas abgezapft und kommerziell verwertet werden.

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