BKW kauft weiter munter ein

Die BKW hat allein im letzten Jahr 19 Unternehmen übernommen. Der Kaufpreis beträgt 266,8 Millionen Franken. Konzernchefin Suzanne Thoma weist Bedenken zu den Risiken der Einkaufstour zurück.

Die BKW hat im letzten Jahr zahlreiche Einkäufe zum Preis von 266,8 Millionen Franken getätigt.

Die BKW hat im letzten Jahr zahlreiche Einkäufe zum Preis von 266,8 Millionen Franken getätigt.

(Bild: Montage: dc)

Julian Witschi

Die Geschäftszahlen für 2016 scheinen ihr recht zu geben. «Auch die BKW leidet zwar unter den erneut gesunkenen Strompreisen, dennoch haben wir ein wirklich gutes Ergebnis erzielt», sagte Konzernchefin Suzanne Thoma am Donnerstag bei der Bilanzpräsentation in Bern. So stieg der Reingewinn um 13 Prozent auf 322 Millionen Franken.

Der Rückgang der Strommarktpreise drückte die Erlöse der BKW um 150 Millionen Franken. Trotzdem stieg der Konzernumsatz um 8 Prozent: Dazu trug der rasante Ausbau des Dienstleistungsgeschäfts mit Käufen von Gebäudetechnikfirmen und Ingenieurbüros bei, aber auch die Übernahmen der Solothurner Energieversorgerin AEK und von Windparks in Frankreich.

Lange Liste

19 Übernahmen zum Preis von 266,8 Millionen Franken umfasst der Kassenbon der BKW für das Jahr 2016. Obwohl dieses rasante Einkaufstempo das Management stark fordert, zeigte sich Thoma überzeugt, dass keine Sanierungsfälle darunter sind.

«Wir kaufen profitable Firmen, die seit Jahrzehnten im Geschäft sind und deren Management zu uns kommen will, weil sie die Chancen eines Netzwerkes mit der BKW erkennen.»

Zur Einkaufsstrategie gehört, dass die bisherige Unternehmensleitung jeweils versichert, mindestens noch fünf Jahre zu bleiben. «Wir sind mit der Philosophie attraktiv für die Verkäufer, die manchmal finanziell bessere Angebote ausschlagen», sagte Thoma.

Nicht artfremd

Im Aufbau des Dienstleistungsgeschäfts sieht die BKW-Chefin wenig Risiken. Denn der Berner Energiekonzern sei durch den Kraftwerkbau seit je ein von Ingenieuren geprägtes Unternehmen.

Mit diesen Kenntnissen könne die BKW andere grosse Infrastrukturen wie Gebäudekomplexe, Stadien oder Häfen entwerfen. Auch an der Expansion in der Gebäudetechnik hält Thoma fest, trotz Klagen über unfairen Wettbewerb an die Adresse des Teilmonopolisten.

«Denn 50 Prozent des Energieverbrauchs finden in Gebäuden statt.» Der Gewinnbeitrag des Dienstleistungsgeschäfts ist immer noch bescheiden.

Sorge um Wasserkraft

Das grösste Risiko für die BKW ortet Thoma bei der Wasserkraft: «Wenn man sich Sorgen macht über die Entwicklung der BKW, dann müsste man sich darum sorgen, ob unsere Investitionen in den Unterhalt der Kraftwerke unternehmerisch richtig sind.» Ob sich das Festhalten an der Wasserkraft auszahlen werde, hänge von der Erholung des Strompreises ab. «Und das ist eine Wette.»

Bei der Stromproduktion zu Marktpreisen holt die BKW wie andere Firmen die Kosten für das investierte Kapital seit längerem nicht mehr herein. «Und sie geht hier in diesem Jahr auch beim Gewinn unter null», sagte Finanzchef Ronald Trächsel auf Anfrage.

Das Minus werde sich bis 2019 auf einen dreistelligen Millionenbetrag vergrössern. Denn ein Grossteil des Stroms wird bereits drei Jahre zum Voraus verkauft, womit die Preisentwicklung schon klar ist.

«Das ist der Grund, warum wir dermassen vorwärtsmachen mit der Transformation der einst ­behäbigen BKW», sagte Thoma. «Die Einkaufstour ist nicht zu Ende, wir haben vielleicht erst einen Drittel unserer Wachstumsziele erreicht.»

Auch Stellen gestrichen

Von den Mitarbeitenden sind bereits über zwei Drittel im Dienstleistungsgeschäft tätig. Durch die Übernahmen des letzten Jahres kamen über 1000 Stellen hinzu. Im angestammten Geschäft mit Energie und Netzen sowie in der Verwaltung fielen dagegen 70 Arbeitsplätze weg.

Innerhalb dreier Jahren drückte die BKW die Kosten um 150 Millionen Franken, «ohne grosse Restrukturierung oder Massenentlassung», wie Thoma sagte. Hingegen legte die BKW Querschnittsfunktionen zusammen und vereinfachte mit neuen IT-Systemen die Prozesse.

Die BKW hat laut der Konzernchefin immer noch Luft, insbesondere bei den Gemeinkosten. Es seien aber keine Abbaumassnahmen geplant. Denn dank der weiteren Expansion könnten Mitarbeitende auch andere Aufgaben übernehmen.

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