BKW erhöht Strompreis um neun Prozent

Die BKW-Kunden müssen im nächsten Jahr rund neun Prozent mehr für den Strom bezahlen. Dies vor allem wegen höheren Kosten für das Verteilnetz.

Suzanne Thoma, CEO bei der BKW, muss mit ihrem Unternehmen die Preise erhöhen.

Suzanne Thoma, CEO bei der BKW, muss mit ihrem Unternehmen die Preise erhöhen.

(Bild: Beat Mathys)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Die Situation ist paradox: Die Energiekonzerne jammern seit Monaten, dass die Strompreise im Keller seien. Und nun gibt der Berner Energiekonzern BKW bekannt, dass er die Strompreise im nächsten Jahr um neun Prozent erhöhen will. Wie geht das zusammen?

Die BKW verweist in ihrer Begründung auf einen Entscheid der Elektrizitätsmarktkommission (ElCom). Vor rund einem Jahr hat die Aufsichtsbehörde gestützt auf einen Entscheid des Bundesgerichts entschieden, dass das Verteilnetz der BKW einen höheren Wert hat, als sie bislang anerkannt hatte. Dies wiederum hat zur Folge, dass die Kosten für den Unterhalt des Netzes entsprechend steigen. Laut der BKW stellt der Entscheid sicher, dass das Energieunternehmen auch künftig jährlich rund 100 Millionen Franken in die «Erneuerung und den Ausbau ihres Verteilnetzes» investieren kann.

Kunden zahlen 60 Millionen mehr

Weiter überwälzt die BKW die höheren Gebühren der nationalen Netzgesellschaft Swissgrid auf ihre Kunden. Insgesamt werden die BKW-Kunden im nächsten Jahr rund 60 Millionen Franken mehr für die Nutzung des BKW- und des Swissgrid-Netzes bezahlen.

Schliesslich ist auch die Energiewende ein Grund für die steigenden Preise. Der Bund erhöhte die kostendeckende Einspeisevergütung KEV um 0,2 auf 1,3Rappen pro Kilowattstunde (kWh).

Um die Logik einer Preiserhöhung in Zeiten sinkender Preise zu verstehen, ist wichtig zu wissen, dass der Schweizer Strommarkt erst teilweise liberalisiert ist. Das Gesetz gibt den Energieunternehmen das Recht, ihren Kunden in der Grundversorgung Preise zu verrechnen, welche die so genannten Gestehungskosten decken. Das sind alle Kosten, welche für die Stromerzeugung entstehen. Dieser Strompreis ist also von den europäischen Marktpreisen abgekoppelt.

Die Mehrkosten pro Monat

Laut einer Berechnung der BKW muss ein Haushalt in einer Vierzimmerwohnung mit Elektroherd und Elektroboiler und einem Jahresverbrauch von 4500 kWh pro Monat mit Mehrkosten von 7Franken rechnen. Für Haushalte in einer Vierzimmerwohnung mit Elektroherd, aber ohne Elektroboiler und einem Jahresverbrauch von 2500 kWh wird die monatliche Stromrechnung um fünf Franken höher ausfallen. Die BKW will alle Kunden bis Ende August über die neuen Stromprodukte informieren.

Nur noch erneuerbarer Strom

Die BKW erhöht auf Anfang 2016 nicht nur die Preise. Sie hat ihr Angebot für Privatkunden neu gestaltet. Die wichtigste Neuerung besteht darin, dass sie ihren Privatkunden und den kleineren Firmen standardmässig zu hundert Prozent erneuerbaren Strom liefert. Die BKW nennt dieses Produkt «Energy Blue». Der Preis bleibt im Vergleich zum bisherigen Standardprodukt, das auch Atomstrom enthielt, gleich.

Will der Kunde ausschliesslich Atomstrom beziehen, kann er sich für das Produkt «Energy Grey» entscheiden. In diesem Fall muss er aktiv werden und den Wunsch zum Wechsel der BKW melden. Pro Kilowattstunde ist dieser Strom 1,1 Rappen günstiger als das neue Standardprodukt.

Berner Zeitung

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