«Beseelte Unternehmer folgen ihrem inneren Ruf»

Die Unternehmensberaterin Christel Maurer wünscht sich, dass es mehr Unternehmer mit einer Seele gibt. Das sind Firmengründer, die ihrem ­inneren Ruf folgen.

Die Buchautorin: Christel Maurer sucht Unternehmer mit einer Seele.

Die Buchautorin: Christel Maurer sucht Unternehmer mit einer Seele.

(Bild: np)

Stefan Schnyder@schnyderlopez

Unternehmer mit einer Seele braucht das Land. Das ist die Überzeugung der Unternehmensberaterin Christel Maurer. Ihrer Meinung nach können solche Unternehmer dafür sorgen, dass es den Arbeitnehmern und der Welt besser geht.

Demotivierte Angestellte

Das Fazit ist ernüchternd: «Die emotionale Bindung von sehr vielen Angestellten zu ihrem Unternehmen ist erschreckend gering. Nur gerade 13 Prozent setzen sich voll für ihr Unternehmen ein», sagt die Unternehmensberaterin Christel Maurer. Das zeigt eine Umfrage des Instituts Gallup für die Schweiz.

Etwa drei Viertel der Angestellten leisten mehr oder weniger Dienst nach Vorschrift, und 12 Prozent der Angestellten haben gar innerlich gekündigt. Auch in Deutschland sieht es nicht besser aus. Als Hauptgrund für diese Malaise ortet Maurer das ungenügende Führungsverhalten der Vorgesetzten. «Dies hat zur Folge, dass das Potenzial der Mitarbeiter nur ungenügend ausgeschöpft wird», betont sie.

Was ist die Seele genau?

Maurer ist in Deutschland aufgewachsen. Sie hat in Hamburg Psychologie und in Wien Organi­sationsentwicklung studiert. Im Jahr 1995 kam sie in die Schweiz. Heute lebt sie in der Region Bern. Nach Tätigkeiten bei verschiedenen Organisationen und Unternehmen machte sie sich im Jahr 2011 als Organisationsberaterin selbstständig. Nun hat sie ein Buch mit dem ­Titel «Beseelte UnternehmerInnen» veröffentlicht, in dem sie ihre Vorstellungen skizziert und zehn Unterneh­merinnen und Unternehmer vorstellt. Einer davon ist Revendo-Gründer Aurel Greiner (siehe Text oben).

Doch was sind beseelte Unternehmer, wenn selbst Theologen sich nicht sicher sind, ob der Mensch überhaupt eine Seele hat? Maurer betont, dass sie den Begriff Seele nicht zwingend re­ligiös meine: «Wem der Begriff Seele unpassend erscheinen mag, kann auch von einem inneren Wesenskern sprechen, der uns ausmacht», betont die 55-Jäh­rige. Für sie sind beseelte Un­ternehmer solche, die ihrer Be­rufung folgen. Und dabei auf Werte achten. Während ein herkömmlicher Unternehmer seine Tätigkeit als Mittel zum Zweck Geldverdienen erachte, treibe einen beseelten Unternehmer die «Freude am Tun» an. Für ihn sei die Verwirklichung seiner ­Geschäftsidee das eigentliche Ziel seiner Aktivitäten.

Sie hören auf den inneren Ruf

Zudem verfolgt ein solcher Unternehmer das Ziel, mit seiner Tätigkeit etwas für die Gesellschaft zu tun. «Beseelte Unternehmer möchten wahren Nutzen und Sinn stiften. Dabei folgen sie ihrem inneren Ruf», betont ­Maurer. Ihrer Meinung nach ist es dringend, dass viel mehr Unternehmer diesen Weg einschlagen. Nicht zuletzt auch ­wegen des ­Klimawandels. «Viele Firmen nehmen ihre Verantwortung in diesem Bereich zu wenig wahr», betont sie.

«Beseelte Gründer von Firmen möchten mit ihrem Tun Nutzen stiften»Christel Maurer

Christel Maurer hat schliesslich mehrere Charakteristika ausgemacht, welche beseelte Unternehmer ausmachen: «In den meisten ­Fällen handelt es sich um Unternehmer, welche unkon­ventionelle Wege ­gehen, und sie wollen ­etwas Neues kreieren. Dabei zeichnen sich beseelte Unternehmer auch durch eine ausgeprägte Kundenorientierung aus: «Für beseelte Unternehmer ist der Kunde ­König. Sie wollen genau verstehen, welche Bedürfnisse und ­Anliegen der Kunde genau hat», erklärt sie. Weil für sie der Gewinn nicht im Vordergrund stehe, wollten sich beseelte Unternehmer dafür auch ganz ­bewusst die nötige Zeit nehmen.

Und Angestellte?

In der Schweiz sind die Angestellten unter den Berufstätigen klar in der Mehrheit. Da stellt sich die Frage, unter welchen Voraussetzungen auch sie beseelt handeln können. «Angestellte können schauen, ob sie innerhalb ihres Entscheidungsrahmens ­etwas bewirken können», sagt Maurer.

Und was ist, wenn ein Mitarbeiter feststellt, dass er mit seinen Vorschlägen immer wieder aufläuft? «Dann steht er vor der Frage, ob er sich nicht besser ein Unternehmen sucht, bei dem er besser seinem inneren Ruf folgen kann», sagt Maurer.

Berner Zeitung

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