Zum Hauptinhalt springen

BEKB garantiert Kunden Kapitalschutz

In BEKB-Depots liegen für rund 50 Millionen Franken Anlagen mit Kapitalschutz, die von Lehman Brothers herausgegeben wurden. Weil die BEKB die Rückzahlung garantiert, kommen die BEKB-Kunden ungeschoren davon.

Die US-Investmentbank Lehman Brothers, die gestern vor einem New Yorker Gericht Insolvenzschutz beantragt hat, geschäftete auch mit der Berner Kantonalbank (BEKB). Lehman Brothers designte zwischen Dezember 2006 und Juni 2007 strukturierte Produkte für die BEKB, welche bei diesen Emissionen als sogenannter Associate Manager auftrat.

Strukturierte Produkte setzen sich aus der Kombination einer klassischen Anlage – etwa einer Obligation – mit einem derivativen Finanzinstrument zusammen. Am beliebtesten sind Produkte mit einem vollen oder teilweisen Kapitalschutz: Geht die Spekulation auf, lockt eine schöne Rendite; verhält sich der Markt anders als erwartet, erhält der Anleger immerhin das eingesetzte Kapital zurück.

Die Kurse sind im Keller

Acht strukturierte Anlageprodukte hat die BEKB insgesamt im Eigenangebot. Drei davon hat die Kantonalbank zusammen mit der US-Investmentbank Lehman Brothers herausgegeben:

- einen sogenannten Bric-Note, mit dem Anleger in die Aktienmärkte Brasiliens, Russlands, Indiens und Chinas investieren. Rückzahlung: 10.Juli 2009. Aktueller Kurs: 109,48 Prozent.

- ein Zertifikat auf alternative Energien, dem Aktien von Firmen zu Grunde liegen, die in Bio-, Sonnen-, Wind- und Wasserenergie investieren. Rückzahlung: 1.Dezember 2009. Aktueller Kurs: 74,94 Prozent. - ein Osteuropa-Zertifikat, mit dem Anleger am polnischen, tschechischen und ungarischen Aktienmarkt partizipieren. Rückzahlung: 29.Juni 2012. Aktueller Kurs: 65,03 Prozent.

Durch die negative Entwicklung an den weltweiten Aktienmärkten notieren zwei dieser drei Zertifikate heute weit unter dem Ausgabepreis. Würde dies bis zum Ende der Laufzeit so bleiben, käme der Kapitalschutz, garantiert durch Lehman Brothers, zum Tragen. Auf Grund der jüngsten Entwicklung ist es allerdings illusorisch, zu glauben, dass die schwer angeschlagene Investmentbank dazu noch in der Lage wäre.

BEKB garantiert Kapital

Es geht um beträchtliche Summen. Insgesamt, bestätigte BEKB-Chef Jean-Claude Nobili gestern auf Anfrage, lägen von der BEKB mitherausgegebene strukturierte Produkte von Lehman Brothers im Gegenwert von «rund 50 Millionen Franken» in den Kundendepots der Kantonalbank.

«Wir haben frühzeitig darüber nachgedacht, was wir tun würden, wenn Lehman Brothers nicht mehr in der Lage wäre, den Kapitalschutz bei diesen Produkten zu gewährleisten», sagt Nobili. Die BEKB habe sich entschieden, bei eigenen Kunden den Kapitalschutz zu gewährleisten, wenn es nach Ende der Laufzeit zu einem Verlust käme. «Auch wenn nach Prospekt klar Lehman Brothers dafür verantwortlich wäre», wie Nobili ergänzt. Diese Garantie des Kapitalschutzes gelte allerdings nur für jene drei erwähnten strukturierten Produkte, bei welchen die BEKB als Associate Manager auftrat und den Co-Lead innehatte. «Daneben gibt es selbstverständlich noch jede Menge anderer Produkte.»

Risiko abgesichert

Mit einem sogenannten Credit Default Swap (CDS) hatte sich die BEKB laut Nobili bereits in diesem Frühjahr gegen ein mögliches Ausfallrisiko bei Lehman Brothers abgesichert. Zu den Kosten, welche dies für die BEKB auslöst, wollte sich Nobili gestern nicht äussern. Laut Berechnungen dieser Zeitung dürfte es sich um einen Betrag im tiefen einstelligen Millionenbereich handeln.

Im Bereich der strukturierten Anlageprodukte arbeitet die BEKB nicht nur mit Lehman Brothers, sondern auch mit der Bank Vontobel, der Credit Suisse und Goldman Sachs zusammen. Im Rahmen einer Lagebeurteilung sei im Frühling auch die Qualität dieser Emissionspartner unter die Lupe genommen worden. «Wir sahen keine Veranlassung, uns bei weiteren Banken gegen ein Ausfallrisiko abzusichern», sagt Nobili.

Schweigen bei den anderen Auch zahlreiche weitere Schweizer Banken, darunter beispielsweise die Luzerner Kantonalbank (LUKB) oder die Basler Privatbank Sarasin, legten kapitalgeschützte strukturierte Produkte von Lehman Brothers in die Kundendepots. Weder LUKB noch Sarasin wollten gestern dazu Stellung nehmen, ob sie wie die BEKB den Kapitalschutz für ihre Kunden garantieren werden. Peter Jost

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch