Zum Hauptinhalt springen

Aufruhr in der Uhrenbranche: Swatch Group droht Lieferstopp

Die Wettbewerbshüter wollen die marktbeherrschende Stellung des weltgrössten Uhrenherstellers brechen – mit weitreichenden Folgen.

ETA in Grenchen stellt Uhrwerke für die eigenen Marken wie Swatch her, aber auch für konkurrierende Manufakturen. Foto: Bildarchiv Tamedia
ETA in Grenchen stellt Uhrwerke für die eigenen Marken wie Swatch her, aber auch für konkurrierende Manufakturen. Foto: Bildarchiv Tamedia

Die eidgenössische Wettbewerbskommission hat am Montag einen Entscheid gefällt, der weitreichende Folgen für die Schweizer Uhrenindustrie mit ihren knapp 58’000 Mitarbeitern hat. Zwar wollen die Wettbewerbshüter ihr Urteil erst gegen Ende Woche mitteilen. Doch am Wochenende ist bereits durchgesickert, worum es im Grundsatz geht.

Der Entscheid betrifft die Swatch Group mit Sitz in Biel, den weltgrössten Uhrenhersteller mit Marken wie Omega, Tissot, Certina und Swatch. Offenbar hat die Wettbewerbskommission vor, die Konzerntochter ETA im kommenden Jahr mit einem Lieferverbot zu belegen, um deren marktbeherrschende Stellung zu brechen. Die Swatch Group bestätigt, dass die Pläne der Behörde in diese Richtung gehen.

ETA im solothurnischen Grenchen stellt mechanische Uhrwerke her, die sie mehrheitlich an den Mutterkonzern Swatch Group liefert, aber auch an konkurrierende Manufakturen. Dem Vernehmen nach gingen im laufenden Jahr rund 500’000 ETA-Uhrwerke an Drittfirmen. Nach Berechnungen der UBS trägt dieses Geschäft beim Bieler Uhrenkonzern ein Prozent zum operativen Jahresgewinn von 1,1 Milliarden Franken bei.

Umsatzeinbussen bei Luxusmarken

Die Überlegungen der Wettbewerbshüter schrecken die Schweizer Uhrenindustrie auf: Vor allem kleine Hersteller, die sich keine eigene Produktion von mechanischen Uhrwerken leisten können, müssten ohne wichtige Bestandteile für ihre Produkte auskommen.

Uhrenliebhaber müssten im schlimmsten Fall auf neue Produkte verzichten:Chopard werde im Jahr 2020 gewisse Uhrenmodelle nicht wie geplant vorstellen können, sagte denn auch Karl-Friedrich Scheufele. Er ist Eigentümer und Co-Präsident der Genfer Luxusuhrenmarke. «Wir werden einige Umsatzeinbussen hinnehmen müssen», so Scheufele gegenüber der «Schweiz am Wochenende».

Die Swatch Group ihrerseits rechnet mit Verzögerungen beim Abarbeiten der externen Aufträge, da es eine Vorlaufzeit von mindestens einem halben Jahr braucht. Normalerweise geben die Abnehmer ihre Bestellungen im Frühsommer auf. Weil die Gruppe zu diesem Zeitpunkt über die Absichten der Wettbewerbskommission im Unklaren war, löste sie die Bestellungen nicht aus.

Kommt hinzu, dass die Swatch Group Abstriche beim Ergebnis machen müsste, wenn die Liefermenge von einer halben Million Uhrwerke über Nacht wegfällt.

Einvernehmliche Regelung läuft aus

Zwischen den Wettbewerbshütern und der Swatch Group gibt es seit Jahren ein Hickhack um die Lieferung von mechanischen Uhrwerken. In einem aussergewöhnlichen Schritt hatte sich die Uhrengruppe im Jahr 2011 selber bei der Wettbewerbskommission angezeigt.

Die Behörde sollte untersuchen, ob der Konzern über seine Tochtergesellschaft ETA bei der Produktion von Uhrwerken über eine marktbeherrschende Stellung verfügt. Konzernchef Nick Hayek missfiel die historisch bedingte Ausgangslage, dass die Swatch Group für die Mitbewerber zum wichtigsten Lieferanten von mechanischen Uhrwerken und einzelnen Bestandteilen geworden ist. Sein Vorwurf: Die Konkurrenz habe es verpasst, ihre Abhängigkeit zu verringern.

In den Boomjahren habe sie lieber ins Marketing investiert als in die Produktion und damit in Arbeitsplätze. Hayek kritisierte, dass alleine die Swatch Group Risiken, Kosten und Verantwortung trage, während die Konkurrenten fein raus seien.

Nick Hayek, Konzernchef der Swatch Group, zeigte in einem ungewöhnlichen Schritt das eigene Unternehmen bei der eidgenössischen Wettbewerbskommission an. Foto: Keystone
Nick Hayek, Konzernchef der Swatch Group, zeigte in einem ungewöhnlichen Schritt das eigene Unternehmen bei der eidgenössischen Wettbewerbskommission an. Foto: Keystone

2013 einigten sich die Swatch Group und die Wettbewerbskommission einvernehmlich darauf, dass der Uhrenkonzern ab 2014 bis Ende 2019 den Lieferumfang von Uhrwerken an die Mitbewerber stufenweise verringern kann. So sollte die Konkurrenz genug Zeit erhalten, um selbst eine industrielle Basis für Uhrwerke aufzubauen. Weil diese einvernehmliche Regelung nun Ende Jahr ausläuft, braucht es eine neue Vereinbarung.

«Drastische Massnahme»

Weil ein Lieferverbot ein radikaler Entscheid wäre, sorgten die Neuigkeiten vom Wochenende für Verwirrung. Branchenkenner wie Finanzanalyst Patrik Schwendimann von der Zürcher Kantonalbank bezeichnen den kolportierten Entscheid der Wettbewerbshüter als seltsam. Er vermute eher, «dass die Wettbewerbskommission nochmals eine Lieferverpflichtung verhängen will», was die Swatch Group aber nicht akzeptieren wolle, so Schwendimann. Auch die UBS bewertet ein Lieferverbot als ziemlich drastische und ungewöhnliche Massnahme.

Gestärkt hervor gingen allenfalls Konkurrenten wie Sellita Watch Co. SA in La Chaux-de-Fonds NE und Sigatec SA in Sitten VS. Die Frage ist aber, ob diese Produktionsbetriebe in der Lage sind, derart kurzfristig zusätzlich 500’000 Uhrwerke herzustellen.

Insider sehen aber grosse Herausforderungen für die Konkurrenten der Swatch Group. Sie glauben, dass sie nicht an Marktführer ETA herankommen.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch