Burgdorf

Baustelle Ypsomed

Burgdorf Ypsomed steht wegen des Wegfalls seines Kassenschlagers unter Druck. Firmenpatron Willy Michel ist aber zuversichtlich und tadelt Medien sowie seinen Sohn.

Den Firmensitz in Burgdorf lässt Ypsomed erweitern. Auch das Geschäft steht vor einem Umbau.

Den Firmensitz in Burgdorf lässt Ypsomed erweitern. Auch das Geschäft steht vor einem Umbau. Bild: pd

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Zuerst las Willy Michel einem Journalisten die Leviten, weil dieser nach einem Interview mit seinem Sohn geschrieben hatte: «Ypsomed warnt vor Gewinneinbruch.» Das sei falsch, und es ärgere ihn, dass andere Medien den Bericht abgeschrieben hätten. Und dann entfuhr es dem Patron: «Mir wäre das nicht passiert».Man gebe nicht im Vorfeld einer Bilanzpräsentation ein Interview, «das habe ich in dreissig Jahren nie gemacht», sagte Verwaltungsratspräsident Willy Michel an der Jahresmedienkonferenz an die Adresse seines Sohnes Simon. Der ist seit 2014 Chef von Ypsomed.

Aufregung über Gewinndelle

Was war geschehen? Letzten Sommer hatte die Burgdorfer Medizinaltechnikfirma überraschend angekündigt, dass der amerikanische Hersteller Insulet den Vertrag mit Ypsomed zum Verkauf seiner Insulinpumpe Omnipod ausserhalb der USA auf Mitte 2018 beendet. Zudem wurde erstmals klar, wie gross der Beitrag dieses Geschäfts an den Gewinn der Burgdorfer ist, nämlich rund die Hälfte. Der Aktienkurs stürzte an einem Tag um rund 29 Prozent ab und erholte sich danach nur zögerlich.

Insulet zahlt nach Vertragsende noch 40 bis 55 Millionen Franken an Ypsomed für den Aufbau des Omnipod-Vertriebs. Dann ist Schluss. Anleger und Analysten richteten daher den Fokus auf das Gewinnpotenzial des verbleibenden Geschäfts mit hauseigenen Insulinpumpen, Penspritzen und Injektionssystemen.

Die Kurve auf einer Präsentationsfolie interpretierten einige Analysten so, dass für das Geschäftsjahr 2019/2020 ein Betriebsgewinn (Ebit) von gegen 60 Millionen Franken realistisch ist. In dem Interview vor zwei Monaten wurde Simon Michel so zitiert, dass es eher Richtung 40 Millionen Franken runtergehe.

Gestern nun stellten Simon und Willy Michel nur noch 30 bis 40 Millionen Franken in Aussicht. Dies nach 61 Millionen Franken Ebit im Ende März beendeten Geschäftsjahr 2017/2018. Diese vorübergehende Einbusse soll aber nicht die Hauptbotschaft sein, sondern: Schon 2020/2021 werde der Ebit mit 60 bis 80 Millionen Franken wieder mindestens das bisherige Niveau erreichen. Willy Michel begründete seine Zuversicht auch damit, dass Konkurrenten wie Roche und Animas ihr Geschäft mit Insulinpumpen zurückfahren. Den letzten Kurstaucher wegen des kritisierten Interviews nutzte er daher für weitere Aktienkäufe. Sein Anteil am Ypsomed stieg innert Jahresfrist um einen Prozentpunkt auf 73,4 Prozent.

Simon Michel zeigte sich überzeugt, dass Ypsomed den Erfolg mit dem Omnipod wiederholen könne, dies gar beschleunigt. Der Verkauf der hauseigenen Insulinpumpe Ypsopump steigt bereits, auch weil das Produkt in immer mehr Ländern auf den Markt kommt. Der weltgrösste Markt USA soll in einem Jahr folgen.

Bei der Ypsopump wird das Insulin via Schlauch und Nadel von einem Gerät gepumpt, das etwa so gross wie ein Portemonnaie ist. Der bisherige Kassenschlager Omnipod ist dagegen alles in einem, und Zuckerkranke können ihn direkt auf den Körper kleben. Ypsomed will selber auch ein solches Gerät entwickeln, braucht dafür aber noch drei Jahre.

Neue Stellen in Burgdorf

Für den Ausbau der Produktion lässt Ypsomed bekanntlich ein neues Werk im ostdeutschen Schwerin erstellen. Simon Michel bekräftigte, dass von den Standorten Burgdorf und Solothurn nichts wegverlagert werde. In Burgdorf läuft vielmehr eine Erweiterung. Neu gebaut wird ein Trakt für den Werkzeugbau. Auch Labors werden erneuert.

Im vergangenen Geschäftsjahr stieg die Zahl der Mitarbeitenden in Burgdorf bereits von 538 auf 587. In Solothurn baute Ypsomed von 360 auf 404 Mitarbeitende aus. In den nächsten drei Jahren soll der Stellenbestand an den Schweizer Standorten nochmals leicht auf etwa 1000 zunehmen. Stärker wird der Ausbau im Ausland im Vertrieb und in Schwerin sein. (Berner Zeitung)

Erstellt: 24.05.2018, 20:27 Uhr

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