Aus für Schild und Herren-Globus

In der Schweiz verschwinden zwei weitere Modeketten. Die Migros gibt die Marken ihrer Tochterfirmen Schild und ­Herren-Globus auf. Den grösseren Teil der Filialen will sie als Globus-Läden weiterführen. Doch einige gehen zu.

In der Zürcher City: Der Schriftzug des Modehauses Schild wird aus dem Schweizer Strassenbild verschwinden. Globus wird dafür präsenter werden.

In der Zürcher City: Der Schriftzug des Modehauses Schild wird aus dem Schweizer Strassenbild verschwinden. Globus wird dafür präsenter werden. Bild: Keystone

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Das Markensterben im Schweizer Detailhandel geht weiter: Dieses Mal trifft es die Modehäuser Schild und Herren-Globus. Beat Zahnd, Leiter des Bereichs Handel bei der Migros Schweiz, und Globus-Chef Thomas Herbert gaben dies gestern in der Globus-Filiale in Zürich bekannt. Die beiden Marken sollen ab dem nächsten Jahr nach und nach verschwinden.

Das Modehaus Schild war 1922 in Luzern gegründet worden. Von 2003 bis 2013 gehörte Thomas Herbert zu den Mitbesitzern. Dann folgte der Verkauf an die Migros. Es ist also eine Ironie des Schicksals, dass Thomas Herbert nun als Globus-Chef über das ­Ende von Schild mitentscheiden musste.

Verdrängt von der Konkurrenz

Offenbar glaubt die Migros-Spitze nicht mehr daran, dass sich Schild auf dem Modemarkt längerfristig einen Platz wird sichern ­können. Schild ist etwas tiefer als Herren-Globus im mittleren Segment positioniert. «Schild leidet am stärksten unter den Markt­bedingungen», sagte Migros-Manager Beat Zahnd.

Darunter versteht er die starke Präsenz von internationalen ­Modeketten wie Zara und H & M, die zunehmende Konkurrenz von Internetanbietern wie Zalando, den Einkaufstourismus und den generellen Trend zu tieferen Preisen.

Dies hat zur Folge, dass die Kunden weniger in die Filialen kommen. «Innert vier Jahren hat die Kundenfrequenz um 10 Prozent abgenommen», sagte Thomas Herbert.

Das Ende für Herren-Globus

Auch die Marke Herren-Globus stellt die Migros ein. Die Migros hatte die Modekette zusammen mit den Warenhaus Globus im Jahr 1997 gekauft. Doch nun ist die Migros-Spitze zum Schluss gekommen, dass es für die ­Herrenmode künftig keine eigene Marke mehr braucht. Die ­Abgrenzung zu Globus sei für die Kunden schwierig zu verstehen gewesen.

Eine Art Mini-Globus

Im Detailhandel sind Verkaufsflächen ein entscheidender ­Faktor für den Erfolg. Deshalb gibt die Globus-Gruppe die Flächen der 35 Schild-Filialen und von Herren-Globus nicht einfach frei. In den nächsten fünf Jahren will sie alle Standorte anschauen und entscheiden, welche sie weiterbetreiben wird.

Die weitergeführten Filialen werden nicht reine Modehäuser bleiben: «Wir möchten etwa 30 Prozent der Fläche für Sortimente wie Parfümerie oder ­Accessoires nutzen», sagte Globus-Chef Thomas Herbert.

Es werden also eine Art Globus-Filialen im Mini­format entstehen. Die restliche Fläche will der Globus-Chef entweder für ein Damen- oder ein Herren-Modesortiment nutzen. Oder für beides.

Sicher ist dagegen, dass es in der Zentrale von Schild und ­Herren-Globus in Spreitenbach zu einem Abbau von 80 der 400 Stellen kommen wird. Noch steht nicht fest, wie viele Entlassungen dies zur Folge haben wird.

Die Gewerkschaft Unia forderte gestern eine Arbeitsplatzgarantie. Für die Entwicklung des Digitalgeschäfts will der Globus-Chef dagegen ­neue Stellen schaffen.

Das ungelöste Problem

Doch mit der Konzentration auf die Marke Globus sind die Probleme nicht gelöst. Das dringendste sind die sinkenden Umsätze: «Wenn wir nichts unternehmen, werden wir uns weiterhin auf einer schiefen Ebene befinden», sagte Globus-Chef Thomas Herbert. Deshalb will er das digitale Geschäft forcieren. Bis in einem Jahr soll praktisch das ganze Globus-Sortiment im Internetshop verfügbar sein.

Zudem nannte Herbert Schlagworte, wie sie die Warenhauschefs derzeit inflationär verwenden. So sollen im Warenhaus «Erlebniswelten» entstehen. Zudem will er vermehrt spezielle Anlässe wie Events mit Spitzenköchen durchführen. Der Kunde soll ganz einfach das Warenhaus wiederentdecken. (Berner Zeitung)

Erstellt: 12.05.2017, 20:59 Uhr

Die Filialen im Kanton

Im Kanton Bern gibt es fünf Schild-Filialen: In Bern, Biel, Thun, Langenthal und im Shoppyland in Schönbühl. Die Modekette Herren-Globus ist in Bern und in Thun vertreten.

Die Globus-Spitze will in den nächsten fünf Jahren das Filialnetz überprüfen. Einiges Kopfzerbrechen dürfte ihr dabei der Entscheid für die Stadt Bern bereiten. Das Globus-Warenhaus, der Herren-Globus und die Schild- Filiale befinden sich nahe bei-einander in der Spitalgasse. sny

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