Thun

Auftragsflaute trübt Rückkehr in Gewinnzone

ThunDas Thuner Solarunternehmen Meyer Burger schreibt erstmals seit 2011 unter dem Strich schwarze Zahlen. Doch die Aufträge sind bereits ­wieder stark geschrumpft.

«Unsere Kunden halten sich mit Investitionen momentan deutlich zurück», heisst es bei Meyer Burger.

«Unsere Kunden halten sich mit Investitionen momentan deutlich zurück», heisst es bei Meyer Burger. Bild: Keystone

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Die gute Nachricht zuerst: Meyer Burger ist zurück in der Gewinnzone. Im ersten Halbjahr 2018 erzielte der Hersteller von Maschinen für Solarmodulproduzenten ein Nettoergebnis von 7 bis 8 Millionen Franken. Dies gab das Thuner Unternehmen am Donnerstag zusammen mit weiteren vorläufigen Eckdaten bekannt.

Letztmals hatte Meyer Burger im ersten Semester 2011 beim Nettoergebnis positiv abgeschlossen. Beim betrieblichen Ergebnis (Ebitda) reichte es im Halbjahr 2017 nach einer einschneidenden Sanierung zwar erstmals wieder zu schwarzen Zahlen. Unter dem Strich stand damals aber ein weiterer Verlust von 17 Millionen Franken. Nun hat sich das Ebitda von 6,9 Millionen im Halbjahr 2017 auf 28 Millionen Franken gut vervierfacht.

So weit, so gut. Doch die schlechte Nachricht ist, dass sich die Aussichten bereits wieder eingetrübt haben. Der Auftragseingang sackte nämlich gegenüber dem Vorjahressemester von 308,5 Millionen auf 138 Millionen Franken ab.

Im Sog des Handelsstreits

Firmenchef Hans Brändle macht dafür den Handelsstreit zwischen den USA und China und die Senkung der chinesischen Solarsubventionen verantwortlich. Als US-Präsident Donald Trump im Januar Strafzölle auf den Import von Solarmodulen bekannt gegeben hatte, bezeichnete Meyer Burger den Effekt auf das Unternehmen noch als neutral. Zwar dominiert China das Solarmodulgeschäft, entsprechend ist dies der wichtigste Absatzmarkt für Meyer Burger. Doch das Gewicht der USA als Fotovoltaikmarkt sei zu relativieren, hiess es damals in Thun.

Im März an der Jahresmedienkonferenz erklärte die Firmenführung dann, es sei zu kleineren Verzögerungen bei einzelnen ­Bestellungen gekommen. Einige chinesische Solarfirmen hätten zuvor Pläne gewälzt, Teile der Produktion in die USA zu verlegen, um Trumps Strafzölle zu umgehen. Doch die Zölle seien nun offenbar weniger hoch als befürchtet, und so schienen die Produktionskapazitäten weiterhin vor allem in China ausgebaut zu werden.

China reduziert Subventionen

Nachdem Trump der chinesischen Solarindustrie Preis­dumping vorgeworfen hatte, reduzierte die Regierung in Peking Ende Mai die Subventionen für Solarstrom und für den bislang rasanten Ausbau von Solaranlagen. Dies und die sich verschärfende Handelskrise zwischen den USA und China hätten «zu einer momentan deutlichen Zurückhaltung» bei Investitionen der Kunden geführt, erklärt das Unternehmen jetzt.

Meyer Burger zeigt sich zugleich zuversichtlich, dass sich der langfristige Wachstumstrend der Solarindustrie fortsetzen werde. Und dass das Unternehmen mit seiner Technologieführerschaft gut aufgestellt sei, um zu wachsen. An der Börse reagierten Händler mit Skepsis. Der Kurs der Aktie von Meyer Burger fiel gestern zeitweise um 13 Prozent auf einen neuen Tiefstand von 75 Rappen.

Um operativ in der Gewinn­zone zu bleiben, benötigt Meyer Burger gemäss früheren Angaben einen Jahresumsatz von rund 300 Millionen Franken. Nach der bis Ende Jahr geplanten Einstellung der Produktion in Thun werden es noch 270 Millionen sein. Im ersten Semester betrug der Umsatz 212 Millionen Franken, 9 Prozent mehr als im Vorjahr.

Ob es unter dem Strich zu einem Jahresgewinn reichen wird, dazu will sich das Unternehmen nicht vor der Präsentation des vollständigen Semesterberichts am 16. August äussern. Der angepeilte Jahresumsatz von 450 bis 500 Millionen Franken scheint aber nur noch schwerlich erreichbar. (Berner Zeitung)

Erstellt: 19.07.2018, 17:21 Uhr

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