Appleby – der Dienstleister für Grosskonzerne

Im Zentrum des neuen Datenlecks Paradise Papers steht die auf den Bermudas gegründete Kanzlei Appleby. Sie ist auf die Offshore­geschäfte von Grosskonzernen und Superreichen spezialisiert.

Die Appleby-Büros in Hamilton auf den Bermudas.

Die Appleby-Büros in Hamilton auf den Bermudas. Bild: Keystone

Ein Grossteil der Daten, die für die Paradise Papers von Hunderten Journalisten weltweit ausgewertet wurden, stammt aus der Kanzlei Appleby – rund 6,8 Millionen Dokumente. Die Kanzlei beschäftigt rund 470 Mitarbeiter und hat Niederlassungen unter anderem auf den Cayman Islands, in Hongkong, auf den Kanalinseln Guernsey und Jersey sowie in Mauritius.

Appleby ist Mitglied des «Offshore Magic Circle», eines weltweiten Netzwerks von Rechtsanwälten, Beratern und Managern, die Firmen in Steueroasen betreuen. Die Kanzlei ist einer der Marktführer für Offshoregeschäfte, die speziell auf die Bedürfnisse von Grosskonzernen und Superreichen zugeschnitten sind.

Grundsätzlich ist das Steuer­oasenmodell legal. Briefkastenfirmen an Orten mit möglichst niedrigen Steuern, hoher Vertraulichkeit und geringer Transparenz können allerdings für il­legale Steuerhinterziehung oder Geldwäscherei genutzt werden. Gemäss der «Süddeutschen Zeitung» zeigen die Paradise Papers nun, dass unter den Appleby-Kunden auch korrupte Politiker, mit Sanktionen belegte Geschäftsleute oder verurteilte Steuerhinterzieher sind.

Zu den wichtigsten Appleby-Kunden gehören Prinzessinnen, Premierminister, Hollywoodstars und Oligarchen genauso wie Grosskonzerne, darunter Facebook, Nike oder Glencore.

Der Schweizer Rohstoffkonzern Glencore soll bei Appleby und für seine halblegalen Wünsche berüchtigt gewesen sein. Das Unternehmen hatte in der Bermudas-Filiale von Appleby sogar einen eigenen Raum – direkt gegenüber der Damentoilette im 2. Stock –, der in der Kanzlei als der «Glencore Room» bekannt war. Was dort genau vorging, ist allerdings unklar.

Fakt ist: Der Name Glencore taucht in den Paradise Papers mehr als 34'000-mal auf. Der Konzern hat zudem 107 Offshoregesellschaften gegründet. Aufgrund der Paradise Papers kann gezeigt werden, welche Strukturen Glencore aufgebaut hat und welche Strategien der Konzern zur Steuerminimierung verfolgt.

(lm/sda)

Erstellt: 07.11.2017, 07:48 Uhr

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