Apple, Amazon, Google, Facebook, Microsoft: Gut oder böse?

Was die fünf wertvollsten Konzerne der USA so erfolgreich macht – und warum ihre Grösse gefährlich ist.

Immer neue Rekordzahlen: Am Donnerstag wurde Apple kurzzeitig mit 1’000’036’178’300 Dollar bewertet. (Video: AFP/Tamedia)

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Apple ist als erstes amerikanisches Unternehmen an der Börse mehr als eine Billion Dollar wert. Der iPhone-Hersteller führt damit einen Boom von Technologie-Firmen an, deren Produkte aus dem täglichen Leben nicht mehr wegzudenken sind.

2008 hiessen die grössten US-Konzerne Exxon Mobil, General Electric, Microsoft, Walmart und Procter & Gamble. Zehn Jahre später ist die Welt eine andere: Apple, Amazon, die Google-Mutter Alphabet, Microsoft und Facebook sind die fünf wertvollsten US-Firmen.

In den USA werden sie «Big Five» genannt. Das passiert immer dann, wenn eine Branche so gross wird, dass sie politischen Druck auf die Gesellschaft ausüben kann, etwa um Steuerzahlungen zu optimieren. Dann heisst es Big Oil, Big Tobacco oder Big Pharma. Wenn eine Industrie so gross und mächtig wird, wächst gewöhnlich das Unbehagen der Kartellwächter. Doch bislang konnten weder eine strengere Regulierung noch abschätzige Bemerkungen einstiger IT-Manager die Faszination mindern, die iPhones, Online-Shopping und soziale Netzwerke bei Konsumenten und Anlegern auslösen.

Steuervermeider, Wettbewerbsunterdrücker, Demokratie-Schwächer

Dabei ist das Sündenregister der Big Five lang. Sie werden beschuldigt, den Wettbewerb zu unterdrücken, Steuern zu vermeiden, in die Privatsphäre einzudringen und die Demokratie zu untergraben. Die blosse Grösse der digitalen Quasi-Monopole ist ebenso beängstigend wie das beispiellose Ausmass und die Geschwindigkeit, mit der sie persönliche Daten sammeln und in Vorhersage-Algorithmen umwandeln.

So schaffen sie eine allwissende, undurchsichtige Maschinerie, die das Fundament der Demokratie zu erodieren drohe, wie die amerikanischen Wissenschaftler Moran Cerf, Sandra Matz und Guy Rolnik befürchten. Sie warnen davor, dass die fünf einen Grossteil der Aufmerksamkeit kontrollieren, diktieren, welche Nachrichten wahrgenommen werden, und durch Werbung Verhaltensweisen beeinflussen.

Apple ist das erste private Unternehmen der Welt, das die Billionen-Dollar-Grenze an der Börse knackte. (Bild: Mike Segar, Reuters ) (2. August 2018)

Dennoch sind Apple, Google und Facebook äusserst beliebt, die Menschen kommen nicht los von den schicken Handys, der sensationell guten Suchmaschine, dem Klatsch auf Netzwerken. Selbst Experten sind verwirrt. Sind diese Firmen unsere Freunde oder Feinde?

Ökonomen wie David Dorn («Der Aufstieg der Superstar-Firmen») haben in ihren Studien dokumentiert, wie stark die Marktmacht der grossen Konzerne gewachsen ist. Ergebnis: Die Dominanz der Tech Five ist erdrückend. Sie beherrschen die wichtigsten Zukunftsmärkte mit Marktanteilen von teils mehr als 90 Prozent. Amazon kontrolliert zwei Drittel des Online-Buchhandels, Google 90 Prozent des Suchmaschinenmarktes, Facebook 75 Prozent der mobilen Kommunikation.

Sobald sich ein neues Wachstumsfeld auftut, wird es unter den fünf aufgeteilt. So schluckte Facebook den Messenger-Dienst Whatsapp, bevor er gefährlich werden konnte. Die grossen IT-Konzerne nutzen ihre Grösse, um günstige Konditionen herauszuhandeln, sie locken mit viel Geld die besten Mitarbeiter an, haben Zugang zu seltenen Ressourcen und hohe Bargeldreserven für Zukäufe. Allein Apple verfügt über 260 Milliarden Dollar. Es gibt kein Unternehmen auf der Welt, das Apple sich nicht einverleiben könnte.

Das Kartellrecht kommt nicht mehr hinterher

Es ist nicht absehbar, wie die fünf aus ihrer Position hinausgedrängt werden können. Noch auffälliger als die unerhörte Macht der Super-Firmen ist die Ohnmacht der Politiker und Kartellbehörden. «Unsere Rechtsinstitutionen erscheinen heute als veraltet», sagte Julie Cohen der Nachrichtenagentur Bloomberg. Cohen ist Professorin an der Georgetown Law School, sie arbeitet an einem Buch über ein neues Kartellrecht, das den mächtigen Online-Plattformen gerecht werden soll. «Unsere Regulierungsbehörden stammen aus dem frühen 20. Jahrhundert», sagt sie.

Ein Teil der Schwierigkeit besteht darin, dass nationale und europäische Behörden in vielen einzelnen Fällen gegen die weltweit agierenden Digitalkonzerne ermitteln, sie ihre Kräfte aber nicht bündeln. Die Ökonomin Dalia Marin schlägt deshalb vor, dass sich die nationalen Wettbewerbsbehörden zu einem weltweiten Netzwerk zusammenschliessen, um schlagkräftiger zu werden.

Einst wurden Unternehmen, die zu dominant geworden waren, zerschlagen, so wie Standard Oil im Jahr 1911 in 34 unabhängige Unternehmen zersplittert wurde. Wäre so etwas auch heute möglich? Unter US-Präsident Donald Trump ist es schwer vorstellbar, dass Google in fünf Googelchen aufgespalten wird, die miteinander konkurrieren. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 04.08.2018, 17:27 Uhr

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