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Aktionäre nehmen Präsidenten von Meyer Burger unter Beschuss

VR-Präsident Alexander Vogel hat von einer Transaktion des Solarunternehmens profitiert. Ein Investor hat ihn angezeigt.

Abgang mit Misstönen: Meyer-Burger-Präsident Alexander Vogel, hier im Jahr 2016. Foto: Keystone
Abgang mit Misstönen: Meyer-Burger-Präsident Alexander Vogel, hier im Jahr 2016. Foto: Keystone

Gehässige Worte gestern im Kongresszentrum in Thun. Dass Meyer Burger seine Aktionäre enttäuscht, ist zwar nichts Neues: Bereits zum siebten Mal in Folge schreibt der Maschinenhersteller rote Zahlen und kann entsprechend keine Dividende ausschütten.

Meyer Burger hat dank seiner Spitzentechnologie in der zukunftsträchtigen Solarbranche immer wieder Investoren gefunden, die frisches Geld eingeworfen haben. Doch nun hat der Verwaltungsrat einen dieser neuen Investoren gegen sich aufgebracht: Petr Kondrashev, ein russischer Milliardär mit Wohnsitz in Österreich. Er hält über seine liechtensteinische Firma Sentis Capital laut eigenen Angaben gut 6 Prozent an Meyer Burger und ist damit der grösste Aktionär.

Kondrashev trat gestern nicht selber in Thun auf, doch seine Vertreter richteten diverse Vorwürfe an den zurücktretenden Verwaltungsratspräsidenten Alexander Vogel. Der Grund: Im März beteiligte sich Meyer Burger am britischen Start-up Oxford PV. Meyer Burger zahlte für die Beteiligung mit eigenen Aktien. Und Oxford PV machte diese Aktien umgehend zu Geld.

Gewinn von 55'000 Franken erzielt

Dabei war die Credit Suisse, die Hausbank von Meyer Burger, behilflich: Sie suchte nach Investoren, welche die Aktien übernehmen würden. Als Anreiz wurde verglichen mit dem damaligen Börsenkurs ein Rabatt von 11 Prozent gewährt. Die Credit Suisse bot die Aktionsaktien auch grossen Meyer-Burger-Aktionären zum Kauf an, Kleinaktionäre konnten jedoch nicht profitieren.

Pikant: Gemäss einer Meldung der Börse hat sich auch ein Verwaltungsratsmitglied von Meyer Burger mit den Aktien eingedeckt – und dabei einen Gewinn von 55'000 Franken erzielt. Meyer-Burger-Präsident Vogel outete sich an der Generalversammlung als Käufer der Titel. Sein Aktienkauf sei ein Vertrauensbeweis für Meyer Burger. «Ich bedaure sehr, wenn dies nun in ein schlechtes Licht gerückt wird.» Aus Zeitgründen habe man die Mittel für die Beteiligung an Oxford PV nicht über eine normale Kapitalerhöhung beschaffen können. Unter den Aktionären kam das Argument nur mässig gut an – einer sprach von einem «krassen Insidergeschäft».

Ein anderer Investor, Urs Fähndrich, ist einen Schritt weitergegangen: Er hat Anfang Woche wegen finanzieller Schädigung der Aktionäre Strafanzeige gegen die Verwaltungsräte von Meyer Burger eingereicht. Sowohl die Staatsanwaltschaft ­Berner Oberland wie auch die Staatsanwaltschaft III des Kantons Zürich bestätigen auf Anfrage den Eingang von Fähndrichs Anzeige. Nun werde geprüft, wer dafür zuständig sei.

Aufträge an eigene Kanzlei

Der von Grossaktionär Kondra­shev beauftragte Wirtschaftsanwalt Thiemo Sturny nahm Vogel wegen eines weiteren Punkts unter Beschuss: Meyer Burger bezieht seit Jahren juristische Leistungen bei der Zürcher Anwaltskanzlei Meyerlustenberger Lachenal. Rechtsanwalt Vogel ist Mitinhaber der Kanzlei. «Es ist mehr als unüblich, dass eine kotierte Gesellschaft praktisch ihre ganzen Rechtsdienstleistungen von der Kanzlei des Präsidenten bezieht», sagte Sturny.

Weiter warf Anton Karl, ein Vertreter von Kondrashevs Sentis Capital, den Meyer-Burger-Verwaltungsräten vor, sie hätten eine Erhöhung der eigenen Honorare versteckt. Dies, indem Verwaltungsrat Michael Splinter zum Delegierten ernannt und sein Honorar im Budgetposten der Geschäftsleitung abgerechnet wurde. Dabei habe Splinter gar nie als Delegierter des Verwaltungsrats gewirkt. Operativ habe immer Konzernchef Hans Brändle geführt. Tatsächlich wurde Splinter im Handelsregister nie als Delegierter eingetragen. Vogel verteidigte sich, es gebe «verschiedene Interpretationen» des Begriffs Delegierter.

Kondrashev-Vertreter Karl warf dem Verwaltungsrat «Sandkastenspiele» vor und erntete dafür den Applaus der Aktionäre. Trotzdem: Bei den Abstimmungen stellten sich die Aktionäre hinter Meyer Burger und genehmigten auch den Vergütungsbericht mit 62 Prozent Ja-Stimmen.

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