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AIG-Kollaps wäre eine Katastrophe

Analysten fürchten bei einem Kollaps von AIG eine Kettenreaktion. Der weltgrösste Versicherer verliert erneut über die Hälfte des Marktwertes. Auch die Börsen haben ihre Talfahrt fortgesetzt.

AIG-Sitz in Hongkong: Lange überragte der US-Riese den Versicherer-Weltmarkt.
AIG-Sitz in Hongkong: Lange überragte der US-Riese den Versicherer-Weltmarkt.
Bloomberg

«Die Verwicklungen von AIG mit der Finanzwirtschaft sind viel grösser als bei den Investmentbanken», so ein Börsenhändler. Letztlich habe das Ende von Lehman Brothers bewiesen, dass die Messlatte für «zu gross, um unterzugehen» gerade nach oben gesetzt worden sei. Gegen einen Zusammenbruch der American International Group (AIG) «waren Lehman und Bear Stearns gar nichts», sagte der Händler.

Analysten fürchten bei einem Kollaps eine Kettenreaktion. «Wenn AIG zusammenbricht, dann wird es richtig schlimm. Dagegen waren Lehman und Bear Stearns gar nichts», sagte ein Händler.

Bis zu 75 Milliarden Dollar müssen her

Medienberichten zufolge benötigt der angeschlagene Riese rasch zwischen 40 und 75 Milliarden Dollar an Kapitalspritzen und Krediten. Die AIG-Aktie brach bereits gestern um mehr als 60 Prozent ein. Die drei wichtigsten Rating-Agenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch stuften die Kreditwürdigkeit von AIG herab.

Zudem stellten die Ratingagenturen den angeschlagenen Konzern unter Beobachtung und schlossen weitere Abstufungen nicht aus. Für diesen Fall drohen AIG dramatische Finanzierungsschwierigkeiten.

Von Allianz und Axa überholt

AIG zählt zu den weltweiten Branchenführern. Lange Zeit stand der Konzern gemessen am Börsenwert einsam an der Spitze. Doch der jüngste dramatische Kursverfall liess AIG bei der Marktkapitalisierung hinter die deutsche Allianz und die französische AXA zurückfallen.

Der AIG-Konzern bedient mit über 100'000 Beschäftigten in mehr als hundert Ländern weltweit die gesamte Palette von Schadenspolicen bis hin zu Lebensversicherungen.

Milliarden verloren

In den vergangenen drei Quartalen erlitt AIG wegen der Kreditkrise Verluste von insgesamt 18 Milliarden Dollar und wechselte seinen Chef aus. Der Versicherer holte sich zudem bereits eine Kapitalspritze von 20 Milliarden Dollar.

Börsen weiter auf Talfahrt

Die Börsen blieben auch am Tag nach dem «Schwarzen Montag» rot. In Zürich verlor der SMI 3 Prozent, die Aktien der UBS fielen zeitweise auf den tiefsten Stand aller Zeiten und schlossen 17,2 Prozent tiefer auf 16.64 Franken.

Die Europäische Zentralbank, die Bank of England sowie die Bank of Japan pumpten zusammen fast 150 Milliarden Dollar in die Märkte. Auch die Schweizerische Nationalbank verorgte den Geldmarkt grosszügig.

Goldman Sachs mit Gewinneinbruch

Die Stimmung wurde auch durch die Quartalszahlen der US-Investmentbank Goldman Sachs gedrückt. Diese meldete für das abgelaufene Quartal einen Gewinn von 845 Millionen Dollar, was einem Rückgang von 70 Prozent entspricht.

Für einen Lichtblick sorgte einzig die Meldung, dass sich die britische Bank Barclays für Teile des zusammengebrochenen Konkurrenten Lehman interessiert. Barclays bestätigte offiziell Gespräche über den Kauf einzelner Sparten.

sda/ap/bru/cpm

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