A220-Probleme bei Swiss: Erste Hinweise zur Ursache

Der Hersteller und das Bazl haben nach ersten Erkenntnissen Handlungsanweisungen an die Piloten herausgegeben.

Die Piloten werden angewiesen, auf einer Höhe über 29'000 Fuss höchstens 94 Prozent Schub zu geben: A220 der Swiss. Foto: Keystone

Die Piloten werden angewiesen, auf einer Höhe über 29'000 Fuss höchstens 94 Prozent Schub zu geben: A220 der Swiss. Foto: Keystone

Die Piloten des Problemfliegers A220 dürfen im Reiseflug vorläufig nicht vollen Schub geben. Der Hersteller Airbus Canada und die kanadische Flugsicherheitsbehörde haben eine entsprechende Handlungsanweisung herausgegeben.

Diese ist am Montag vom Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) veröffentlicht worden. Die neuen Airbus-Flugzeuge der Swiss haben in den letzten Monaten mehrere Triebwerkspannen erlitten. Im August etwa verlor eine Maschine auf dem Weg nach London über Frankreich Triebwerksteile und musste in Paris zwischenlanden.

Mitte Oktober groundete die Swiss die gesamte Flotte der C-Series, wie die A220 auch genannt wird. Nach einer Inspektion gingen die 29 Flugzeuge wieder in Betrieb. Die Triebwerke seien in einwandfreiem Zustand, teilte die Swiss damals mit.

Nun hat die Untersuchung erste Hinweise auf die Ursache der Probleme ergeben. In der Handlungsanweisung werden die Piloten angewiesen, auf einer Höhe über 29'000 Fuss höchstens 94 Prozent Schub zu geben. Die automatische Schubkontrolle muss ausgeschaltet werden.

Triebwerks-Ausfall

Steigflüge in grosser Höhe bei vollem Schub könnten zu einem Ausfall des Triebwerks und einer Beschädigung des Flugzeugs führen, heisst es in der so genannten Lufttüchtigkeitsanweisung. Die Schubbegrenzung wird im neuen Flughandbuch der A220 festgehalten.

Als Paradeflieger in die Flotte aufgenommen, kämpft die Swiss beim A220 immer noch mit Kinderkrankheiten. Foto: Keystone

Zusätzlich soll das Flugzeug bei Wetterbedingungen, in welchen eine Vereisung des Flugzeugs möglich ist, nicht über 35'000 Fuss Höhe geflogen werden. Gemäss dem Hersteller kann das Einschalten der Enteisungsanlage auf dieser Höhe zur Überhitzung des Triebwerks führen und den Feueralarm auslösen, was zu einem Abbruch des Fluges führt.

Über die zugrundeliegenden Ursache für die Triebwerksprobleme werden keine Angaben gemacht. Die Untersuchungen dauerten an, heisst es in der Lufttüchtigkeitsanweisung. Ein sicherer Flugbetrieb sei gewährleistet, sagte Swiss-Chef Thomas Klühr im Interview mit dem «Blick». Es wäre aber ein besseres Gefühl, wenn man die genaue Ursache schon wüsste.

Vorzeige-Flugzeug

Die Lufttüchtigkeitsanweisung sei aufgrund der Erfahrungen der Swiss herausgegeben worden, hiess es beim Bazl auf Anfrage. Es handle sich um eine weitere Vorsichtsmassnahme, die im Zusammenhang mit den Triebwerksproblemen ergriffen worden sei.

Die Swiss hat vor zwei Wochen eine Flughöhenbegrenzung eingeführt, wie die Fluggesellschaft auf Anfrage mitteilte. Seither fliegen die A220 nicht mehr bis auf 29'000 Fuss. Die Lufttüchtigkeitsanweisung hat daher keine Auswirkungen auf den Flugbetrieb der Swiss. Aufgrund welcher Erkenntnisse die Fluggesellschaft die Massnahmen ergriffen hat, teilte sie nicht mit.

Die Swiss war Erstkundin der C-Series, sie fliegt seit 2016 mit Maschinen dieses Typs. Die 29 Flugzeuge machen knapp die Hälfe der Europaflotte der Fluggesellschaft aus. Diese stammen vom kanadischen Unternehmen Bombardier, das seine Mittelstreckenjets mittlerweile an Airbus verkauft hat. Deshalb erhielten die Maschinen auch die Airbus-Nomenklatur A220. Die Triebwerke werden Pratt & Whitney hergestellt.

red./sda

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