«Wir produzieren zu teuer»

Panalpina-Chef Peter Ulber über das gute Resultat seiner Firma, die Folgen des starken Frankens und die höheren Dividenden.

Peter Ulber: «Wir wollen uns auch auf Dauer unter den Top fünf halten».

Peter Ulber: «Wir wollen uns auch auf Dauer unter den Top fünf halten».

(Bild: Keystone Steffen Schmidt)

Herr Ulber, Panalpina hat sich im vergangenen Jahr stark verbessert. Wo haben Sie 2014 angesetzt?
Insgesamt sind wir zufrieden. Wir müssen einen Doppelspagat machen, indem wir einerseits das Wachstum sichern und andererseits unsere Strukturen teilweise deutlich verändern mussten. Gleichzeitig sollten wir noch etwas Geld verdienen. Das alles auf einmal zu schaffen, ist nicht einfach. Da wir derzeit zusätzlich noch unsere Technologielandschaft erneuern, haben wir das 2014 gut gemeistert. Wir sind überall ein Stück vorwärtsgekommen.

Sie sprechen das Geldverdienen an. Der Gewinn ist nach schwierigen Jahren deutlich gewachsen.
Nachdem wir 2012 noch in der Verlustzone abgeschlossen haben und im vergangenen Jahr einen kleinen Gewinn ausweisen konnten, sind es auch jetzt noch immer Beträge, die für die Grösse des Unternehmens nicht zufriedenstellend sind. Der Trend zeigt aber glücklicherweise in die richtige Richtung.

Was war ausschlaggebend für die Entwicklung?
Der wichtigste Grund ist sicher die finanzielle Transparenz, die wir inzwischen herstellen konnten. Heute können wir bis in die kleinsten Standorte hinein messen, was funktioniert und was nicht. Wir sind in 75 Ländern selbst tätig und unterhalten dort 500 Büros. Aus diesem Grund benötigen wir diese Transparenz, die wir bis 2014 nicht hatten. Dementsprechend konnten wir auch eingreifen und diese Fortschritte machen.

Sie haben inzwischen Ihre starke Abhängigkeit von der Luftfracht reduziert. Dahinter stecken strategische Überlegungen?
Das ist richtig. Panalpina gehört in der Luftfracht zu den Top vier und auch in der Seefracht zu den Top vier der Branchen. Wir wollen uns auch auf Dauer unter den Top fünf halten, da diese Gruppe bei Ausschreibungen der grossen Firmen in der Regel jedes Mal eingeladen wird. Das Luftfrachtgeschäft war 2010 schon mal auf einem höheren Niveau und steigt inzwischen wieder etwas, während die Seefracht seit 2010 bezogen auf die Transportvolumen um 30 Prozent zugenommen hat. Das Verhältnis ist gesünder geworden.

Die Seefracht wirft aber weniger ab, als Sie erwarten. In diesem Segment wollen Sie die Gewinnmarge deutlich steigern. Was ist Ihr Rezept?
Bei der Spanne zwischen Einkaufspreisen und Preisen für unsere Kunden sind wir vergleichbar mit den guten Unternehmen im Markt. Wo wir Probleme haben, ist die Bruttomarge in den echten Gewinn zu überführen. Wir produzieren zu teuer.

Sie haben einen zu hohen Personaleinsatz?
Bei uns entfallen 60 Prozent der Kosten auf das Personal und dieses kann heute noch nicht so effizient arbeiten, wie es aufgrund verfügbarer Systeme und verbesserter Prozesse möglich wäre. Wir leiden derzeit noch unter den etwas umständlichen Prozessen und dem noch nicht abgelösten IT-System, deshalb brauchen unsere Mitarbeiter für das Bearbeiten von Aufträgen länger als die Klassenbesten. Das heisst aber nicht, dass sie per se schlechter arbeiten würden.

Welche Marge wollen Sie erreichen?
Wir glauben, dass mittelfristig 20 Prozent Ebit-Marge zum Bruttogewinn möglich sind.

Wie gehen Sie dieses Ziel an?
Einerseits rollen wir im laufenden Jahr einen Teil des neuen IT-Systems aus. Andererseits planen wir auf Ebene der Länderorganisationen einen Umbau. Bislang haben unsere Mitarbeiter vor Ort einen Auftrag von Anfang bis Ende in der Hand. Sie sprechen mit Kunden und der Reederei, schreiben die Rechnungen. Das ist verhältnismässig aufwendig. Die Tätigkeiten, die direkt mit den Kunden zu tun haben, sollen künftig weiter in den Panalpina-Büros erbracht werden, aber beispielsweise Dokumentationen sollen zunehmend an zentraler Stelle erledigt werden. Für unsere Kunden ist das nicht sichtbar und auf unsere Produktivität wirkt sich das positiv aus. Es ist zudem nicht mit Massenentlassung oder Outsourcing verbunden. Wir sind ja auf Wachstumskurs.

Die Logistik hat im vierten Quartal noch einen Verlust eingefahren. Folgen im laufenden Jahr dort schwarze Zahlen?
Das ist klar das Ziel. 2014 haben wir in diesem Segment die letzten grösseren Probleme gelöst. Ab jetzt verdienen wir mit unserem Angebot Geld.

Was hat dieser Weg an Kosten für Umbauten und Restrukturierungen gefordert?
Das ist schwer zu sagen, da das eine Mischung aus Investitionen in neues Geschäft und der Schliessung von Lagern ist. Wir haben rund 15 Prozent der reinen Lagerflächen aufgegeben und trotzdem konnten wir den Bruttogewinn 2014 um fünf Prozent steigern. Die reinen Palettenstellflächen sind für uns nicht attraktiv. Zudem haben wir in Europa unser Netzwerk mit fixen Kapazitäten im Strassentransport aufgegeben, wobei wir weiterhin Landverkehre vor allem in Zusammenhang mit Luft- und Seefracht anbieten.

Sie planen, vom Reingewinn in Höhe von 86,5 Millionen Franken stolze 65 Millionen Franken auszuschütten. Fällt Ihnen nichts mehr ein, wo Sie die Mittel sonst einsetzen könnten?
Nein, das nicht. Wir haben inzwischen als Unternehmen eine gewisse Stabilität erreicht. Der Vorschlag ist, die Dividende um 25 Prozent auf 2,75 Franken zu erhöhen. Das ist eine Reflexion, dass sich das Geschäft in die richtige Richtung entwickelt.

Wie stark leidet Panalpina unter dem starken Franken?
In der Schweiz fallen rund sieben bis acht Prozent der Kosten des Gesamtunternehmens an, es werden aber nur rund vier Prozent des Bruttogewinns hier erwirtschaftet. Wir neigen jedoch nicht zur Hektik und treten auch keine Standortdiskussion los. Die Volatilität bei den Währungen gibt es immer. Dass wir als global tätiges Unternehmen mit der Firmenzentrale in der Schweiz etwas Gegenwind spüren, ist einfach so.

Basler Zeitung

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