Wie ein Kauf von UPC durch Sunrise doch noch klappen könnte

Die Übernahme des Schweizer Kabelnetzbetreibers durch Sunrise soll noch nicht vom Tisch sein.

Sunrise musste den UPC-Deal platzen lassen. Bild: Andrea Zahler

Sunrise musste den UPC-Deal platzen lassen. Bild: Andrea Zahler

Jon Mettler@jonmettler

Eine Meldung der Schweizer Börse sorgte am Tag nach der gescheiterten Übernahme von UPC durch Sunrise für Aufregung:Darin wurde offengelegt, dass sich die UPC-Muttergesellschaft Liberty Global das Vorrecht gesichert hat, sich mit 31,2 Prozent an Sunrise zu beteiligen. Ist da etwa ein neuer Grossaktionär eingestiegen mit der Absicht, den Deal doch noch zu retten?

Bei genauerem Hinsehen zeigt sich, dass sich die Meldung auf den 14. Oktober bezieht. Damals hatte Liberty Global angekündigt, sich mit 500 Millionen Franken an Sunrise zu beteiligen, um skeptische Aktionäre vom Kauf zu überzeugen. Damit hätte der Milliardenkonzern mit Sitz in London einen Anteil von knapp 8 Prozent am zweitgrössten Telecomanbieter der Schweiz gehalten.

Dieser Deal könnte noch einmal zum Leben erweckt werdenMike Fries, CEO Liberty Global

Der Unterschied zwischen beiden Prozentangaben kommt deshalb zustande, weil sich die 31,2 Prozent auf die alte Sunrise beziehen – also vor der geplanten Kapitalerhöhung und dem angestrebten Zusammengehen mit UPC. Bei einer Fusion hätten sich die Anteile auf knapp 8 Prozent verwässert.

Die Beteiligung von Liberty Global an Sunrise liegt jedoch ab sofort wieder bei null. Grund ist, dass Sunrise am Dienstag die für gestern anberaumte ausserordentliche Generalversammlung abgesagt hat. Die Aktionäre hätten entscheiden sollen, ob sie einer Kapitalerhöhung zustimmen, um UPC zu übernehmen.

Liberty Global hat weiter Hoffnungen

Eindeutig sind dafür die Aus­sagen, die Mike Fries gegenüber der «Financial Times» machte. Der CEO von Liberty Global deutete an, dass er eine Übernahme des Schweizer Kabelnetzbetreibers durch Sunrise immer noch für möglich hält.

«Dieser Deal könnte noch einmal zum Leben erweckt werden», sagte Fries. «Niemand kann gegen die in­dustrielle Logik der Übernahme argumentieren», sagte er mit Blick auf das Zusammenführen von Kabelnetzen und Mobilfunkinfrastruktur in der Schweiz.

Und so würde ein Kauf von UPC durch Sunrise doch noch klappen: Eine Schlüsselrolle könnte dabei Freenet spielen. Der deutsche Mobilfunkanbieter ist mit einem Anteil von knapp 25 Prozent der grösste Aktionär von Sunrise. Liberty Global könnte versuchen, dieses Paket zu kaufen. Somit würden sich die Verhältnisse bei der Stimmenmehrheit zugunsten der UPC-Muttergesellschaft verändern.

Freenet hat nicht vor, seine Aktien an Sunrise kurzfristig abzustossen. Firmenchef Christoph Vilanek will diese Beteiligung erst in zwei Jahren neu beur­teilen. In der Vergangenheit hatte sich Vilanek jedoch offen für einen Verkauf gezeigt, sollte der Preis stimmen. Seither halten sich Spekulationen, Freenet könnte bei einer passenden Gelegenheit aussteigen.

Die Sunrise-Aktie kostete bei Börsenschluss 78.60 Franken. Damit ist der Freenet-Anteil von knapp 25 Prozent rund 868 Millionen Franken wert. Freenet hatte sich am lautesten und vehementesten gegen eine Übernahme von UPC gestellt. Vilanek kritisierte den hohen Kaufpreis von 6,3 Milliarden Franken und die angebliche «industrielle Logik». Es mache keinen Sinn, mit dem Aufkommen des neuen Mobilfunkstandards 5G in eine veraltete Technologie wie Kabelnetze zu investieren.

Weil sich im Vorfeld der ausserordentlichen Generalversammlung eine Stimmenmehrheit gegen die Übernahme von UPC abzeichnete, machte Sunrise am Dienstag in letzter Minute einen Rückzieher. Noch am selben Tag erklärte Sunrise-Chef Olaf Swantee den Deal für «tot».

Zwei Briefe an Belegschaft

Diese deutliche Ansage sorgte bei UPC Schweiz zunächst für Verwirrung. In der internen Kommunikation an die Mitarbeiter hiess es zuerst: «Sunrise und Liberty Global zeigen nach wie vor Entschlossenheit, die Transaktion durchzuführen, und haben sich bereit erklärt, weiterhin Möglichkeiten zu prüfen, um die erforderliche Genehmigung der Aktionäre zu erhalten und die Transaktion abzuschliessen.» Auffallend ist: Diese Erklärung deckt sich mit der öffentlich geäusserten Ansicht von Fries.

In einem zweiten Schreiben an die Angestellten ruderte der Kabelnetzbetreiber später aber zurück. Das Unternehmen habe die Absicht von Sunrise zur Kenntnis genommen, nach dem geplatzten Kauf als eigenständiger Anbieter weiterzumachen.

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