Was Schweizer Hoteliers von Sawiris' Resort halten

Hintergrund

Grosser Tag heute in Andermatt: Das Prunkstück des Tourismus-Projekts, das 5-Sterne-Hotel The Chedi, wird der Öffentlichkeit gezeigt. Und was sagen Hoteliers wie Peter Bodenmann oder Daniel Borer dazu?

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Angela Barandun@abarandun

Peter Bodenmanns Eindruck von Andermatt ist alles andere als schmeichelhaft: «Dort ist es kalt, windig, und es hat wenig Sonne», sagt der Briger Hotelier und ehemalige SP-Präsident. Die üble Witterung hat er am eigenen Leib erfahren: «Ich habe dort ein paar Mal Militärdienst geleistet.» Auch Daniel Borer, Rolex-Erbe, Hotelier und Allgemeinmediziner, war in Andermatt im Bunker – und denkt darum mit gemischten Gefühlen ans Urner Bergdorf.

Das bedeutet allerdings nicht, dass sie dem Luxushotel The Chedi, ein Kernstück von Samih Sawiris' Luxusresort in den Bergen, keine Chancen einräumen. Zwar sagt Bodenmann, dass er das Segment, auf das das Chedi abziele, zu wenig kenne: «Das Chedi ist nur etwas für sehr, sehr reiche Leute. Ich weiss nicht, wie die ticken.» Aber er sagt auch, dass die Witterung in Andermatt für den Erfolg des Luxushotels gar nicht so entscheidend sein könne. «Vielleicht spielt das Wetter ja gar kein Rolle, wenn man in einem Palast sitzt, mitten in einer künstlichen Landschaft.»

«Ich werde mir das anschauen»

Milliardär Daniel Borer, dem das Luxushotel Giardino in Ascona gehört, setzt grosse Hoffnungen in die neuartige Anlage: «Wenn alles so realisiert werden kann, wie es geplant ist, gehe ich davon aus, dass Sawiris' Resort in Andermatt ein Erfolg wird.» Das Konzept sei in der Schweiz einzigartig – und grundsätzlich eine gute Sache. «Alles, was ausländische Gäste ins Land bringt, ist gut für die ganze Schweiz.»

Entscheidend ist laut dem 48-Jährigen, der die halbe Woche als Arzt arbeitet und den Rest der Zeit in diverse unternehmerische Projekte investiert, dass das Erlebnis im Chedi stimmt: «Wenn einem der Gast schon die Zeit schenkt, muss alles perfekt sein. Jeder Erfolg steht und fällt mit dem Personal.» Das töne zwar simpel, dennoch erlebe er immer wieder, dass den Details zu wenig Sorge getragen werde. Ob das Chedi tatsächlich so glamourös sei, wie die Bilder und der Zimmerpreis das vermuten liessen, will Borer persönlich überprüfen: «Ich werde bestimmt bei Gelegenheit vorbeigehen und mir das anschauen.»

Handicap: Keine Durchfahrtsstrasse

Die Ausgangslage des Chedi in Andermatt ist vergleichbar mit jener des Lenkerhofs in Lenk: Beide Luxushäuser sind im Winter nur durch eine einzige Zufahrt zu erreichen und liegen nicht an einer Durchfahrtsstrasse. «Das kann vor allem bei schwierigen Strassenverhältnissen im Winter ein Problem sein», sagt Jan Stiller, der den Lenkerhof leitet. Damit die Gäste den Weg trotzdem auf sich nehmen, braucht es nicht nur ein ausgezeichnetes Hotel mit einer klaren Positionierung, sondern auch ein attraktives touristisches Angebot in der Region. «Allerdings nützt auch das beste Konzept nichts, wenn dem Haus die Atmosphäre fehlt», sagt der 35-Jährige. «Erst die Leute geben dem Hotel eine Seele.»

Das sagt auch Ernst Wyrsch, der zuletzt das Hotel Belvédère in Davos geleitet hat. «Was die erfolgreichen Schweizer 5-Sterne-Hoteliers von der ausländischen Konkurrenz unterscheidet, ist die Beziehung, die sie zu den Gästen aufbauen.» Die höheren Kosten würden mit zusätzlicher Nähe kompensiert. «Die grösste Aufgabe des Chedi-Teams wird es sein, die Besucher zum Wiederkommen zu animieren», sagt Wyrsch. «Und das kann nur ein Manager, der mit genauso viel Herzblut dabei ist, wie Sawiris selbst.»

Bernerzeitung.ch/Newsnetz

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