VW-Chef Winterkorn entschuldigt sich

Erst Gerüchte über einen möglichen Abgang, nun ein Statement des Volkswagen-Chefs: Martin Winterkorn entschuldigt sich in einer Videobotschaft – einen Rücktritt erwähnt er nicht.

Der Volkswagen-Chef Martin Winterkorn hat sich in einer Videobotschaft zum Abgasskandal rund um den Autobauer geäussert. «Ich gebe Ihnen mein Wort, bei all dem werden wir mit der nötigen Transparenz und Offenheit vorgehen», sagte Winterkorn. «Wir werden alles tun, um Ihr Vertrauen Schritt für Schritt zurückzugewinnen.»

Winterkorn bat im Video um Entschuldigung – die Gerüchte um einen Rücktritt kommentierte er nicht. «Es tut mir unendlich leid, dass wir dieses Vertrauen enttäuscht haben. Ich entschuldige mich in aller Form bei unseren Kunden, bei den Behörden und der gesamten Öffentlichkeit für das Fehlverhalten.»

  • loading indicator

Am Mittwoch trifft sich das Präsidium des VW-Verwaltungsrats zu einer Krisensitzung. Das Gremium soll die Verwaltungsratssitzung vom Freitag vorbereiten. Dann soll unter anderem über eine vorzeitige Vertragsverlängerung von Winterkorn um zwei Jahre bis Ende 2018 beraten werden.

Abgasskandal lässt VW-Aktie weiter abstürzen

Zuvor hatte Volkswagen mitgeteilt, dass die Software zur Manipulation der Abgaswerte in mehr Dieselfahrzeugen eingebaut wurde, als bisher angenommen. Weltweit seien elf Millionen Autos betroffen.

Angesichts der Ausweitung des Skandals ist die Aktie des Konzerns weiter dramatisch abgestürzt. Sie gab an der Frankfurter Börse zeitweise um über 20 Prozent nach. Gestern war der VW-Kurs bereits um 18,6 Prozent eingebrochen.

Bereits vor dem Bekanntwerden des Abgasskandals hatte die Konjunkturabkühlung in China sowie schwächelnde Verkäufe in den USA der VW-Aktie stark zugesetzt. Verglichen mit dem Allzeithoch im März bei 262 Euro haben die VW-Aktien mehr als die Hälfte ihres Werts eingebüsst.

Konzern stellt 6,5 Milliarden Euro zurück

Für «notwendige Servicemassnahmen» und weitere Anstrengungen, um das Vertrauen der Kunden zurückzugewinnen, wolle Volkswagen im dritten Quartal des laufenden Geschäftsjahrs 6,5 Milliarden Euro zurückstellen. Die Ergebnisziele für das Jahr 2015 würden «dementsprechend angepasst».

Die US-Umweltbehörde EPA hatte am Freitag bekannt gegeben, dass Volkswagen eine Software entwickelt hat, mit der Vorgaben zur Luftreinhaltung zwar bei Tests, nicht aber beim normalen Betrieb der Dieselautos erfüllt wurden. Die Dieselfahrzeuge stiessen folglich im regulären Strassenverkehr mehr gesundheitsschädliche Stickoxide aus als erlaubt.

Was sind eigentlich Stickoxide?

NOx – die ominöse Abkürzung für die farblosen Gase der Stickoxide. Stickoxide wiederum sind, das ist logisch, Oxide des Stickstoffs, also im Prinzip die «Verbrennung» von Stickstoff. Das klingt sehr technisch, ja – dennoch haben Stickoxide eine ganz reale Bedeutung für unsere Welt. Stickoxide…

  • …schaden unserer Lunge und können zu Erkrankungen führen, zum Beispiel zu Bronchialverengungen. Das ist besonders für Asthmatiker fatal.
  • …sind verantwortlich für sauren Regen. Der saure Regen wiederum gehört zu den Hauptverursachern des Waldsterbens.
  • …sind verantwortlich für die Bildung von Smog und Ozon. Gerade im Sommer bei hoher Abgasbelastung ist das gut messbar. Regelmässig kommt es zu Überbelastungen.
  • …verstärken die Erderwärmung. Denn sie gehören zu den berüchtigten Treibhausgasen.

«Auffällig» seien Motoren vom Typ EA 189, teilte Volkswagen mit. Sie seien in rund elf Millionen Fahrzeugen weltweit eingebaut. Bei diesem Motortyp seien eine «auffällige Abweichung zwischen Prüfstandswerten und realem Fahrbetrieb» festgestellt worden. Volkswagen arbeite daran, diese Abweichungen «mit technischen Massnahmen» zu beseitigen. Die beanstandete Software beeinflusse aber weder Fahrverhalten, Verbrauch noch Emissionen.

Personelle Konsequenzen

Volkswagen betonte, der Konzern treibe die Aufklärung von Unregelmässigkeiten «mit Hochdruck» voran. Volkswagen dulde keinerlei Gesetzesverstösse. Nach Auffassung von Verwaltungsratsmitglied Olaf Lies wird es am Ende auch personelle Konsequenzen geben. Zunächst sei jedoch eine gründliche Aufklärung nötig.

«Ich glaube, mit übereilten Forderungen nach Rücktritten haben wir das Problem nicht gelöst und das verlorengegangene Vertrauen nicht wiedergewonnen», sagte der niedersächsische Wirtschaftsminister im Deutschlandfunk. Wenn klar sei, welche Personen verantwortlich seien, könne man auch die nötigen Konsequenzen ziehen. Einen Rücktritt von Konzernchef Martin Winterkorn forderte er aber nicht explizit.

Das oberste Kontrollorgan des Wolfsburger Autokonzerns will sich am Mittwoch in einer Krisensitzung mit den Vorwürfen aus den USA befassen. Das Gremium soll die Verwaltungsratssitzung am Freitag vorbereiten. Dann soll unter anderem über eine vorzeitige Vertragsverlängerung von Winterkorn um zwei Jahre bis Ende 2018 beraten werden.

ij/AFP/SDA

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt