Schluss mit Analog-TV: Das müssen Sie wissen

Die Cablecom stellt das analoge Fernsehen ab. Schon ab Juni fallen Sender wie ORF eins und Arte weg.

Bald ausgeflimmert: Ein Röhrenfernseher steht in einem Wohnzimmer in Zürich (11. April 2014).

Bald ausgeflimmert: Ein Röhrenfernseher steht in einem Wohnzimmer in Zürich (11. April 2014). Bild: Ennio Leanza/Keystone

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Was passiert genau?
Die Cablecom will 2015 das analoge TV abschalten. Die Fernsehsignale werden dann nur noch digital verbreitet. Wann genau das analoge Netz abgeschaltet wird, ist noch nicht klar. Die ersten Auswirkungen spürt man aber bereits im Sommer: Am 3. Juni schaltet die Kabelnetzbetreiberin weitere 8 Sender ab. Bereits im letzten Herbst waren 9 Sender verschwunden. Dieses Mal sind 3Sat, Arte, ORF eins, Star TV, RTS Un, RTS Deux, RSI La 1 und RSI La 2 an der Reihe. Die Zahl der analog empfangbaren Kanäle schrumpft damit auf 17.

Wieso hat sich die Cablecom für diese Sender entschieden?
Das ist nicht ganz klar. Die Cablecom argumentiert, dass diese 8 Sender lediglich 30 Prozent des analogen TV-Konsums ausmachen – darum sei die Wahl auf sie gefallen. Somit würden 70 Prozent weiterhin abgedeckt. Allerdings werden ja ebenfalls 30 Prozent der analogen Sender abgestellt (8 von 25). Das bedeutet: Entweder die Cablecom-Zuschauer verteilen sich praktisch gleichmässig auf alle Kanäle – oder es werden nicht einfach die Sender mit den tiefsten Einschaltquoten abgeschaltet. Sonst wäre der Anteil der abgeschalteten Sender nicht gleich hoch wie ihr Anteil am Konsum.

Wieso schaltet die Cablecom das analoge Netz überhaupt ab?
Allein die acht analogen Sender, die im Juni abgestellt werden, beanspruchen laut Telecom-Experte Ralf Beyeler vom Vergleichsdienst Comparis etwa 10 Prozent des gesamten Cablecom-Netzes. Ausserdem entstehen durch den parallelen Betrieb von digitalem und analogem Angebot zusätzliche Kosten und Investitionen. Weil die Cablecom davon ausgeht, dass nur wenige Kunden das Angebot überhaupt noch nutzen, lohnt es sich für sie nicht, es weiterhin zu betreiben und in den Unterhalt zu investieren. Gleichzeitig hat sie ein Interesse daran, den Kunden das breitere digitale Grundangebot schmackhaft zu machen, das in der Anschlussgebühr von 29 Franken enthalten ist. (Wer kein Eigenheim besitzt, zahlt diesen Betrag meist zusammen mit der Miete.)

Wer ist von der Abschaltung betroffen?
Grundsätzlich jeder, der über einen Kabelnetzanschluss der Cablecom fern sieht und dessen TV-Gerät die digitalen Signale nicht verarbeiten kann. Als Faustregel gilt das für alle Röhrenfernseher sowie für Flachbildschirme, die älter sind als drei bis vier Jahre. Falls Sie also über einen älteren Fernseher verfügen und die Zahl der empfangenen Sender seit Jahren sinkt (zuletzt im Herbst 2013, von 34 auf 25), müssen Sie handeln.

Grundsätzlich jeder, der über einen Kabelnetzanschluss der Cablecom fern sieht und noch nicht auf ein digitales Produkt umgestiegen ist. Sollten Sie unsicher sein, gilt als Faustregel für alle, die im Empfangsgebiet der Cablecom leben: Besitzen Sie einen alten Röhrenfernseher, sind Sie betroffen. Schweizweit verfügen laut einer Umfrage des Verbandes für Informations-, Kommunikations- und Organisationstechnik (Swico) 12 Prozent der Haushalte über nichts anderes als ein klobiges Gerät mit Bildröhre. Wie viele solcher Zweitgeräte herumstehen, ist unklar. Sollten Sie einen Flachbildschirm besitzen, kommt es auf sein Alter an: Ist er älter als drei, vier Jahre, ist die Chance gross, dass auch er ab 2015 nicht mehr funktioniert – sofern Sie nichts unternehmen. Und falls die Zahl der TV-Sender, die Sie empfangen, seit Jahren schrumpft und mittlerweile unter 35 Kanälen liegt, sind Sie ebenfalls betroffen.

Von wie vielen Betroffenen sprechen wir?
Das kann niemand genau sagen. Klar ist einzig, dass laut einer Umfrage des Verbandes für Informations-, Kommunikations- und Organisationstechnik (Swico) schweizweit immer noch 12 Prozent der Haushalte – also rund 420'000 – nichts anderes als einen Röhrenfernseher zu Hause haben. Von den 1,4 Millionen TV-Kunden der Cablecom weiss man von gut der Hälfte – von 650'000 – , dass sie ein kostenpflichtiges Digital-TV-Abo haben. Allerdings weiss niemand, wie viele analoge Zweit- oder Drittgeräte die Digital-TV-Kunden noch besitzen. Und um die Verwirrung komplett zu machen, kann man digitales Fernsehen heute auch ohne Abo via Cablecom empfangen: Moderne TV-Geräte kann man einfach in die Kabelbuchse stöpseln – wie beim analogen Fernsehen üblich.

Was können die Betroffenen tun?
Entweder, Sie nutzen die Gelegenheit, um die Umsätze der TV-Verkäufer anzukurbeln und legen sich ein neues Gerät zu. Wer darauf – aus verständlichen Gründen – keine Lust hat, kann ein digitales Produkt bei der Cablecom abonnieren oder auf einen anderen Anbieter wie Swisscom oder Sunrise wechseln. Wichtig: Egal welchen Anbieter man wählt, es braucht pro TV-Gerät ein Abo.

Geht es nicht ohne Geld ausgeben?
Doch – zumindest solang man nicht mehr als einen Problemfernseher hat. Die Cablecom stellt jedem Haushalt einen Umwandler zur Verfügung – ein Gerät, das die digitalen Signale so umwandelt, dass auch ältere TV-Geräte sie lesen können. Die Box wird zwischen TV-Buchse und Fernseher gestöpselt und mit separater Fernbedienung gesteuert. Wer mehr als eine Box braucht, bezahlt 99 Franken. Den Umwandler kann man hier bestellen. Mit diesem Link umgehen Sie sämtliche Versuche der Cablecom, Ihnen ein teureres Angebot schmackhaft zu machen.

Gibt es irgendwelche Nebeneffekte?
Unter Umständen kann man Geräte wie den Video- oder den alten Harddiskrekorder nicht mehr verwenden. Das hängt aber vom Einzelfall ab. Und wer ein ganz altes TV-Gerät hat, bei dem nützt auch die kostenlose Empfangsbox der Cablecom nichts. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 11.04.2014, 20:37 Uhr

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